Wohn- und Geschäftshaus

Antwerpener Str. 15, 50672 Köln - Neustadt-Nord
Errichtet: um 1900


  • vier Geschosse, Giebelgeschoss
  • drei Achsen
  • Stuckfassade
  • Stil: Jugendstil

 

Zwischen der inneren und der äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici (1842-1927) und des Stadtbaumeisters Hermann Josef Stübben (1845-1936) als erste Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt.

In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden.

Die Kölner Neustadt wird vereinfacht gesehen von drei Straßentypen erschlossen bzw. radial von der Altstadt ausgehend, das Umland erschließend, durchzogen:

 

Die Antwerpener Straße zwischen dem fächerförmigen Sternplatz vor der Eisenbahnüberführung der Vogelsanger Str. und der dreieckförmigen Straßenerweiterung des Friesenplatzes in der Gabelung Antwerpener Straße/Venloer Str. erfüllt in geradliniger Verlängerung der Friesenstr. in der Altstadt sowohl die Funktion einer Ausfallstraße als auch die Funktion innerer Erschließung des "Belgischen Viertels" im Westen der Kölner Neustadt. Trotz des Knickes an der Kreuzung mit der Brüsseler Str. zwischen den beiden geradlinig verlaufenden Teilstücken, der die originalen Gebäude der konvexen Straßenfront in den Blickpunkt rückt, bleibt die einheitliche Übersicht des Straßenraums erhalten.

Die Straße und die vier- bis fünfgeschossige Bebauung bilden den quadratischen Querschnitt des Straßenraums. Die Traufhöhe der Altbebauung, welche die Bebauung der anschließenden Plätze und kreuzenden Brüsseler Straße in die Architektur des Straßenraums einbindet, wird von der Neubebauung übernommen.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen.

Fassade

Dem Fassadenaufbau wurde eine strenge, symmetrische Ordnung zugrundegelegt. Die Mittelachse als Symmetrieachse wird von einem flachen, aber breit angelegten Erker mit abgeschrägten Seiten am  ersten, zweiten und dritten Obergeschoss betont. Dieser setzt sich  im Dachgeschoss als Dacherker mit Dreieckgiebel fort. In den Dreieckgiebel ist das quadratische Feld einer Loggia eingelassen.

In gleicher Breite schließt sich unterhalb die vertikale Reihung der quadratischen Erkerfenster an.

Mit in vertikaler Reihung stehende Rechteckfenster flankieren die Mittelachse am ersten, zweiten und dritten Obergeschoss. Sie werden umschlossen durch eine gemeinsame Umrahmung über alle Geschosse mit einer Überdachung der Fenster des dritten Obergeschosses.

Die Gliederungselemente des Fassadenstuckes bestehen aus

  • unregelmäßigen Quaderungen mit schmalen Fugenschnitt mit vorgelegten Eckquaderungen als seitliche Fensterrahmung
  • in vertiefte Felder auf den seitlichen Fensterbrüstungen eingesetzte, von den Fensterbänken herabhängende Teppich-artige Stuckbilder
  • der Quaderung aufgesetztem Stuck in vegetabilen Formen oberhalb der waagerechten Sturzbalken als Überhöhung und zusätzliche Betonung der Erkerfenster.

 

Als typisches Merkmal des Jugendstils scheinen die höher gelegenen Gebäudeteile teils geschoßweise, teils mehrere Geschosse übergreifend hinter den abschließenden Gesimsen der tiefer liegenden Gebäudeteile emporzuwachsen. Zudem veranschaulichen die überwiegenden Vertikalen und breiten Fensteröffnungen die Hinwendung zu natürlichen Lebensbedingungen am Ende des 19. Jhdts.

Inneres

Zwei scheitrechte Stützbogen auf Mauervorlagen, der vordere mit abgerundeten Ecken, unterteilen die Länge des Hausflurs in zwei Hälften.

Die Bodenflächen jedes Abschnitts bestehen aus grauem Terrazzo, gerahmt von einer Reihe weißen Mosaiks und einem Rand aus schwarzem Terrazzo. Den zentralen Dekor des vorderen Bodenfelds bildet ein abstrahiertes zweiseitig symmetrisches Pflanzenornamemt aus schwarzem und rotem Terrazzo auf grauem Grund, eingefaßt von einer Reihe aus weißem Mosaik.

Am Deckenfeld des zweiten Hausflurabschnitts sind schräg gestellte Kehlprofile und Rahmung des Deckenspiegels erhalten.

Die einläufige graubraune Terrazzotreppe, die im Treppenhaus links am Ende des Hausflurs mit zwei breiteren, außen abgerundeten Stufen beginnt, ist zu Beginn und am Ende jeden Laufs um 90 Grad gewendelt und mit einem Holzgeländer und einem Holzhandlauf gesichert.

Die quadratischen Fensterflächen an der Mitte der Treppenhausaufgänge teilen drei vertikale Felder und ein Oberlicht mit Segmentbogen auf.

Die Wohnungsabschlüsse an den Schmalseiten der zu den Läufen parallel liegenden Stockwerkpodeste bestehen aus einflügeligen Türen mit gerieften Querriegeln und vertikal dreigeteilten Verglasungen im oberen Viertel, die mit Karniesbogen abschließen. Die Oberlichter führen die Dreiteilung der Türverglasung fort.

Die z. T. erhaltenen Türblätter innerhalb der Wohnungen sind in gleicher Weise aufgeteilt wie die Türblätter der Wohnungsabschlüsse.

Die Wohnungsfenster zum Hof hin sind im Original erhalten.

In der Nähe des Friesenplatzes sind umgeben von umfangreicher Neubebauung zu beiden Straßenseiten allein die Häuser Nr. 14, 15, 7, 5 und 3 als Dokumente der originalen Bebauung erhalten geblieben, deren Wert an dieser Stelle insbesondere durch ihre Gruppierung gegeben ist.

Referenz: 1913


Das Denkmal hat die Nummer 2523 und ist seit dem 20. Juli 1984 geschützt.

Denkmal <Wohn- und Geschäftshaus> bearbeiten
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