Wohnhaus

Lichhof 14, 50676 Köln - Altstadt-Süd weitere ...

Eckhaus Plectrudengasse/Lichhof

  • vier/fünf Geschosse(Höhenunterschied)
  • drei Achsen zum Lichhof
  • vier Achsen zur Plectrudengasse
  • Stuckfassade
  • Stil: Neo Renaissance

 

Fassade

Die Architektur des Objekts verbindet sich mit den Vorgaben der Höhenunterschiede und der Treppenanlage. Der Niveauunterschied ermöglicht an der Plectrudengasse den ebenerdigen Anschluß eines zusätzlichen fünften Geschosses mit eigenem Hauseingang. Die Architektur beider Ansichten mit einem Eckerker, der mit einem Turmdach abschließt, nimmt rahmenden Bezug zu der vielfältigen Formensprache des mittelalterlichen Kirchenbaus von St. Maria im Kapitol.

 

Durch den geschosshohen Niveauunterschied zwischen der oberen Ebene des Lichhofs und der unteren, der Plectrudengasse, den die Treppenanlage an der Hausecke miteinander verbindet, erhält das Haus gleichermaßen zwei Erdgeschosse, die beide durch die Doppelgesimse der Stockwerk- und Fensterbankgesimse ihre lasttragende Funktion zum Ausdruck bringen. Das obere Erdgeschoss wird durch ein zusätzliches Gesims in Kämpferhöhe zwischen Fensterflügeln und Oberlichtern, das sich fortlaufend um die Oberlichter herumkröpft, als oberer und dem Lichhof zugeordneten Teil des Gebäudesockels hervorgehoben. Zudem setzt der Eckerker mit rechteckiger Grundfläche am dritten und fünften Obergeschoss auf diesem Gesims seine vertikale Dimension an jeder Hausseite mit einer spitz zulaufenden Konsole an, der mit einem konkav geschwungenen, stumpfen Walmdach abschließt.

Die Fensterbankgesimse am vierten und fünften Obergeschoss lassen durch Indentität mit den Stockwerkgesimsen über dem dritten und vierten Obergeschoss die drei oberen Geschosse als Einheit ohne geschoßtrennende Zwischenflächen erscheinen. Den oberen Fassadenabschluß bilden in gemeinsamer Wirkung

  • das Stockwerkgesims über dem fünften Obergeschoss
  • das wenig vorkragende Konsolgesims als Traufgesims
  • die Silhouette der Dachgauben und Firstlinien.

 

Sämtliche Gesimse des dritten, vierten und fünften Obergeschosses umlaufen auch den Erker und binden ihn in beide Fassadenfelder ein.

Die Fenster und den Hauseingang des tiefliegenden Erdgeschosses an der Plectrudengasse überdecken scheitrechte Bogen; die Fenster des fünften Obergeschosses, des obersten Geschosses, schließen mit Halbkreisbogen ab, die zu den Gesimsen des Dachanschlusses und des Daches überleiten. Die Flachbogen der Fenster des zweiten Obergeschosses und die gestelzten bandartig aufgesetzten Flachbogen als Überdachungen scheitrechter Stürze am dritten und vierten Obergeschoss vermitteln zwischen den Extremen.

Die über alle Geschosse durch horizontalen Fugenschnitt gleichermaßen gebänderten Fassadenflächen sind an beiden Fassadenseiten spiegelbildlich geordnet. In der kleinräumigen Umgebung des Lichhofs zeigt der rechte Flügel die Ordnung eines Dreifensterhauses; das linke Fassadenfeld dagegen führt mit großer Breite in die Tiefe der Plectrudengasse. Die beiden mittleren Achsen an der Symmetrieachse auf ihren gemeinsamen Fensterpfeilern fassen die Seitenachsen mit gekuppelten Fenstern ein.

Die individuelle Architektur des Gebäudes wurde dem Repräsentationsbedürfnis seiner Zeit entsprechend aus dem Formenkanon der Renaissance entwickelt.

 

Der Lichhof (Leichhof, Friedhof) besteht aus einem unregelmäßigen, platzartigen Straßenraum zwischen der Trikonchenanlage von Maria im Kapitol mit den zu beiden Seiten anschießenden Anbauten und der gegenüberliegenden Wohnhausbebauung. Wegen des hochgelegenen Standorts des Kirchenbaus, dessen Anfänge im 7. Jh. durch Pectrudis einer Urahnin Karls des Großen auf dem römischen Kapitolshügel gegründet wurden, führen mehrere Treppenanlagen und eine befahrbare Rampe an der Nordseite zum Lichhof hinauf.

Die vom Marienplatz (Altstadt-Süd) ausgehende Treppe führt durch die hochgotische Dreikönigenpforte, der letzten in Köln erhalten gebliebenen Imunitätspforte auf der Grenze zum kirchlichen Territorium. Die tiefgelegene Plectrudengasse verläuft in der Verlängerung der Achse des Hauptschiffs auf die hochgelegene Ostkonche von St. Maria im Kapitol zu und endet mit einer Treppenanlage. Das Eckhaus Plectrudengasse 2/Lichhof 14 bildet die linke Eckbebauung.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen.

Referenz: 7232


Das Denkmal hat die Nummer 2609 und ist seit dem 9. August 1984 geschützt.

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