Kirche St. Stephanus

Bachemer Str. 106, 50931 Köln - Lindenthal

Architekt: August Lange (1834-1873?)

 

Kirchturm St. Stephanus

Turm der Kath. Pfarrkirche St. Stephanus, Bachemer Straße 106, Köln-Lindenthal und zwei Werkgruppen der historischen Ausstattung. Die Unterschutzstellung betrifft nur die o. g. Objekte.

Der neugotische Backsteinturm ist der letzte Rest der neugotischen Kirche St. Stephanus, die 1884 bis 1886 nach Plänen des  errichtet wurde. Er war in einer unkonventionellen Überecklösung dem Kirchenschiff vorgestellt. Dieses wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und anschließend abgebrochen.

Seit 1961 erhebt sich hinter dem heute freistehenden Turm ein neuer Kirchenbau, der nach Plänen von Joachim Schürmann (1926-)erbaut wurde.

Der Turm besitzt drei Hauptgeschosse, die mehrfach untergliedert sind. Ormamentik ist in Ziegelformen und in Werkstein eingefügt. Das Obergeschoss wird vom Grundquadrat in das Achteck übergeführt, wobei die freistehenden Eckfialen aus den Strebepfeilern herauswachsen. Die unteren Fenster wie auch die ehem. Portale sind heute offen; die Schallfenster im Oktogon sind jetzt mit perforierten Ziegeln vermauert. An die Stelle des ursprünglichen Spitzhelms ist ein flaches Zeltdach getreten.

Das öffentliche Interesse an der Erhaltung und Nutzung des Turmes ist gegeben, da er bedeutend ist für die Geschichte des Menschen im Kölner Stadtteil Lindenthal. Der neugotische Kirchenbau an dieser Stelle markierte höchst anschaulich das Wachsen des Stadtteils am Ende des 19. Jh. Für die Seelsorge der Neubürger war der große Kirchenbau notwendig geworden.

Die jahrhundertealte Pfarrkirche St. Stephanus in Kriel, das "Krieler Dömchen", reichte bei weitem nicht mehr aus. Die neue Kirche übernahm das Patrozinium der alten, die erhalten blieb. Zur Geschichte des Menschen gehört auch die furchtbare Zerstörung der Pfarrkirche in den Kriegsjahren - wie auch die Zerstörung der Wohnungen der Menschen in Lindenthal. Aus der Trümmermasse wurde der Turm gerettet und für die zeitgemäßen Bedürfnisse der Pfarrgemeinde eingerichtet. Die neue Kirche erhielt die Achsausrichtung der zerstörten; der Turm wurde als Campanile zu ihr in Sichtbezug gesetzt. Somit ist der Zeugnis- und Denkmalwert hier anschaulich nachvollziehbar.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Als Schöpfung des produktiven Architekten August Lange war die zerstörte Kirche - wie auch der noch bestehende Turm - ein hervorragendes, äußerst originell gestaltetes Werk der Kölner Schule der Neugotik in der Nachfolge von St. Mauritius in der Kölner Altstadt. Die "Reparatur" des Turms mit den einfachsten Mitteln und seine Kombination mit dem Neubau ist ein künstlerisches Dokument der Nachkriegszeit, in der gerade im Kölner Raum Alt und Neu in einen spannungsreichen Bezug zueinander gesetzt wurden.

Städtebaulich dominiert der Turm v. a. den Blickbezug von der Wittgensteinstr.. Aber auch für den langen Straßenzug der Bachemer Straße ist er als Vertikalakzent von Bedeutung.

Zur Ausstattung aus der Zeit vor 1945: Hier sollen unter Schutz gestellt werden:

  • Der Kruzifixus der sich im rechten Seitenschiff der neuen Kirche in Nähe des Taufbrunnens befindet. Er stammt aus dem 15. Jh. und befand sich vor dem Zweiten Weltkrieg im Bereich des Triumphbogens der Kirche St. Cäcilien in der Kölner Altstadt, die im Besitz der Stadt Köln ist.
  • Die Reliefs der vier Evangelisten, die von der neugotischen Ausstattung der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Pfarrkirche erhalten geblieben sind, und sich heute gleichfalls im rechten Seitenschiff befinden.

 

Für die Erhaltung dieser beiden historischen Ausstattungskomplexe liegen nach § 2 Denkmalschutzgesetzt künstlerische Gründe vor: Beide besitzen eine hohe handwerkliche Qualität. Der Kruzifixus gehört zur Werkgruppe spätgotischer Skulpturen, die Evangelistenreliefs zur neugotischen Produktion aus Köln oder rheinischen Bildhauerateliers des 19. Jh. in engem Bezug zum kriegszerstörten Kirchenbau August Langes.

Referenz: 0802


Das Denkmal hat die Nummer 3059 und ist seit dem 19. Juni 2001 geschützt.

Denkmal <Kirche St. Stephanus> bearbeiten
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