Wohnhaus

Unter den Ulmen 41, 50968 Köln - Marienburg

errichtet 1927

Architekt: Theodor E. Merrill (1891-1978)

Wohnhaus(Villa)

  • zwei Geschosse
  • fünf Achsen

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Das Haus ist 1922/23 im expressionistischen Stil für die Witwe des Kölner Kaufmanns Max Rosenberg errichtet worden. Sämtliche Architekturteile der zweigeschossigen Villa sind prismatisch gebrochen, wodurch die Architektur einen dynamischen Ausdruck verliehen bekommt, der jedoch durch Symmetrien gebändigt erscheint.

Die Hauptfront des Hauses wird im Erdgeschoss durch seitliche parabelförmig tiefe Einschnitte akzentuiert. Im scharfen Kontrast dazu sind darüber im Obergeschoss spitz zulaufende Erker auf rückwärts gestuften Konsolflächen angeordnet. Ein mittig über drei Achsen verlaufender mehrfach gebrochener Parterreerker hält die dominante Randarchitektur zusammen. Einfach viereckige, scharfkantige Fensteröffnungen mit kräftigen Sohlbänken beruhigen die aufwendige Fassade. Ein breit auslandendes prismatisches Kranzgesims schließt den Bau zum Dachbereich hin ab.

Das Dach selbst, als Walmdach ausgebildet, tritt leicht hinter der profilierten Abschlußkante des Kranzgesimses zurück. In den Dachflächen erscheinen symmetrisch angeordnet kleine Zwerchhäuser von kristalliner Struktur. Die Villa ist in dem vom Expressionismus bevorzugten Baumateial "Ziegel" errichtet worden. Die meisten Fenster weisen noch heute die ursprüngliche horizontale Sprossenteilung auf.

Das Innere des Hauses ist bis in seine Details unverändert.

  • Treppengeländer in Holz,
  • Stuckdeckenleisten,
  • Türen mit originalen Beschlägen)

 

Zusätzlich verglast worden ist die ehem. erdgeschossige Loggia.

Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland und einem der im historischen Sinne besterhaltenen Gebiete innerhalb der Stadt Köln. Seit der Gründung dieses Villenvororts im späten 19. Jh. haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architeketen Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist.

Das Haus Unter den Ulmen 41 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburg ist das Haus u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil es in lebendigem Kontrast die Architekturvielfalt vom Historismus zur Moderne, vom Palais bis zum einfachen Landhaus, unterstützt. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vororts Marienburg seine spezifische Ausprägung.

Die Villa Unter dem Ulmen 41 ist eines der wenigen Beispiele wirklich geglückter expressionistischer Baukunst in Köln. In seiner phantasievollen Zuordnung von Architekturelementen, deren expressive Durchgestaltung und in der Detailausführung ist das Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Der Architekt Merrill hat die dem Expressionismus entlehnten Bauideen - kristallin gebrochene Bauflächen, Plastizität des Baukörpers - mit dem ihm eigentümlichen Gespür für einen zurückhaltend formulierten "intim-aristokratischen" Baustil so in Zusammenhang gebracht, daß ein vornehmes Baukunstwerk entstand. Alle Details sind von hoher handwerklicher Präzision, die für expressionistische Bauten wegen ihrer immanenten "Normabweichung" auch unabdingbar waren. Der Werkstoff Ziegel garantiert zudem eine größtmögliche Plastizität.

Der Kölner Architekt Theodor E. Merrill (1891 bis 1978) hat überwiegend Villenbauten in den 20er Jahren in Köln und in vielen anderen Städten errichtet. Bedingt durch seine amerikanische Herkunft und Ausbildung war er keiner "Baustilrichtung" verpflichtet, wodurch seine Bauwerke, unter Berücksichtigung der Bedürfnisse seiner Bewohner, nur seinen eigenwilligen Bauideen unterworfen waren.

Neben seinen Villenbauten hat Merrill in Köln noch die Melanchthonkirche in Zollstock und die Verwaltungsgebäude der Kohlehanse und der Nordstern Lebensversicherung errichtet. Auch geht auf ihn die Konzeption der Villenkolonie Hahnwald zurück.

Innerhalb der Arbeit Merrills stellt die Villa Unter dem Ulmen 41 einen wichtigen Aspekt dar, zumal der Einbezug expressionistischer Architektur ein extrem individuelles Bauwerk entstehen ließ, dessen Stilformen in dieser Qualität in Köln nur an wenigen Bauwerken ablesbar sind. Das Haus ist damit ein wichtiges Zeugnis der Architekturentwicklung Anfang der 20er Jahre, an deren weitergehenden Erforschung ein wissenschaftliches Interesse besteht.

Referenz: 8821


Das Denkmal hat die Nummer 3340 und ist seit dem 25. November 1985 geschützt.

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