Wohnhaus

Weißenburgstr. 8, 50670 Köln - Neustadt-Nord
Errichtet: um 1904


  • fünf Geschosse
  • drei Achsen
  • Stuckfassade
  • Stil: Jugendstil

 

Städtebaulich gesehen ist das beschriebene Gebäude Bestandteil des Entwurfs von Stadtbaumeister Hermann-Joseph Stübben (1845-1936), der seit 1881 ausgeführt wurde, nachdem die preussische Militärbehörde das Glacis zwischen der mittelaltertlichen Stadtmauer und den äußeren Wallanlagen, dem Gebiet der Neustadt, zur Bebauung freigegeben hatte. Durch den schleifenden Kreuzungsschnitt der Weißenburgstraße mit der Straße Krefelder Wall, fällt die gegenüberliegende Straßenfront fort. Um den Raum zu fangen, wurde in den 20er Jahren d. Jh. jenseits des Krefelder Walls (Grenze des Stübbenplans) der quadratische Prälat-Otto-Müller-Platz  mit denkmalwerter Grünanlage und einer offenen Seite zur Weißenburgstraße hin, erbaut. Das Haus Weißenburgstraße 8 ist daher in der Reihe der Nachbargebäude sowohl Bestandteil einer Platzanlage als auch Teil der Eingangssituation der Weißenburgstraße.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen.

Fassade

Das Gebäude als Wohnhaus mit geräumigem rückwärtigen Anbau errichtet. Die geringe Breite aber große Tiefe des Grundstücks ermöglichte, sowohl im Vorderhaus als auch im rückwärtigen Anbau jeweils abgeschlossene Wohneinheiten zu errichten. Das Treppenhaus ist daher zwischen Vorderhaus und Anbau eingezogen, die Abschlußtüren der Wohnungen liegen an den Treppenabsätzen einander gegenüber.

In der Straßenansicht dominieren, abgesehen von der horizontalen Gliederung des rustizierten EG, die Vertikalen der drei Fensterachsen mit hohen Rechteckfenstern und im ersten bis vierten Obergeschoss der ohne Gliederung vorgehängt wirkende, schmale Erker in der dritten der drei Achsen von links. Die starke Höhenwirkung wird durch die vordere Schräge des Mansarddachs und drei Dachhäuschen zusätzlich betont.

In Gegenbewegung hierzu hängen auf den Pfeilern zwischen den Fensterachsen von stuckierten, konsolartigen Platten, die das schmale Dachgesims zu tragen scheinen, bandartige Formen herab. Im übrigen schmücken jedes Geschoß für sich eigene Stuckformen, die in der Stärke ihrer Aussage von unten nach oben abgestuft sind. Mit der Fassadenstruktur und den ausnahmslos in gutem Zustand erhaltenen, ursprünglichen Fenster, hat das Gebäude sein ursprüngliches Aussehen erhalten.

Dem guten Erhaltungszustand im Äußeren - die Rückseite (Backsteinfassade) besteht in üblicher Bauart aus unverputzten Ziegeln, die Fenster sind ebenfalls ausnahmslos original und wegen der geschützten Lage in gutem Zustand - steht das Innere des Hauses in nichts nach.

Inneres

Hausflur

Die Länge des Hausflurs wird durch diagonal verlegte schwarze und weiße Bodenfliesen und einen scheitrechten Stützbogen mit seitlichen Hohlkehlen gemildert.

Die weißen Fliesen des ca. 1,50 m hohen Sockels tragen blau bemaltes Reliefmuster. Der ebene Wandputz führt zu einer Wandleiste und einer Hohlkehle, die den Deckenspiegel rahmen.

Treppenhaus

Die teils geradläufigen, teils gewendelten, in gutem Steigungsverhältnis erstellten Treppenläufe tragen

  • Terrazzobelag
  • Eisengeländer mit schmiedeeisernen Details
  • Holzhandlauf.

 

Die Podeste tragen schwarz umrahmte Felder, die mit hellbraunen, oktogonalen und kleinen, quadratischen Fliesen mit farbigem Muster ausgelegt sind.

Sämtliche Wohnungstüren sind original, einflügelig, mit Oberlicht. Der obere Teil des Flügels ist verglast mit geschwungener, kleinfeldriger Sprossenteilung. Die Beschläge sind aus Messing.

Wohnungen

Der Innere der Wohnungen ist ausgebaut mit

  • Bodendielen
  • profilierten Fußleisten
  • einflügeligen, einer zweiflügeligen, zum Flur hin teils verglasten Türen in profilierten Laibungen
  • Deckenstuck aus Hohlkehlen und Rosetten.

 

Die Formensprache sowohl der äußeren Erscheinung als auch der des Innenausbaus weist das Gebäude kunsthistorisch der Epoche des Jugendstils zu. Die vergleichsweise zurückhaltende Formensprache weist auf das nahe gelegene, sog. Dreikönigenviertel hin, das wegen des benachbarten Schlachthofs und Güterbahnhofs Gereon für einfachere Bevölkerungsschichten errichtet worden ist.

Referenz: 9316


Das Denkmal hat die Nummer 2713 und ist seit dem 16. Oktober 1984 geschützt.

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