Wohnhaus

Lindenallee 7, 50968 Köln - Marienburg
Errichtet: 1925


Villa mit winkelförmig angebauten Wirtschaftsteil

Architekt: Emil Felix (?-?)

Herrenhaus

  • zwei Geschosse
  • sieben Achsen
  • Klinkerfassade mit Muschelkalkgliederungen
  • Sti: englischer Landhausstil

 

Das Haus Lindenallee 7 ist von dem Architekten Emil Felix 1925 in der Baugesinnung alter rheinischer Herrensitze errichtet worden. Der Bauherr war der Kölner Tabakfabrikant Heinrich Neuerburg, für den Emil Felix auch das Verwaltungsgebäude der Zigarettenfabrik am Gülichplatz entworfen hat. Wie dieses ist auch der Wohnsitz Neuerburg mit dem von Felix bevorzugten holländischen Klinker in Verbindung mit hellem Kirchheimer Muschelkalk erbaut worden. Nach angelsächsischem Vorbild hat der Architekt den Wirtschaftsteil des Hauses winkelförmig von dem Herrschaftstrakt getrennt, wodurch sich eine großzügige Wohnhofsituation ergibt.

Fassade

Beherrscht wird die zweigeschossige, in 7 Achsen aufgeteilte Fassade des Herrenhauses von dem axial angeordneten Portalvorbau, der mit seinem vorgestellten, säulenflankierten Portikus, dem dazugehörigen üppigen Balkongitter und der weit über die Trauflinie hinaufgezogenen, getreppten Ziergiebelarchitektur auf den repräsentativen Charakter der Schaufront hinweist.

Der helle Werkstein scheidet kontrastvoll die Architekturteile Portikus, Eckverzahnung und profilierte Fenstergewände von dem dunklen Ziegelmauerwerk.

Ein hohes schiefergedecktes Walmdach mit kleinen Gauben schließt dominant den Baukubus nach oben ab. Bei einer Dacherneuerung wurde dessen Höhe zurückgenommen und die Schieferhaut durch Pfannen ersetzt. Auch sind die hochreckteckigen Gauben verbreitert worden. Vermutlich ist bei diesen Veränderungen der Ziergiebel des Portalvorbaus verloren gegangen und seine Traufe auf das Niveau der Haustraufe gesenkt worden.

An der Südfront des Hauses konzentriert sich die Gestaltung auf den unmittelbaren Bezug zum mehrfach terrassierten Gartengelände. Hauptmerkmal dieser Anbindung ist die durch Rundsäulen geteilte, in die Tiefe des Hauses eingelassene, Gartenhalle. Von ihr konnte über drei Terrassen eine weite Wiesenfläche mit dazugehörigem Pavillon und Teehaus und ein daran anschließender Plansee (heute nicht mehr vorhanden) erreicht worden. Flankiert wird die breite Gartenhalle von zwei dreiteiligen, werksteingerahmten Fenstern. Im Obergeschoß gliedert eine geschlossene Fensterreihe ruhig die flächige Klinkerfassade. Zusammen mit der Gaubenreihe und der weiten Dachfläche wird der Eindruck gelassener Harmonie erzeugt, zumal Baumbewuchs die seitlichen Anbauten verunklären. Heute ergänzen zu beiden Seiten der Gartenhalle kubische Eckpavillon-Anbauten ergeschoßhoch die gartenseitige Südfassade. Im Zuge dieses Umbaus ist die ehemalige Gartenhalle in der Ebene der Hausfront geschlossen worden. Nunmehr bildet eine moderne Stahlkonstruktion zusammen mit den seitlichen Anbauten eine neue - nach Süden verschobene Mittelloggia. Erdgeschoßhohe arkadenförmige und geschlossene Anbauten mit dichter Balusterreihung in Werkstein (heute durch schmiedeeiserne Gitter erstetzt) gliedern zusätzlich die Seitenfronten des Herrenhauses.

Nunmehr bildet eine moderne Stahlkonstruktion zusammen mit den seitlichen Anbauten eine neue - nach Süden verschobene Mittelloggia. Erdgeschoßhohe arkadenförmige und geschlossene Anbauten mit dichter Balusterreihung in Werkstein (heute durch schmiedeeiserne Gitter erstetzt) gliedern zusätzlich die Seitenfronten des Herrenhauses.

 

Wirtschaftsgebäude

  • ein- bis zwei Geschosse

 

Das mit dem Herrenhaus verbundene ein- bis zweigeschossige Wirtschaftsgebäude ist durch seine, von den Funktionen und der ästethischen Zuordnung zum Hauptbau bestimmten Architektur, sowie mittels Details (Schlagläden als Ausdruck des "Bürgerlichen") klar von diesem getrennt.

Die rückwärtige Seite des Wirtschaftsflügels wird durch die beim dortigen Nebentreppenhaus nochmals anklingende Giebelarchitektur des Hauptportals akzentuiert. Auch hier ist der Ziergibel verlorengegangen und wird heute durch ein schlichtes Walmdach ersetzt, wie auch die mit schräg verlaufenden Profilen versehenen Schlagläden des Seitenflügels heute nicht mehr vorhanden sind. Die ursprünglich geschwungene niedrige Einfriedung wird heute durch ein hohes Gitter ersetzt.

Inneres

Dass das Haus nicht, wie es die Außenarchitektur vermuten läßt, dem 19. Jahrhundert angehört, sondern ein Bauwerk der zwanziger Jahre ist, zeigt sich in seinem Inneren, dessen Grundriss die Bedürfnisse des Bauherrn widerspiegelt. Alle Räume gruppieren sich um die zentrale Eingangshalle.

Entsprechend den Prinzipien englischer Landhausarchitektur liegen die untergeordneten Räume, wie Anrichte, Garderobe, etc. nach Norden zur Lindenallee, während die Haupträume, das Herrenzimmer, die mittlere Wohnhalle und das Speisezimmer, sich nach Süden zum Gartenbereich hin öffnen.

Die Dielenhalle ist teilweise mit einem dreijochigen Kreuzgratgewölbe mit expressionistischen Ansätzen geschlossen, zu dem sich die anschließende dunkle Holzbalkendecke des großzügigen Treppenhauses kontrastvoll absetzt. Die breite Holztreppe mit ihren flachen Balustern ergänzt die rustikale Landhausarchitektur.

Mittelpunkt des Herrschaftshauses ist die Wohnhalle mit ihrer üppigen Kassettendecke in Renaissanceformen, die eventuell aus einem Bauwerk dieser Zeit übernommen wurde. Das daneben liegende Herrenzimmer ist mit Holzvertäfelungen und profilierten Holzdecken geschmückt. Das aristokratische Gepräge des Raumes wurde ergänzt durch einen an frühbarocke Vorbilder sich anlehnenden Kachelofen von Professor Burger sowie mittelalterliche Glasmalereifragmenten in den Fenstern.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Durch die Vielzahl seiner im originalen Zustand erhaltenen Bauten zählt Marienburg zu einer der geschlossensten VillenKolonien in Deutschland. Aus historischer Sicht gehört der Vorort zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln, da er, anders als die sonstigen Bereiche der Stadt, im Krieg weitgehend von Zerstörungen verschont blieb. Ihre über die Grenzen Kölns hinausreichende Bedeutung erhält die Villenkolonie durch den von Camillo Sitte (1843-1903) angeregten einheitlichen Bebauungsplan und der Fülle ihrer herausragenden Architekturbeispiele.

Die Besiedlung erfolgte in offener Bauweise mit Villen und herrschaftlichen Wohnsitzen entlang geschwungener und gerader Straßen. Die Bebauung Marienburgs beginnt um die Mitte der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts und ist im wesentlichen gegen Ende der zwanziger Jahre unseres Jahrhunderts abgeschlossen. Damit läßt sich über einen Zeitraum von etwa 40 Jahren an einer Fülle hervorragender Beispiele die Entwicklung der Architektur vom ausgehenden Historismus über den Jugendstil, dem Expressionismus und den verschiedenen Zwischenstufen bis hin zur Moderne verfolgen.

Unter den Architekten finden sich zahlreiche namhafte Persönlichkeiten - die Bauherren sind oft bedeutende Kölner Bürger. Joseph Maria Olbrich (1867-1908) reifste Leistung - die Villa Feinhals - entstand hier; Namen wie Paul Bonatz (1877-1956), Otto March (1845-1913), Bruno Paul (1874-1968) sind mit Marienburg eng verbunden aber auch viele Kölner Architekten wie Dominikus Böhm (1880-1955), Franz Brantzky (1871-1947), Theodor E. Merrill (1891-1978), Emil Mewes (1885-1949) & Alfons Bischoff (?-?), Carl Moritz (1863-1944), Wilhelm Riphahn (1889-1963), Emil Schreiterer (1852-1927), Paul Pott (1882-1966) und eben auch Emil Felix (?-?). Durch diese konzentrierte Anordnung herausragender Villenarchitektur entstand ein Ensemble, das in dieser Geschlossenheit in Deutschland nur noch in den Berliner und Münchner Villenvororten anzutreffen ist.

Die Villen Marienburgs sind zudem stets als Gesamtkunstwerk verstanden worden, mit einer Einbettung in eine große Parkanlage, im Inneren mit Wandmalereien und Holzvertäfelungen und häufig mit einem für das Haus entworfenen Mobiliar. Die Villa Lindenallee 7 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Da das Bauwerk zudem in lebendigem Konstrast die Architekturentwicklung zur Moderne dokumentiert, ist es, als Bestandteil der architektonischen Vielfalt, für das Erscheinungsbild Marienburgs unverzichtbar.

Das Haus Lindenallee 7 ist in seiner überaus großzügigen Gesamtkonzeption und in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. der Kölner Architekt Emil Felix hat unter bewußtem Einbezug traditioneller rheinischer Bauformen und -techniken ein äußerst repräsentatives Herrschaftshaus mit Wirtschaftsanbauten geschaffen, das an die alten Herrensitze des Rheinlandes erinnert. Verbunden hat Felix diesen Formenkanon mit einer modernen Grundrißgestaltung, was zu mehreren Veröffentlichungen führte (Deutsche Bauhütte 31.1927, S. 158 ff; Sonderdruck aus der Zeitschrift "Neue Baukunst", Emil Felix, Architekt, Köln a. Rh., Berlin o. J.).

In dem Tabakfabrikanten Neuerburg fand Emil Felix einen Bauherren der sich der alten rheinischen Baukultur verpflichtet fühlte, was auch durch das von Felix entworfene Verwaltungsgebäude am Köln Gülichplatz eindrucksvoll unterstrichen wird. Das eigentliche Hauptbetätigungsfeld des Architekten in den zwanziger Jahren waren die Großbauten für Banken und Verwaltung. Für die Deutsche Bank hat Felix unzählige Bauten im Rheinland und Westfalen entworfen, wie etwa den Um- und Erweiterungsbau der Kölner Niederlassung. Ein weiteres Wohnhaus in Marienburg hat er für den Bankdirektor Dr. Brüning errichtet. Das Haus Lindenallee 7 stellt innerhalb der Arbeiten von Emil Felix einen sehr wichtigen Aspekt dar, da er hier - anders als bei seinen Verwaltungsgebäuden - eine an traditionellen Formen sich orientierende Architektursprache an neuzeitliche Wohnansprüche anzupassen hatte. In dieser Verbindung ist das Bauwerk ein herausragendes Beispiel für die Vielfalt der Architekturgestaltung Mitte der zwanziger Jahre an deren wissenschaftlichen Durchdringung ein großes wissenschaftliches Interesse besteht.

Referenz: 5744


Das Denkmal hat die Nummer 3645 und ist seit dem 3. Juli 1986 geschützt.

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