Wohnhaus

Alvenslebenstr. 1, 50668 Köln - Neustadt-Nord
Errichtet: 1905 inschriftlich datiert


  • vier Geschosse, Giebelgeschoss
  • sechs Achsen
  • Stuckfassade
  • Stil: Historismus (Elemente von Neo Renaissance, Neo Barock und Jugendstil)

 

Zwischen der inneren und der äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici (1842-1927) und des Stadtbaumeisters Hermann-Joseph Stübben(1845-1936) als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt.

In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden. Die städtebauliche Wirkung des auffallend und ungewöhnlich engen Straßenraums wird durch die dicht zueinander gerückten, vornehmen Fassadenarchitekturen der vorwiegend originalen Bausubstanz auf eindrucksvolle Weise erhöht.

Die Alvenslebenstraße teilt parallel zur Aduchtstr.und Am Zuckerberg das zwischen diesen beiden Straßen, dem Neusser Wall und der Blumenthalstr. mit dem Riehler Platz, gelegene Areal in zwei Baublöcke auf. Der repräsentative, gutbürgerliche Charakter dieses Stadtviertels, des sog. Gerichtsviertels, verstand sich auf die Disziplin zu hoher Bodennutzung und zugleich guter Wohnbedingungen.

Der eng gefaßte Straßenraum steht in räumlichem Spannungsverhältnis zu den genannten, breiteren Parallelstraßen, das an ihren Enden durch den Gegensatz in der Weite des Neusser Walls am Inneren Grüngürtel einerseits und dem Riehler Platz andererseits kulminiert. Die Unterordnung in der gemeinsamen Einmündung am Riehler Platz unter die Architektur des Raums der Blumenthalstr., unterstreicht die Dominanz dieser Allee über die Alvenslebenstraße, die als eine der Hauptstraßen des Viertels, die Rückseite des Gerichtsgebäudes mit dem Riehler Platz und dem Neusser Platz seitlich des Längsschiffs der Agneskirche miteinander verbindet.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen.

Fassade

Die Fassade verfügt über eien Erker und einen Balkon. Die architektonische Grundgliederung besteht aus den architektonischen Einheiten vom Erdgeschoss bis zum zweiten Obergeschoss, dem drittenObergeschoss und dem im Gegensatz zu der üblichen Einbindung in die Fassade durch umlaufende Gesimse selbständig vor die Fassade gesetzten Erker, der im Erdgeschoss-Bereich auf zwei seitlichen Konsolen aufsitzt und am dritten Obergeschoss mit einem bekrönenden Balkon abschließt.

Alle Detailformen ordnen sich dieser Gliederung einerseits unter und stellen andererseits überleitende Bezüge her. Eine Ausnahme bildet der Dacherker über den beiden rechten Endachsen, der dem sonst strengen, spiegelbildlichen Fassadenaufbau in eigenwilligem, asymmetrischem Gegensatz steht. Die Abdeckung des Dacherkers nimmt mit beidseitigen, horizontalen Ansätzen Bezug auf das Traufgesims, mit hohem Dreieck über der Mitte, dem das mittig geteilte halbkreisbogige Erkerfenster mit zwei spitz zulaufenden oberen Enden entspricht, Bezug auf die Dachzone. Am dritten Obergeschoss, das mit durchlaufendem Fensterbankgesims ansetzt, unterstützen die beiden Seiten der beiden linken und rechten Endachsen gequaderte Pilaster das Dachgesims, die über Konsolen unterhalb des Fensterbankgesimses ansetzen und mit Kapitellen unterhalb des Traufgesimses miteinander verbunden sind.

Die Haustür, deren Oberlicht und die Fenster sind im Erdgeschoss einzeln in die flächige, gebänderte Rustika eingeschnitten. In den übrigen Geschossen fassen die Fensterumrahmungen und Fensterbankgesimse je zwei nebeneinanderliegende Fenster zu Einheiten zusammen. Eine Ausnahme bildet das Triumphbogenfenster am Balkon über dem Erker, dessen Dreiteilung mit der des Fensters unterhalb des Erkers korrespondiert. Beide Fenster verlängern die Vertikalität des Erkers, die Symmetrieachse der Fassade und vermitteln sowohl zum Erdgeschoss als auch zum vierten Obergeschoss.

Die eigenständige, repräsentative Architektur des Hauses bedient sich in ausgewogener Einheit des Formenkanons der Renaissance, des Barocks und des Jugendstils.

Inneres

Der Fußboden des Hausflurs mit vier Differenzstufen zum Niveau des Erdgeschosses besteht aus weißem Marmor, die Decke aus

  • Stuck mit gewelltem Kehlprofil
  • einem Deckenspiegel
  • einer zentralen Rosette mit länglichem, barock geschwungenem Umriß.

 

Die gewellten Kehlen des scheitrechten Stützbogens tragen je ein großes Akanthusblatt; die dreifeldrige Holzumtäfelung der Pfeilervorlagen darunter schließt in Augenhöhe mit vorspringendem Profil über einer Zahnleiste ab.

Die gerade, zwei- und gegenläufige, rechtswendende Treppe aus grau-braunem Terrazzo mit Perlmutteinsprengungen, trägt ein Geländer mit gedrechseltem Antrittspfosten und Handlauf aus Holz.

Die Spiegel der Treppenpodeste bestehen aus grauem Terrazzo, den

  • ein schwarzer und weißer Mosaikstreifen,
  • ein schmaler, schwarzer Terrazzosteifen
  • und eine breite, rote Randrahmung auf den Stockwerkspodesten,
  • eine hellbraune Randrahmung auf den Zwischenpodesten

 umgeben.

Wohnungsabschlußtüren

Sämtliche, formal ausgeprägt gestaltete Wohnungsabschlußtüren sind im Original erhalten. Das gestalterische Motiv besteht aus

  • einem Fenster mit Brüstungsfeld
  • Fensterbankgesims
  • seitlich rahmenden Pilastern, die den ausladenden Kämpfer tragen
  • und einem Oberlicht.

Das Brüstungsfeld aus konzentrischen, liegenden Rechteckrahmen, beginnt mit einem hohen Fußbrett und schließt mit einem Fensterbankgesims ab. Die Randrahmung der Sprossenverglasung in den oberen zwei Dritteln der Tür, die in den Ecken Quadrate bildet, umgibt ein hohes, stehendes, mittleres Rechteckfeld. Die seitlich rahmenden Pilaster bestehen bis zum Beginn der Verglasung aus Basis und stehenden, unterschiedlich hohen Diamantquadern, setzen sich darüber mit Kanneluren bis zum Kapitell fort, das sich in ungewöhnlicher Ausführung in eine nach außen schwingende, über das Kämpferprofil greifende Volute fortsetzt.

Die Wohnungen enthalten

  • originale Türen,
  • Gewände
  • Deckenstuck aus Hohlkehle mit Randprofilen
  • zentrale Rosetten aus barocker Ornamentik.

 

Referenz: 1603


Das Denkmal hat die Nummer 2614 und ist seit dem 18. September 1984 geschützt.

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