Wohnhaus

Von-Groote-Str. 49, 50968 Köln - Marienburg

errichtet 1924

Architekt: Jakob Koerfer (1875-1930)

Wohnhaus; Villa

  • zwei Geschosse
  • sechs Achsen

 

Das Haus Von-Groote-Str. 49 ist 1924 zusammen mit dem Nachbarhaus Nr. 47 entworfen und gebaut worden.

Über drei mal zwei Achsen wendet sich das rechteckige Bauwerk dem Straßenraum zu. Anders als der benachbarte Zwillingsbau wird die Fassade nicht durch einen mittig angeordneten halbrunden Erdgeschoßerker akzentuiert, sondern bezieht ihre Wirkung ausschließlich aus der Rasterung der Fenster, was der Architektur einen äußerst klaren Ausdruck verleiht.

Im Erdgeschoß sind die Fenster analog zum Nachbarhaus weit nach unten gezogen, wodurch sie an "französische Fenster" erinnern. über ein sehr fein profiliertes Sohlbankgesims sind die expressiv spitz zulaufenden Obergeschoßfenster aufgereiht. Mit heller Holzrahmung schneiden alle Fenster scharfkantig in die glatte Putzfassade. Ihre Flächen sind mit dichten horizontalen Sprossen gegliedert.

Der Eingang des Hauses, mit seiner sich nach innen verjüngenden Werksteinrahmung, ist zurückhaltend seitlich der Symmetrieachse, jedoch symmetrisch zum Nachbarhaus, angeordnet.

Weit vorspringend überfängt das biberschwanzgedeckte Walmdach dominant den Baukubus. Mittige kleine Gauben mit prismatisch gebrochenen Kanten akzentuieren die weiten Dachflächen.

Auf der Rückseite, zum Garten hin, ist die Erdgeschoßzone etwas vorgezogen, wodurch im Obergeschoß ein Balkonband entsteht. Zusätzlich ist später ein schlichter, sich gut der Ursprungsarchitektur unterordnender Wintergartenanbau hinzugefügt worden.

Im Inneren des Hauses ist die auch heute noch vollständig erhaltene expressionistische Formenvielfalt der Stuckdeckengestaltung hervorzuheben. Das spitz zulaufende Treppenportal ist ebenso original erhalten, wie auch die Holztreppe, wenn auch ihr unterster Lauf verändert erscheint. Auch sind die Heizkörperverkleidungen mit ihren expressionistischen Holzprofilen noch vorhanden.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Durch die Vielzahl seiner im originalen Zustand erhaltenen Bauten zählt Marienburg zu einer der geschlossensten VillenKolonien in Deutschland. Aus historischer Sicht gehört der Vorort zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln, da er, anders als die sonstigen Bereiche der Stadt, im Krieg weitgehend von Zerstörungen verschont blieb. Ihre über die Grenzen Kölns hinausreichende Bedeutung erhält die Villenkolonie durch den von Camillo Sitte angeregten einheitlichen Bebauungsplan und der Fülle ihrer herausragenden Architekturbeispiele. Die Besiedlung erfolgte in offener Bauweise mit Villen und herrschaftlichen Wohnsitzen entlang geschwungener und gerader Straßen. Die Bebauung Marienburgs beginnt um die Mitte der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts und ist im wesentlichen gegen Ende der zwanziger Jahre unseres Jahrhunderts abgeschlossen. Damit läßt sich über einen Zeitraum von etwa 40 Jahren an einer Fülle hervorragender Beispiele die Entwicklung der Architektur vom ausgehenden Historismus über den Jugendstil, dem Expressionismus und den verschiedenen Zwischenstufen bis hin zur Moderne verfolgen. Unter den Architekten finden sich zahlreiche namhafte Persönlichkeiten - die Bauherren sind oft bedeutende Kölner Bürger. Olbrichs reifste Leistung - die Villa Feinhals - entstand hier; Namen wie Paul Bonatz, Otto March, Bruno Paul sind mit Marienburg eng verbunden aber auch viele Kölner Architekten wie Dominikus Böhm, Franz Bratzky, Theodor E. Merrill, Meves & Bischoff, Carl Moritz, Wilhelm Riphahn, Emil Schreiterer, Paul Pott und eben auch Jakob Koerfer. Durch diese konzentrierte Anordnung herausragender Villenarchitektur entstand ein Ensemble, das in dieser Geschlossenheit in Deutschland nur noch in den Berliner und Münchner Villenvororten anzutreffen ist. Die Villen Marienburgs sind zudem stets als Gesamtkunstwerk verstanden worden, mit einer Einbettung in eine große Parkanlage, im Inneren mit Stukkaturen und Holzvertäfelungen und häufig mit einem für das Haus entworfenen Mobiliar.

Die Villa Von-Groote-Str. 49 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Da das Bauwerk zudem in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung zur Moderne dokumentiert, ist es als Bestandteil der architektonischen Vielfalt, für das Erscheinungsbild Marienburgs unverzichtbar. Das Haus Von-Groote-Str. 49 ist in seinen ausgewogenen Proportionen und in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung.

Die 1924 für den Kölner Kaufmann Ernst Halm errichtete Villa zeigt mit zurückhaltenden expressiven Details eine für die damalige Zeit moderne Auffassung von Hausarchitektur, die ihre Wirkung aus dem Zusammenspiel ruhiger, harmonisch zueinanderstehender, Baumassen mit der subtilen Gliederung ihrer Flächen bezog.

Der Entwurf des Hauses stammt von einem der bedeutensten Kölner Architekten, von Jakob Koerfer (1875 - 1930). Untrennbar verbunden mit diesem Namen ist das Kölner Hansahochhaus, das 1924/25 in Stahlbeton errichtet, zu der damaligen Zeit das höchste Haus Europas war und als Inkunabel aller weiteren Hochhausarchitektur gilt. Neben dem Hansahochhaus hat Koerfer sehr viele Verwaltungs- und Kaufhausbauten in Köln und im gesamten Rheinland entworfen. Von ihm stammen u. a.

  • der Schwerthof (Neumarkt),
  • der Industriehof (Krebsgasse),
  • der Mühlenhof (Mühlenbach)

 

weitere Großbauten in

  • Aachen,
  • Essen
  • Dortmund.

 

In Bezug auf diese Großbauten stellt die Villa einen wichtigen Aspekt in der Arbeit Jakob Koerfers dar, wodurch im besonderen die wissenschaftliche Durchdringung seines Werkes gefördert wird. Darüber hinaus ist die Villa ein wichtiges Zeugnis der Architekturentwicklung der 20er Jahre, an deren weitergehenden Erforschung ein großes wissenschaftliches Interesse besteht.

Referenz: 9079


Das Denkmal hat die Nummer 3636 und ist seit dem 1. Juli 1986 geschützt.

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