Wohnhaus

Marienburger Str. 14, 50968 Köln - Marienburg

errichtet 1927

Architekten Theodor Merrill (1891-1978)

Wohnhaus (Villa)

  • zwei Geschosse
  • drei Achsen
  • Dachgeschoss (Ausbau nachträglich) mit Dachgauben

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Die Villa ist 1927 für den Direktor W. Christen in den den Architekten Theodor Merrill charakterisierenden Formen des amerikanischen Landhausstils errichtet worden. Über einem niedrig gehaltenen natursteinverkleideten EG erhebt sich dominant das weiß verputzte auf Haussteinkonsolen vorspringende OG. Ein einfaches Walmdach schließt den längsrechteckigen Baukörper ab. Zwei natursteinverkleidete Kamine an den Schmalseiten verklammern die schlicht wirkende ruhige Villa.

Die Fenster an den Längsseiten des Hauses sind dreiachsig angeordnet. Im EG nehmen sie die gesamte Geschoßhöhe ein und sind bis auf die Ebene des vorspringenen OG vorgezogen, wodurch der sockelarige Charakter transparent durchbrochen wird. Die in Werkstein gearbeiteten Gewände und Pfosten der Fenster kontrastieren durch die verschiedene Behandlung der verwandten Materialien nur leicht die umgebende Natursteinverblendung. Im beherrschenden OG wird dagegen der Kontrast gesucht, indem die ebenfalls in Werkstein gestalteten Fenstergewände und engstehenden Pfosten in der umgebenden weißen Putzfläche stark hervortreten.

Mit Ausnahme des ausgebauten Dachgeschoss mit seinen damit notwendigen Dachgauben, ist der Außenbau noch vollständig original erhalten. Im Innern des Hauses ist die Grundrißteilung nicht verändert worden. Die Räume haben noch den ursprünglich randprofilierten Deckenschmuck und zum großen Teil ist die originale Vertäfelung einschließlich der zugehörigen Einbauschränke noch vorhanden. Das gesamte ursprüngliche Mobiliar der Küche wie auch die vom Architekten vorgesehen Waschbecken im Badezimmer sind original erhalten. Unverändert ist auch das große Treppenhaus mit seiner geschwungenen Steintreppe und dem zugehörigen schmiedeeisernen Handlauf.

Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland und einem der im historischen Sinne besterhaltenen Gebiete innerhalb der Stadt Köln. Seit der Gründung dieses Villenvororts im späten 19. Jh. haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architeketen Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist.

Die Villa Marienburger Straße 14 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburg ist das Haus u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil es in lebendigem Kontrast die Architekturvielfalt vom Historismus zur Moderne, vom Palais bis zum einfachen Landhaus, unterstützt. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vororts Marienburg seine spezifische Ausprägung.

Die Villa Marienburger Straße 14 von Theodor E. Merrill ist, trotz ihres schlichten Äußeren, wegen ihrer ausgewogenen Proportionen und die der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Der Architekt hat hier die aus Amerika entlehnte Landhausarchitektur mit traditionellen europäischen Stilmitteln konfrontiert, wodurch trotz der gewollt "archaischen" Wurzeln das Haus einen eigentümlich verfeinerten Eindruck hinterläßt. Zudem ist, wie bei allen Landhausbauten Merrills, der Anspruch des Architekten erkennbar, das Bauwerk in einen Zusammenhang mit der schon vorhandenen Landschaft zu setzen. Der Garten wird nicht, wie sonst vielfach üblich, dem Grundriß des Hauses hinzugedacht, sondern es wird von Merrill eine ganz bewußte Einheit von Landschaft und Grundriß angestrebt, in der die Landchaft den Begründungszusammenhang formuliert.

Der Kölner Architekt Theodor E. Merrill hat überwiegend Villenbauten in den 20er Jahren in Köln und vielen anderen Städten errichtet. Bedingt durch seine amerikanische Herkunft und Ausbildung sind seine Bauten übewiegend durch ihre "intim-aristokratische Sachlichkeit" charakterisiert. Ohne dekorative Stilmittel unter Ausschaltung alles Unnötigen und Unwesentlichen hat er Villenbauten geschaffen, die ihm, unter Berücksichtigung der Bedürfnisse seiner Bewohner und der vorgefundenen Landschaft zu vornehmen Baukunstwerken gerieten.

Neben seinen Villenbauten hat Merrill in Köln noch die Melanchthonkirche in Zollstock und die Verwaltungsgebäude der Kohlehanse und der Nordstern Lebensversicherung errichtet. Auch geht auf ihn die Konzeption der Villenkolonie Hahnwald zurück. Die Villa Marienburger Straße 14 stellt innerhalb der Arbeit Merrills einen wichtigen Aspekt dar. Darüber hinaus ist das Haus ein wichtiges Zeugnis der Architekturenentwicklung Mitte der 20er Jahre, an deren weitergehenden Erforschung ein wissenschaftliches Interesse besteht.

Referenz: 6050


Das Denkmal hat die Nummer 3248 und ist seit dem 14. Oktober 1985 geschützt.

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