Wohnhaus

Eugen-Langen-Str. 18, 50968 Köln - Marienburg

errichtet 1921

Architekten: Josef Fieth(1884-?) und Clemens Klotz (1886-1969)

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Das eingeschossige Haus ist als eigenes Wohnhaus des Architekten Fieth in zurückhaltendem expressionistischen Stil errichtet worden.

Zum Straßenraum zeigt sich ein flacher, leicht trapezförmiger Baukörper, der von einem überaus dominanten, geschieferten Walmdach pilzförmig überfangen wird. Ein in feiner Zeichnung mehrfach profiliertes Kranzgesims stellt die Verbindung zwischen beiden her.

Die helle, orange-braune Fassade aus Strukturputz wird von zwei kräftigen, prismatisch sich leicht nach oben verjüngenden Ziegeleckpfeilern gerahmt. Eine geschoßhohe, streng geometrische Eingangsöffnung schneidet mit ihrer gleichmäßig umlaufenden dunklen Ziegelsteinfassung mittig in die flächige Fassade. Durch die darüberliegende halbrunde Dachgaube wird die Strenge der Eingangsarchitektur noch verstärkt. Zusammen mit den zur Türöffnung symmetrisch angeordneten kleinen Fenstern, deren dunkle Öffnungen durch eine blendend weiße Rahmung noch hervorgehoben wird und der Flächigkeit des grau-schwarzen Daches, ergibt sich eine beinahe abweisende Präsentation der straßenseitigen Fassade.

Dazu im Gegensatz zeigt die rückwärtige Seite den geradezu fühlbaren Willen, das Haus der angrenzenden Gartenlandschaft vollständig zu öffnen. Die Fassade wird durch seitliche Rücksprünge und einen mittleren Vorsprung aus ihrer Flächigkeit herausgelöst. Zwei kräftige, an dorische Vorbilder erinnernde, Ecksäulen tagen das vorspringende Dach, wodurch loggienartige Nischen entstehen. Große Fenstertüren mit strengen horizontalen Sprossen erlauben den direkten Zugang zum Garten.

Das Wandfeld der nicht durchfensterten Loggia schmückt eine weibliche Halbplastik. Im Dachgeschoß ermöglicht ein über dem Mittelbereich angeordnetes breites Zwerchhaus den Austritt auf eine altanartige Terrasse. Das Giebelfeld des Dachhauses wird geschmückt von einer Kopfplastik und dem Relief zweier Zweige. Eine breite Freitreppe bildet die Verbindung zwischen dem Garten und der ganz auf diesen hin orientierten Architektur.

Den Mittelpunkt des Gartens bildet ein runder, in Ziegeln gefaßter Teich, in dessen Mitte eine kristalline Stele eine expressionistische Fischplastik trägt.

Das Innere des Hauses ist in enger Zusammenarbeit mit dem bildenden Künstler Willy Meller (1884-1974), der auch die Außenplastiken geschaffen hat, gestaltet worden. Ein breiter floraler Fries im ehem. Eßzimmer mit einer feinen Deckenrosette gab diesem Raum seine besondere Prägung. Das von hier durch einen offenen Durchgang erreichbare Wohnzimmer ist durch einen mit Ziegeln und Werkstein gemauerten Kamin, einer Wandplastik, sehr feiner Deckenrandprofilierung und einem zentralen Deckenstern geschmückt.

Die Qualität der Architektur wird auch von Details, wie der vornehmen Profilierung der Türen, der subtilen Zeichnung der Ofenverkleidung und der Ziegelmusterung des Bodenbelags demonstriert. Der Grundriß des Hauses ist, abgesehen von einer Badverlegung, erhalten geblieben. Der Skulpturenschmuck im Innern des Hauses, wie auch der Randfries und die Profilierung der Wandkehle des Wohnzimmers sind verlorengegangen. Das Dach ist im Krieg ausgebrannt, so daß die Innenarchitektur des Dachgeschosses nach dem Krieg verändert aufgebaut wurde. Die Fenster sind nicht mehr bei Auswechslungen mit horizontalen Sprossen erneuert worden. Der Außenanstrich ist Mitte der 70er Jahre in farblicher Anlehnung an die ursprüngliche Fassung mit Dispersionsfarbe erneuert worden.

Durch die Vielzahl seiner im originalen Zustand erhaltenen Bauten zählt Marienburg zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland. Aus historischer Sicht gehört der Vorort zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln, da er, anders als die sonstigen Bereiche der Stadt, im Krieg weitgehend von Zerstörungen verschont blieb. Ihre über die Grenzen Kölns hinausreichende Bedeutung erhält die Villenkolonie durch den von Camillo Sitte angeregten einheitlichen Bebauungsplan und der Fülle ihrer herausragenden Architekturbeispiel. Die Besiedlung erfolgte in offener Bauweise mit Villen und herrschaftlichen Wohnsitzen entlang geschwungener und gerader Straßen. Die Bebauung Marienburgs beginnt um die Mitte der 90er Jahre des 19. Jh. und ist im wesentlichen gegen Ende der 20er Jahre unseres Jh. abgeschlossen. Damit läßt sich über einen Zeitraum von etwa 40 Jahren an einer Fülle hervorragender Beispiele, die Entwicklung der Architektur vom ausgehenden Historismus über den Jugendstil, dem Expressionismus und den verschiedenen Zwischenstufen bis hin zur Moderne verfolgen.

Unter den Architekten finden sich zahlreiche namhalte Persönlickeiten - die Bauherrren sind oft bedeutende Kölner Bürger. Olbrichs reife Leistung - die Villa Feinhals - entstand hier; Namen wie Paul Bonatz, Otto March, Bruno Paul sind mit Marienburg eng verbunden, aber auch viele Kölner Architekten wie Domininikus Böhm, Franz Brantzky, Theodor E. Merrill, Meves & Bischoff, Carl Moritz, Wilhelm Riphahn, Emil Schreiterer, Paul Pott und eben auch Clemens Klotz und Josef Fieth. Durch diese konzentierte Anordnung herausragender Villenarchitektur entstand ein Ensemble, das in dieser Geschlossenheit in Deutschland nur noch in den Berliner und Münchener Villenvororten anzutreffen ist. Die Villen Marienburgs sind zudem stets als Gesamtkunstwerk verstanden worden, mit einer Einbettung in eine große Parkanlage, im Innern mit Wandmalereien, Bildreliefs und häufig mit einem für das Haus entworfenen Mobiliar.

Das Haus Eugen-Langen-Straße 18 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Da das Bauwerk zudem in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung zur Moderne dokumentiert, ist es als Bestandteil der architektonischen Vielfalt für das Erscheinungsbild Marienburgs unverzichtbar.

Das Haus ist in seiner zurückhaltend expressiven Gestaltung und in der sorgfältigen Durchbildung aller Details ein Gebäude von großer künstlerisscher Qualität und Bedeutung. Die Kölner Architekten des Hauses, Josef Fieth und Clemens Klotz, rufen durch phantasievolle Gegensätze großer Flächen und belebter Teile "Verfremdungen" hervor, die den expressiven Charakter des Hauses bestimmen.

Nicht Unsymmetrie, Kristall und Turm - die Inkunabeln des Expressionismus - sind hier die gestaltenden Elemente der Verfremdung, sondern die ungewohnte Zusammenfügung bekannter Bauteile, wie etwa Giebel, Säule, zieratloser Hauseingang etc., führt zu einem Bauwerk von außerordentlicher Individualität. In der Zusammenarbeit mit dem Bildhauer Willy Meller wird dieser Eindruck phantasievoll erweitert. Die aus der Zuordnung der Details sich ergebende Wirkung der Architektur erfordert ein hohes Maß an Präzision, die an allen Teilen des Hauses ablesbar ist.

Clemens Klotz und Josef Fieth gehören zu den wichtigen Baumeistern der 20er Jahre. Ihre Hauptschaffensperiode liegt zwischen 1920 und 1931. Von ihnen gibt es zahlreiche Villen und Siedlungsbauten, bei denen sie auch vielfach mit dem Bildhauer Meller zusammenarbeiteten. Hervorzuheben sind

  •  Wasserwerk der Stadt Köln in Weiler,
  • das Hochpfortenhaus,
  • das Geschäftshaus Weiss auf der Schildergasse
  • die Siedlungsbauten
    •  in Köln-Sülz,
    • am Oberländer Wall
    • am Mathiaskirchplatz.

 

Das Haus Eugen-Langen-Straße 18 ist ein wichtiges Beispeil ihrer Arbeit zu Anfang der 20er Jahre, deren wissenschaftliche Durchdringung erst in den Anfängen steckt. Zudem ist das Haus wegen seiner individuellen Ausdruckskraft für die "Architekturlandschaft Marienburg" unverzichtbar.

Referenz: 3545


Das Denkmal hat die Nummer 3582 und ist seit dem 5. Mai 1986 geschützt.

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