Wohn- und Geschäftshaus mit ehem. Brauerei u. a.

Krefelder Str. 36, 50670 Köln - Neustadt-Nord
Errichtet: 1891 (inschr. datiert) Vorderhaus, Brauerei, Remisengebäude


 

  • vier Geschosse, ausgebautes Dachgeschoss
  • drei Achsen
  • Backsteinfassade mit Stuckgliederungen(z.T. farbig)
  • Stil: Neo Renaissance

 

Fassade

  • unsymmetrische Fassadengestaltung durch akzentuierte linke Achse
  • Tordurchfahrt in der rechten Achse mit
  • originalem schmiedeeisernem Gitter (Initialen des Bauherrn August Thelen)
  • drei originalen gußeisernen Radabweisern
  • zwei Metallbändern auf dem Boden
  • Fenster teilweise original
  • Haustüren erneuert.
  • Bodenbelag des mittleren Gebäudeeingangs
  •  originale Fliesen mit der Aufschrift "HANSABRAUEREI".


Rückseite backsteinsichtig (teilweise verändert), Fenster teilweise original.

Inneres

Im Inneren original:

  • Reste des Bodenfliesenbelags
  • teilweise schmiedeeisernes Treppengeländer mit Holzhandlauf
  • in der Wohnung des Obergeschosses:
  • Deckenstuck in einem Raum
  • Zimmertüren.

Bestandteil des Denkmals ist die originale backsteinsichtige Grenzmauer, die das Brauereigelände im Süden und Osten einfriedet. Zum Denkmal gehört außerdem die originale Hofpflasterung (teilweise mit Teerdecke) und die folgende Hofbebauung

Nicht zum Denkmal gehören die eingeschossigen Anbauten im Nordosten und die als Garagen genutzten Bauten im Südosten des Grundstücks.

Brauhaus der Hansa-Brauerei:

  • drei Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß
  • drei Achsen
  • Backsteinfassade mit Backsteingliederungen(farbig) und Fliesenfries

 

  • Mittelachse durch Ziergiebel besonders betont
  • Flaschenzug mit vorkragendem Eisenträger
  • Plattform mit seitlichem Geländer) 
  • hohes Erdgeschoß mit drei Tor- bzw. Türöffnungen, in der linken Achse Zwischengeschoß, teilweise originale Metallfenster.
  • schmiedeeiserner originaler Dachaufsatz als Halterung einer Werbeanlage
  • originaler Kaminkopf nördlich des Ziergiebels

 

Inneres

Im Inneren original:

  • Im südlichen Gebäudeteil (mittlere und rechte Achse):
  • große gußeiserne Säule
  • Kappendecke
  • zwei Toröffnungen an der Ostwand
  • drei veränderte Öffnungen an der Nordwand
  • im Obergeschoß:
  • kleinere gußeiserne Säulen.

Anbauten

Zum Brauhaus gehören die niedrigeren Anbauten im Osten und der backsteinsichtige pultdachgedeckte Anbau im Süden mit ebenfalls farblich abgesetzten Backsteingliederungen und den Resten eines Fliesenfrieses, im Erdgeschoß Tür- und Toröffnungen, im Obergeschoß zugemauerte Fensteröffnungen.

Inneres der Anbauten

Im Inneren original:

Bodenöffnung mit Zugang zu zweigeschossigem, jeweils weit verzweigtem Gewölbekeller (die räumliche Ausdehnung der Kellergeschosse umfaßt ca. 3/4 der südlichen Grundstücksfläche), unter dem sich vermutlich ein weiteres Geschoß befindet (Zugang bislang nicht lokalisiert): an der Nordwand des Treppenhauses: Aufzugnische, Betontreppe mit Resten eines schlichten Metallgeländers, im Treppenhausbereich des 2. Untergeschosses: backsteinsichtiger Brunnen.

Wohn- und Remisengebäude:

  • zwei Geschosse, Pultdach (verändert)
  • 5 Achsen

 

Mittelachse durch risalitartige Wandvorlage und Hauseingang besonders betont, im Erdgeschoß Backsteinfassade mit farblich abgesetzten Backsteingliederungen. Fenster (ursprünglich allseitig befenstert) und Haustür erneuert.

Im Inneren original:

Im Eingangsbereich: Terrazzoboden, im EG des nördl. Gebäudeteils: Holzdielen.

Im Nordwesten des Wohn- und Remisengebäudes Rampenzufahrt zu dem eingeschossigen Keller unter der südlichen Hoffläche mit scheidrechter Kappendecke und originaler Toröffnung im Osten.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen, für Städte und Siedlungen und für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Die von Hermann Josef Stübben (1845-1936) geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Als Vorbilder für die halbkreisförmige Anlage um den Altstadtkern (Deutscher Ring heute Theodor-Heuss-Ring bis Ubierring) dienten Stübben die Städte Wien (Ringstraße als repräsentativer Boulevard und Paris (sternförmig auf einen Platz zulaufende Straßen). Die Gesamtkonzeption vereinigt verschiedenartige Wohnviertel, deren Bebauung entsprechend ihrer Bewohnerschaft und Infrastruktureinrichtungen (z. B. das Oberlandesgericht im "Gerichtsviertel") aufwendiger oder schlichter gestaltet ist. Im Zuge der ab 1881 begonnenen Stadterweiterung wurde u. a. auch die Krefelder Str. (Neustadt-Nord) angelegt. Sie befindet sich im sogenannten Dreikönigenviertel zwischen Güterbahnhof und Neusser Str., das sich durch eine verhältnismäßig schlichte Bebauung auszeichnet. Die Bebauung des südöstlichen Straßenzuges der an den Güterbahnhof angrenzenden Krefelder Str. (Neustadt-Nord) kennzeichnet jedoch eine aufwendigere Gestaltung. Zu dieser Bautengruppe (Krefelder Str. 36, 38, 40) zählt auch das Vorderhaus des o. g. Objekts.

Das genannte Objekt ist ein Gebäudeensemble, das aus einem Vorderhaus an der Krefelder Straße, einem Hinterhaus, einem Brauereigebäude mit Anbauten und unterirdischen Kellern im Hofbereich besteht. Die genannten Bestandteile gehörten zur "Hansa-Brauerei". Das Vorderhaus fügte sich mit seiner Geschoßanzahl in die ursprüngliche gründerzeitliche und teilweise heute noch vorhandene Nachbarbebauung ein. Seine Fassadengestaltung hebt sich jedoch nutzungsbedingt (um 1904 Restaurant im Erdgeschoss, Verwaltung der Hansa-Brauerei im ersten Obergeschoss , Wohnungen im zweiten und dritten Obergeschoss), von den benachbarten Mietstockwohnhäusern leicht ab. Die Fassade ist mit relativ weit auseinanderliegenden Fensterachsen auffallend breit angelegt. Die Obergeschosse zeichnen sich durch wechselnde Materialien und einen repräsentativen historisierenden Fassadendekor aus, der die unterschiedlichsten Motive aufweist. Die formenreich geschmückte Fassade ist ein signifikanter Ausdruck des bürgerlichen Herrschaftsanspruchs gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Die Hofbebauung, das zu Wohnzwecken und zur Unterbringung der Pferdewagen genutzte Hinterhaus sowie das Brauereigebäude mit Anbauten ist in üblicher Weise mit farblich hervorgehobenen Backsteingliederungen gestaltet.

So ist hier mit dem weit verzweigten Kellersystem, dem Brauereibrunnen, den Resten der originalen und für Wirtschaftshöfe typischen Hofpflasterung sowie den originalen Metallbändern und Radabweisern in der Tordurchfahrt des Vorderhauses das Ensemble eines Brauereibetriebes in gutem Erhaltungszustand überliefert. Es dokumentiert u. a. die Arbeits- und Produktionsverhältnisse einer Brauerei vor der Jahrhundertwende, die die einzige in dieser Vollständigkeit erhaltene Anlage ihrer Art im Gebiet der Kölner Neustadt ist.

Neben seiner Bedeutung für die Baugeschichte und die Arbeits- und Produktionsverhältnisse, ist das Gebäudeensemble auch ein sozialgeschichtliches Dokument: Der Bauherr und Brauereibesitzer wohnte am Hansaring, einem Teilstück des Stübbenschen Prachtboulevards, in dem sich das gehobene Bürgertum in hochherrschaftlichen Bauten angesiedelt hatte. Im aufwendig gestalteten Vorderhaus (Krefelder Str. 36) wohnten höhere Angestellte und im schlichten Hinterhaus der Braumeister. Die Gesellschaftsstruktur spiegelt sich somit in der Baustruktur wider. Das o. g. Objekt, das zu einem Restbestand von Gründerzeitbauten in der Krefelder Straße gehört, die den Zweiten Weltkrieg relativ unbeschadet überdauert haben, und die das ursprüngliche Erscheinungsbild bewahren, ist ein unverzichtbares Dokument der überregional bedeutenden Stübbenschen Stadterweiterung und des Ensembles Neustadt/Nord.

Referenz: 5429


Das Denkmal hat die Nummer 3043 und ist seit dem 16. Juli 1985 geschützt.

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