Wohnhaus

Bayenthalgürtel 35, 50968 Köln - Marienburg
Errichtet: 1926


Villa

Architekt: Hans Schumacher (1891-1982)

  • zwei Geschosse
  • Putzfassade
  • Stil: Bauhausstil

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Der Kölner Architekt Hans Schumacher hat das Haus 1926 für den Zeitungsverleger Sebastian Lux gebaut. Der ursprüngliche Entwurf sah, wegen des beschränkten Bauplatzes, ein Terrassenhaus vor, der jedoch aus Kostengründen in ein verwinkeltes Giebelhaus mit mehreren Dachverschneidungen verändert wurde. Das weit hochgezogene asymmetrische Satteldach mit seinem teilweise gekurvten Traufbereich verleiht der zweigeschossigen Bauhausarchitektur eine Dynamik, die an expressionistische Vorbilder erinnert ohne jedoch deren Ausdruckmöglichkeiten auszuschöpfen.

Die eigentümliche Konfrontation von expressiver Dachlandschaft mit flächig-kubischer Architektur führt zu überraschenden Ergebnissen. So ist mit der Villa keine ihrer Seiten als Hauptfassade identifizierbar, sondern vermittelt aus jeder Blickrichtung ein variiertes Bild von zueinander verschobenen Wandflächen, die durch mehrere Trauf-, First- und Gratlinien des Daches in eine lebendige "Wandlandschaft" transformiert werden.

Alle Wandöffnungen folgen den inneren Wohnabläufen des Hauses. Erkerartige Sitz- und Spielecken werden durch asymmetrisch um die Ecke greifende Fensterbänder betont; kleinere Fenster werden für die Lichtöffnungen der untergeordneten Räume gewählt. In ihrer zurückhaltenden Gestaltung - eng stehende Pfosten, mittige Sprossen - sind sie ein wichtiges Gestaltungselement, das zwar in seiner Anordnung funktional begründet ist, in den weiß verputzten Wandflächen jedoch ornamentale Wirkung besitzt.

Analog zum Fensterausbau ist der Eingang des Hauses ohne repäsentative Hervorhebung nach sachlichen Erwägungen bestimmt worden. Der Architekt Schumacher hat bis hin zum Mobilar das gesamte Haus durchgestaltet. Die von ihm entworfene Innenarchitektur ist, abgesehen von beweglichem Mobilar, noch erhalten. Auch im Außenbau sind keine die Architektur beeinflussenden Änderungen vorgenommen worden.

 

Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland und einem der im historischen Sinne besterhaltenen Gebiete innerhalb der Stadt Köln. Seit der Gründung dieses Villenvororts im späten 19. Jh. haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architeketen Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist.

Das Haus Bayenthalgürtel 35 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburg ist das Haus u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil es in lebendigem Kontrast die Architekturvielfalt vom Historismus zur Moderne, vom Palais bis zum einfachen Landhaus, unterstützt. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vororts Marienburg seine spezifische Ausprägung.

Die Villa Bayenthalgürtel 35 ist in ihrer Gesamtkonzeption und in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. In der expressiven Umformung einer Architektur, die vom Bauhausstil erkennbar geprägt ist, hat der Architekt Hans Schumacher eine Eigenständigkeit bewiesen, die in mehreren Veröffentlichungen hervorgehoben wurde (vgl. v. a. Westdeutsche Bauschau 1. Jg. 1926, Heft 9). Das Schlagwort von der Form, die der Funktion zu folgen habe, hat in der modernen Architektur der 20er Jahre zu vielen Mißverständissen geführt, da allzu oft unbegabte Architekten ihr Unvermögen dahinter verbargen. Gerade weil kein festgelegter Kanon von Stilformen vorgegeben war, mußte der Architekt bei jeder neuen Aufgabe deren Qualität jeweils neu bestimmen. Dies ist bei dem Frühwerk von Hans Schumacher überzeugend gelungen. Durch ein bewußtes Spiel von Wandebenen, dazu schräg verlaufenden Dachflächen und akzentuierten Fensteranordnungen wurde von ihm ein Bauwerk geschaffen, daß nicht mehr in eine interessante Vorderfront und einen dahinterliegenden interesselosen Baukörper zerfällt, sondern nach allen Seiten architektonisch gestaltet erscheint.

Der 1891 geborene Architekt Hans Schumacher gehörte zu den Protagonisten der Moderne in Köln und hat mit vielen seiner Bauten internationale Anerkennung gefunden. Bekannt wurde der durch den Pavillonbau der Arbeiterpresse auf der Pressa. Das Haus Bayenthalgürtel 35 stellt innerhalb der Arbeiten Schumachers einen wichtigen Aspekt dar, da es eines der wenigen Beispiele in Köln ist, bei dem die Ideen des Neuen Bauens in so phantasievoller Weise variiert wurden. Es ist somit ein hervorragendes Zeugnis der Architekturentwicklung Mitte der 20er Jahre, an deren weitergehenden Erforschung ein wissenschaftliches Interesse besteht.

Referenz: 2206


Das Denkmal hat die Nummer 3387 und ist seit dem 10. Januar 1986 geschützt.

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