Wohnhaus

Goethestr. 64, 50968 Köln - Marienburg
Errichtet: 1922


Architekt: Clemens Klotz (1886-1969)

  • zwei Geschosse
  • drei Achsen (Vorder- und Rückfront)
  • Putzfassade mit Zementrahmen der Fenster
  • Stil: Neo Klassizismus

 

Das Haus Goethestraße 64 wurde von dem über die Grenzen Kölns hin bekannten Architekten Clemens Klotz für den Regierungsrat Dr. Rheindorff gebaut. Bis auf das Mobiliar und die Türbeschläge im Innern ist das Haus im originalen Zustand erhalten, so wie er in der Publikation "Architekt Clemens Klotz B.D.A." (= Sonderdruck Neue Baukunst, um 1930) dokumentiert ist.

Die Architektur folgt - im Werk vom Clemens Klotz einmalig - der Sprache des strengen Klassizismus der Zeit um 1800, allerdings in der dem Architekten eigenen und für die 20er Jahre typischen Art der Interpretation.

Fassade

Kennzeichnend ist die äußerst knappe Formensprache des streng symmetrischen Hauses:

  • zweigeschossiger Würfelbau mit dreiachsiger Vorder- und Rückfront (durch ein stark hervortretendes Portal bzw. auf der Rückseite durch einen von Säulen getragenen Balkon betont)
  • einem diesen beiden Geschossen in der Höhe entsprechenden Giebel mit stark profilierten Gesimsen als oberen Fassadenabschluß.

Die Giebelfelder werden auf der Straßen- und Gartenfront jeweils lediglich von einem Halbrundfenster durchbrochen. Die Wandfelder des Hauses sind an allen Seiten mit einem rauhen Edelputz versehen, die Fenster (entsprechend Werksteinumrahmungen) mit zementierten Rahmungen umgeben, die, wie bei der Rahmung des Portals, "steinmetzmäßig" bearbeitet sind.

Im Obergeschoss besitzen die Fenster eine horizontale Dreierteilung (sechs annähernd quadratische Felder), imErdgeschoss eine Viererteilung (acht Felder). Hinzu kommen bei allen Fenstern (ursprünglich grün gestrichene) Schlagläden.

Sämtliche Fassadenteile sind heute weiß überstrichen, was nicht dem ursprünglichen Bild mit hell-sandfarbener Putzfassade und hellgrauen Gewänden entspricht.

Über dem Portal befand sich 1922 ein Relief mit einer expressionistischen Darstellung. Dieses Relief ist wohl jenes Terrakotta-Relief mit Diana (vermutlich eine Arbeit von Willy Meller (1887-1974) Bildhauer, mit dem Clemens Klotz bevorzugt zusammenarbeitete), das sich heute an der Rückwand es offenen Kamins im Wohnraum befindet.

Links (südlich) von der Straßenfront befindet sich, mit dem Haus verbunden, ein späterer (vermutlich aus den 20er Jahren stammender) Garagenanbau.

Original erhalten ist auch das schlichte Eisengitter, das im Bereich des Eingangs halbkreisförmig zurückschwingt.

Inneres

Die Knappheit und Präzision des Äußeren setzt sich auch in der Raumfolge, dem Grundriß des Hauses, fort. Zentrum bildet eine relativ enge Eingangsdiele, von der rechts das Treppenhaus nach oben führt. Um die Diele gruppieren sich im Erdgeschoss der Wohnraum, das Eßzimmer, die Küche und eine Garderobe. Dieser als auch der Grundriß im Obergeschoss sind original erhalten. Im Wohnzimmer befindet sich ein niedriger offener Kamin. Sämtliche Türen des Hauses (auch die Eingangstür) sind nach Entwürfen von Clemens Klotz gearbeitet.

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Dieses Haus repräsentiert auf einem hohen baukünstlerischen Niveau das Architekturschaffen der 20er Jahre in Köln und ist in gleicher Weise ein bedeutendes Zeugnis für den Kölner Architekten Cl. Klotz, einem der wichtigsten rheinischen Architekten der Zwischenkriegszeit.

Der Stadtteil Marienburg zählt trotz der Zerstörungen zu den bedeutendsten und geschlossensten Villen Kolonien in Deutschland und zu einem der besterhaltenen historischen Stadtviertel innerhalb Kölns. Das Haus Goethestraße 64 trägt wesentlich zur Ablesbarkeit dieses städtebaulichen Konzepts bei. Innerhalb der Ortsgeschichte Marienburgs verweist der Bau auf das künstlerisch hohe Niveau der meisten hier errichteten Villen, durch die dieser Vorort sich wie ein Spiegelbild bester moderner Baukunst Kölns darstellt.

Die gegenüber den Villen der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg geringe Größe dieses Hauses verdeutlicht exemplarisch den gesellschaftlich-politischen Strukturwandel nach dem Ende der Kaiserzeit, zu Beginn der Weimarer Republik und zu der Zeit der Inflation (1923).

Referenz: 4169


Das Denkmal hat die Nummer 2798 und ist seit dem 26. Februar 1985 geschützt.

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