Wohnhaus

Pferdmengesstr. 1, 50968 Köln - Marienburg

errichtet 1925

Architekt: Theodor E. Merrill (1891-1978)

Wohnhaus; Villa

  • zwei Geschosse
  • fünf Achsen

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Die Villa Pferdmengesstraße 1 ist im englisch-amerikanischen Landhausstil für den Kölner Kaufmann F. Goldmann errichtet worden. Über fünf Achsen, von denen die mittleren drei unterhalb des Kranzgesimses nischenartig zurückspringen, öffnet sich das zweigeschossige Bauwerk mit einer breiten Freitreppe dem Straßenraum. Zwei in der Nische über beide Geschosse verlaufende schlanke Pfeiler mit hoher Plinthe und mehrfach profiliertem Kapitellschmuck akzentuieren den aufwendig gestalteten Eingangsbereich. Mit seinem üppig profilierten Werksteinrahmen, bekrönt von einem vorspringendem, ebenfalls in Werkstein gearbeiteten, Schwanenhalsgiebel wird der repräsentative Charakter des Hauses hervorgehoben, der noch ursprünglich durch einen über dem Eingang angeordneten Balkon mit dichter Balusterreihung gesteigert wurde.

Sämtliche Fenster des Hauses sind werksteingerahmt. Mit ihrer helbraunen Färbung und dem kräftigen, leicht aus der Fassadenebene heraustretenden Profil, heben sich die Rahmen dezent von dem umgebenden lichten Putz ab.

Ein sehr feiner in Putz gestufter und profilierter Fries leitet zu einem kräftigen, ebenfalls über mehrere Profile sich verbreiternden Kranzgesims, das ein flaches biberschwanzgedecktes Walmdach trägt. Eine ursprünglich mittige Fledermausgaube wird heute durch eine verbreiterte Rechteckgaube ersetzt. Diese sowie seitliche und rückwärtige Gauben belichten das ausgebaute Dachgeschoß. Die hintere Terrasse des Hauses wird axial von einem direkt an die Wand anschließenden halbrunden Brunnen verschönt. Ein abgewalmtes Kutscherhaus und ein Fischteich gehören ebenfalls zur Außenausstattung der Villa.

Im Innern des Hauses sind trotz der heutigen Nutzung als Büro nur geringfügige Grundrißänderungen vorgenommen worden, von denen die Teilung des ehem. Herrenzimmers mit einer Leichtbauwand die weitestgehende ist.

Die Ausstattung des Hauses im Innern ist zum überwiegenden Teil unverändert erhalten,

  • der reiche Deckenstuck im ehem. Speisezimmer,
  • Wandgliederung mit Rahmenprofilen 
  • im Damenzimmer ebenfalls Stukkaturen
  • ein weit in den Raum vorspringender Kamin
  • Holztreppenhaus
  • meisten Türen mit ihren Originalbeschlägen 

 

Durch die Vielzahl seiner im originalen Zustand erhaltenen Bauten zählt Marienburg zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland. Aus historischer Sicht gehört der Vorort zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln, da er, anders als die sonstigen Bereiche der Stadt, im Krieg weitgehend von Zerstörungen verschont blieb. Ihre über die Grenzen Kölns hinausreichende Bedeutung erhält die Villenkolonie durch den von Camillo Sitte angeregten einheitlichen Bebauungsplan und der Fülle ihrer herausragenden Architekturbeispiele. Die Besiedlung erfolgte in offener Bauweise mit Villen und herrschaftlichen Wohnsitzen entlang geschwungener und gerader Straßen. Die Bebauung Marienburgs beginnt um die Mitte der 90er Jahre des 19. Jh. und ist im wesentlichen gegen Ende der 20er Jahre unseres Jh. abgeschlossen. Damit läßt sich über einen Zeitraum von etwa 40 Jahren an einer Fülle hervorragender Beispiele die Entwicklung der Architektur vom ausgehenden Historismus über den Jugendstil, dem Expressionismus und den verschiedenen Zwischenstufen bis hin zur Moderne verfolgen.

Unter den Architekten finden sich zahlreiche namhafte Persönlichkeiten - die Bauherren sind oft bedeutende Kölner Bürger. Olbrichs reifste Leistung - die Villa Feinhals - entstand hier ; Namen wie Paul Bonatz, Otto March, Bruno Paul sind mit Marienburg eng verbunden aber auch viele Kölner Architekten wie Dominikus Böhm, Franz Brantzky, Paul Pott, Meves & Bischoff, Carl Moritz, Wilhelm Riphahn, Emil Schreiterer und eben auch Theodor E. Merrill. Durch diese konzentrierte Anordnung herausragender Villenarchitektur entstand ein Ensemble, das in dieser Geschlossenheit in Deutschland nur noch in den Berliner und Münchener Villenvororten anzutreffen ist.

Die Villen Marienburgs sind zudem stets als Gesamtkunstwerk verstanden worden, mit einer Einbettung in eine große Parkanlage, im Innern mit Wandmalereien und Holzvertäfelungen und häufig mit einem für das Haus entworfenen Mobiliar.

Die Villa Pferdmengesstraße 1 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Da das Bauwerk zudem in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung zur Moderne dokumentiert, ist es, als Bestandteil der architektonischen Vielfalt, für das Erscheinugnsbild Marienburgs unverzichtbar.

Die Villa Pferdmengesstraße 1 ist in ihrer repräsentativen Durchgestaltung und in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Der Architekt Merrill hat hier die aus Amerika entlehnte Landhausarchitekur mit traditionellen europäischen Stilmitteln konfrontiert, was dem Bauwerk jenen "intim-aristokratischen" Ausdruck verleiht, der für das gehobene Bürgertum auch noch nach dem Ersten Weltkrieg zur Äußerung seines Selbstverständnisses gewünscht war. Die Qualität des Bauwerks hat zur Veröffentlichung in der renommierten Berliner Zeitschrift "Wasmuths Monatshefte für Baukunst 10.1926" geführt, die sich v. a. der traditionellen Architektur verpflichtet fühlte.

Der Kölner Architekt Theodor E. Merrill (1891 bis 1978) ist neben Paul Pott der wichtigste Architekt Marienburgs. Überwiegend in den 20er Jahren hat er in Köln und auch in vielen anderen Städten Villenbauten errichtet. Bedingt durch seine amerikanische Herkunft und Ausbildung hat er für das gehobene Bürgertum Villen und Landhäuser entworfen, die wegen ihrer vornehmen Architektursprache zu den wichtigsten Bauten des Villenvororts zählen, wie etwa die Villa Stüssgen in der Marienburger Straße, die Villa Guenwald in der Goethestraße, die Villa Vowinckel in der Parkstraße u. v. a.

Neben seinen Villenbauten hat Merrill in Köln noch die Melanchthonkirche in Zollstock und die Verwaltungsgebäude der Kohlehanse und der Nordstern-Versicherung errichtet. Auch geht auf ihn die Konzeption der Villenkolonie Hahnwald zurück. In seinem nahezu originalen Erhaltungszustand ist die Villa Pferdmengesstraße 1 ein wichtiges Glied im OEuvre des Architekten Theodor E. Merrill, das nach wie vor noch der wissenschaftlichen Durchdringung harrt.

Referenz: 7169


Das Denkmal hat die Nummer 3593 und ist seit dem 15. Mai 1986 geschützt.

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