Wohn- und Geschäftshaus

Hansaring 34, 50670 Köln - Neustadt-Nord
Errichtet: 1888


Eckhaus zur Adolf-Fischer-Str.

  • vier Geschosse
  • drei Achsen zum Hansaring, drei Achsen zur Adolf-Fischer-Str.
  • Backsteinfassade, gelb
  • Stil: Neo Renaissance, italienisch, deutsch

 

Fassade

  • abgeschrägte Ecke mit Betonung durch zweigeschossigen Erker auf rechteckigem Grundriß mit aufgesetztem Balkon im 3. Obergeschoß
  • Erdgeschoß mit Fugenschnitt und rundbogigen Fensteröffnungen 1981 in historisierender Weise verändert (ursprüngliches Ladengeschäft mit Schaufensteranlagen in der Nachkriegszeit erneuert)
  • Fensteröffnungen im ersten bis dritten Obergeschoss rechteckig, Fenster erneuert
  • rundbogiger Hauseingang an äußerster linker Gebäudekante
  • Haustür stilistisch angepaßt erneuert

 

Während das Erdgeschoß 1981 durch Umnutzung des Ladenlokals zu Bürozwecken mit schlichten Rundbogenfensteröffnungen im glatten Fugenschnitt mit einfacher Lisenengliederung in historisierendem Sinne neu hergestellt worden ist, sind die drei Obergeschosse der Fassade einschließlich des über Konsolen vorkragenden Dachgesimses in ihrer ursprünglichen Gliederung - einem für die stilistische Richtung der Renaissance bezeichnenden Schmuckreichtum - erhalten bzw. restauriert.

Die Fassaden weisen eine Mischung aus Elementen im Stil der italienischen und deutschen Renaissance auf. Neben den italienischem Formenrepertoire entlehnten Motiven - obeliskartige Pilasteraufsätze, Ädikularahmungen der Erkerfenster und horizontaler Dachabschluß - ist die backsteinsichtige Fassade mit Querbänderung typisch für die zeitgenössische Auffassung von deutscher Renaissance.

An beiden Fassaden des Gebäudes zu Adolf-Fischer-Str. und Hansaring sind die Mittelachsen durch Giebelverdachungen der Fenster betont, wobei die Ringstraßenseite durch einen Balkon im ersten Obergeschoss in der traditionsgemäß reicher gestalteten Belétage besonders hervorgehoben wird und sich zusätzlich durch die Pilastergliederungen und Kartuschen zwischen den Fensterachsen als breitere Schauseite auszeichnet.

Inneres

Im Inneren original erhalten:

  • Grundrißstruktur nur bei den  straßenseitig gelegenen Räumen 
  • zwei Stuckdecken nach originalem Vorbild rekonstruiert.

neue Geschoßdecken aus Beton

Das im Krieg zerstörte Dach war verändert wiederaufgebaut.

Die rückwärtig und oberhalb des 4. Geschosses 1995 - 97 errichteten Neubauteile sind nicht Bestandteil des Denkmals.

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen.

Die Kölner Neustadt, die seit 1881 bis in den Beginn des 20. Jahrhunderts unter Hermann Josef Stübben (1845-1936) als Stadtbaumeister und nach seinen Plänen halbkreisförmig um das alte Stadtgebiet angelegt worden ist, gilt als eine der bedeutendsten Stadterweiterungen des 19. Jahrhunderts. Sie entstand von Anfang an nicht als einheitlicher Stadtteil, sondern als Gefüge verschiedenartiger Wohnviertel entlang der Ringstraße als repräsentativem Boulevard. Entsprechend abwechslungsreich sind auch die einzelnen Abschnitte der Ringstraße angelegt.

Der Hansaring bildet zwischen dem Ebertplatz im Nordosten und dem als Grünanlage breit ausgebauten Kaiser-Wilhelm-Ring im Südwesten einen breit angelegten, baumbestandenen Straßenraum.

Seine geschlossene Bebauung wurde auf der Altstadtseite von Beginn an durch die parkartig gestaltete Grünanlage des Hansaplatzes unterbrochen. Dieser Platz sollte im neu angelegten Stadtbild der Neustadt an die frühere Situation erinnern, indem dort ein Teil der alten Befestigungsanlagen mit mittelalterlicher Stadtmauer, Gereonsmühlenturm und Wallgraben belassen wurde. Als Begrenzung der Altstadt bildet die am Gereonswall erhöht liegende Stadtmauer den kulissenartigen Hintergrund für den Hansaplatz, der seitlich durch die einseitige Bebauung der Adolf-Fischer-Str. und der Straße "Am Kümpchenshof" gerahmt wird.

Von der Erstbebauung der Neustadt sind im Bereich des Hansaplatzes die Baudenkmäler Adolf-Fischer-Str. 8 und 10, Am Kümpchenshof 3, 11 und 13 sowie Hansaring 33, 37, 41 und 43 erhalten geblieben.

Auch das o. g. Gebäude Hansaring 34 an der Ecke zur Adolf-Fischer-Str. dokumentiert in den erhaltenen Teilen zusammen mit den benachbarten Häusern Hansaring 38 und 50 diese erste Phase der Neustadtbebauung an exponierter Stelle.

Da durch Kriegseinwirkungen bereits erhebliche Verluste an originaler Substanz zu verzeichnen waren und das Gebäude in der Nachkriegszeit besonders im Bereich des Daches Veränderungen erfahren hatte, bestanden hinter der Fassade nur noch Reste der Ausstattung. im Inneren waren nur Reste von Stuckdecken erhalten, die rekonstruiert wurden. Im Zuge einer umfangreichen Sanierung wurden die  straßenseitig gelegenen Räume verändert. Von der sich ursprünglich sicher in reicher Formensprache darstellenden Fassade wurden bei der Neubebauung des Blockareals 1995 - 97 die historischen Gebäude am Hansaring einbezogen. Das o. g. Objekt Hansaring 34 besitzt aufgrund seiner Gestaltungsqualitäten, aber auch hinsichtlich seiner städtebaulichen Bedeutung den Charakter eines Baudenkmals, das als ehemals prägender Bestandteil an das gründerzeitliche Erscheinungsbild von Hansaring und Hansaplatz erinnert und deshalb auch in veränderter Form erhaltenswert ist.

Referenz: 4450


Das Denkmal hat die Nummer 2740 und ist seit dem 6. November 1984 geschützt.

Denkmal <Wohn- und Geschäftshaus> bearbeiten
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