Wohnhaus

Marienburger Str. 53, 50968 Köln - Marienburg
Errichtet: 1924/25


Villa

Eckhaus zur Von-Groote-Str.

Architekt: Fritz Fuß (1889-1945)

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Das Wohnhaus ist 1924/25 von dem Kölner Architekten Fritz Fuß im expressionistischen Stil für den Fabrikdirektor Albert Schwarz errichtet worden. In Anlehnung an holländische Vorbilder hat Fuß unter Einbezug der niederrheinischen Bautradition eine Wohnhausarchitektur geschaffen, die zu den damalig vorherrschenden Stilströmungen quer verlief.

Die einzelnen in Backstein errichteten Baukörper sind verschieden gestaltet und in ihrem Bezug zum Gesamtbau jeweils gesondert identifizierbar, ohne jedoch in ihrer Gesamtwirkung auseinanderzufallen. Die Eckstraßenlage vermittelt zwei Ansichten, die in stark voneinander abweichenden Formen, die Plastizität der Architektur hervorheben. Die flächige Eingangsfront zur Marienburger Straße erweckt den Eindruck eines dreigeschossigen Hauses, da das asymmetrische, um die Ekke greifende, Fensterband des Dachgeschosses in einen seitlich erhöhten Kubus einschneidet.

Die Ansicht von der Von-Groote-Straße zeigt dagegen ein traufständiges, zweistöckiges Giebelhaus, das nur in seinem über zwei Stockwerke verlaufendem Treppenhausfenster "expressiv" gestaltet ist. Diese Kontrastierung ist von Fritz Fuß (1889-1945) für jede Ansicht konsequent durchgehalten worden, wobei die Hauptansicht die phantasievollste Ausbildung erfuhr.

Ein turmartig aufragender leicht geschwungener Giebel mit zwei aufgesetzten Giebelspitzen bildet den Hauptakzent zu dem asymmetrisch der erhöhte Kubus, die Balkonfenster des Obergeschosses, der darunter liegnde Eingangsbereich, der seitliche Trakt einer Terrasse und die gotisierende Lanzettfenster gesetzt sind. Zu dieser Komposition gehört noch ein weiter zurückkliegender eingeschossiger Annex, der ursprünglich von einem, dem Barock entlehnten, expressionistisch umgedeuteten "Dachkristall" bekrönt wurde.

Die Gartenansicht ist durch die eingeschossigen sich gegenseitig durchdringenden Anbauten, den horizontalen Fensterbändern zusammen mit den Ziegeldächern und den leicht gekrümmten Kaminflächen so plastisch durchgearbeitet, daß der Eindruck einer "bewegten Architektur" entsteht. Mit einer Fülle von handwerklich hervorragend gearbeiteten Details wird jeder möglichen Ansicht expressiver Ausdruck verliehen.

Das Innere des Hauses ist, von wenigen untergeordneten Veränderungen abgesehen, noch original erhalten.

Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland und einem der im historischen Sinne besterhaltenen Gebiete innerhalb der Stadt Köln. Seit der Gründung dieses Villenvororts im späten 19. Jh. haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architeketen Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist.

Das Wohnhaus Marienburger Straße 53 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburg ist das Haus u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil es in lebendigem Kontrast die Architekturvielfalt vom Historismus zur Moderne, vom Palais bis zum einfachen Landhaus, unterstützt. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vororts Marienburg seine spezifische Ausprägung.

Das Wohnhaus Marienburger Straße 53 ist in seiner phantasievollen Anordnung der Baukörper, deren expressiven Durchgestaltung und in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Der Kölner Architekt des Hauses, Fritz Fuß (1889-1945), einer der bedeutensten Architekten der 20er Jahre, hat, unter Anspielung auf das traditionelle, giebelständige, in Backstein errichtete Niederrheinhaus, ein Bauwerk geschaffen, das durch seine konsequente "Verfremdung" einen expressiven Ausdruck verliehen bekommt. Die den holländischen Expressionisten entlehnten Bauideen - Nichtaxialität, kristallin gebrochene Bauflächen, Plastizität der Baukörper - sind von Fritz Fuß unter Verwendung des Formenapparates der "Neuen Sachlichkeit" so komponiert worden, dass ein Bauwerk von hoher handwerklicher Präzision entstand. Diese Präzision war für die expressionistischen Bauten wegen ihrer immanenten "Normabweichunbgen" auch unabdingbar. Der Werkstoff 'Ziegel' garantierte zudem eine größtmögliche Plastizität.

Der Expressionismus in der Architketur, eine Strömung zwischen 1910 und 1925, hat extrem individuelle Bauten hervorgebracht, von denen das Wohnhaus Marienburger Straße 53 ein wichtiges Beispiel ist. An dessen weitergehenden Erforschung besteht ein wissenschaftliches Interesse, zumal in Köln nur an wenigen Bauwerken diese Architekturrichtung ablesbar ist.

Referenz: 6049


Das Denkmal hat die Nummer 3337 und ist seit dem 25. November 1985 geschützt.

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