Wohn- und Geschäftshaus

Melchiorstr. 24, 50670 Köln - Neustadt-Nord
  • vier Geschosse
  • drei Achsen
  • Stuckfassade
  • Stil: Neo Klassizismus und Jugendstil

 

Zwischen der inneren und der äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici (1842-1927) und des Stadtbaumeister Hermann Josef Stübben (1845-1936) als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden. Die Melchiorstraße verbindet das Zentrum des zwischen der Neusser Str. und dem Güterbahnhof Gereon gelegenen "Dreikönigenviertels" der Neustadt, den Sudermanplatz mit dem Prälat-Otto-Müller-Platz und erschließt damit die nördliche Umgebung des Viertels. Das räumlich offen wirkende Areal der alten Feuerwache mit relativ niedrigen, unterschiedlich hohen Einzelbauten erweitert den Raum des Sudermanplatzes optisch längs der Melchiorstraße. Die Straßenbreite und die Höhen der vier- bis fünfgeschossigen Originalbebauung bilden den Querschnitt eines gedrungenen gut belichteten Rechtecks.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen.

Das Haus Melchiorstraße 24 liegt in der Reihe wertvollen Altbaubestandes, der die Häuser Nr. 22 bis 36 umschließt. Zur gegenüberliegenden Straßenseite bestehen unmittelbare Sichtbeziehungen zu den historischen Fassadengruppen der Erstbebauung Nr. 11 bis 17 und 29 bis 31.

Fassade

Zwischen dem Fassadensockel (Erdgeschoss), der

  • mit glattem Erdsockel
  • durchlaufendem Fensterbankgesims
  • Fenstern mit Hohlkehlen zwischen Sturz und Laibung
  • dem oberhalb abschließenden, kantigen Fensterbankgesims am 1. OG
  • der mit schmalen Fugenschnitt horizontal gebänderten Fläche seitlich über den Fenstern

seiner tragenden Funktion Ausdruck gibt

und einem Dachgesims, das in einen breiten mittleren und zwei seitliche, schmalere Vorsprünge geteilt ist, teilen vier gequaderte Pilaster mit Kapitellen aus frontal gesetzten, stilisierten Blüten die Frontflächen des ersten, zweiten und dritten Obergeschoss in drei, den Vorsprüngen des Dachgesimses entsprechende Felder auf.

Das mittlere Feld nimmt in voller Breite ein flacher Risalit ein, der oberhalb unter dem Dachgesims mit eigenem, vorkragendem Gesims abschließt, unterhalb bis an die Oberkante der Sturzmauerungen in den Fassadensockel, das EG, eingreift und mit seinem Feld die Drillingsfenster der beiden mittleren Achsen rahmend umgibt.

Die zum Mittelfeld herangerückten Drillingsfenster der zurückliegenden Seitenachsen umgeben U-förmig, von den Fensterbankgesimsen des ersten Obergeschosses, ausgehende Ränder, die unterhalb des Dachgesimses mit eigenen, vorkragenden Gesimsen abschließen und damit die Passage des Mittelfeldes begleitend wiederholen.

Die Vertikalität der Mittelachsen und die spiegelbildliche Ordnung der Fassadengliederung wird betont durch

  • den zentralen Hauseingang
  • die Fensterpfeiler zwischen den beiden Mittelachsen
  • eine Randrahmung aus barocken Formen eines großen Rundfensters in der Stirnfläche des dreieckförmg abschließenden Dachgiebels

 

Die Fenster am ersten und zweiten Obergeschoss der Mittelachsen stellen durch gemeinsame Rahmung und anschließenden halbkreisförmigen Einzelstürzen der Drillingsfenster die optische Verbindung zu den seitlichen, ebenfalls mit halbkreisförmigen Einzelbogen abschließenden Zwillingsfenstern an den Seitenflächen des Dachgiebels die aufwärts führende Verbindung zum Dachgiebel her.

Die im dritten Obergeschoss mit Korbbogen abschließenden Fenster der Seitenachsen weisen optisch auf zwei halbrund abschließende Dachhäuschen zu beiden Seiten des Dachgiebels hin.

Der architektonische Stil zeigt eine Mischung aus in statischer Logik zueinander geordneten, klassizistischen Elementen und von ihrer Schwere befreit erscheinenden Elementen im Sinne des Jugendstils nach dem Vorbild organischen Wachstums.

Inneres

Der Hausflur führt als kurzer Stichflur mittig auf das querliegende Treppenhaus zu.

Den Bodenspiegel aus grauem Terrazzo und die breite Randrahmung aus schwarzem Terrazzo setzt eine schwarz-weiße Mosaikreihe gegeneinander ab. Das Zentrum des Bodenspiegels bildet ein stilisierter Pflanzendekor in rot und schwarz auf grauem Grund umgeben von einer Reihe weißem Mosaik.

Der Deckenstuck besteht aus einer Hohlkehle mit profilierter Wand- und Deckenleiste und einer zentralen, länglichen Rosette aus Blumendekor und barock geschwungener Rahmung.

Die einläufige Steintreppe aus grauem Terrazzo, deren Läufe an beiden Enden um 90 Grad gewendelt an die Stockwerkpodeste anschließen, begleitet ein schmiedeeisernes Geländer mit Holzhandlauf von hoher Qualität.

Die feingliedrigen Abmessungen entsprechen dem Maßverhältnissen des Treppenhausses. Die Geländerstäbe werden unter dem Handlauf und über den Stufen durch profilierte Flacheisen miteinander verbunden. Das Feld dazwischen teilen drei Stäbe mit gleichen Abständen in vier Zwischenfelder, auf die vier spiegelbildlich zueinander geordnete Ranken schließen.

Der zu den Läufen parallel liegende Treppenhausboden trägt den gleichen Dekor wie der Boden des Hausflures. Die Spiegel der Stockwerkpodeste aus grauem Terrazzo umgeben breite Randrahmungen aus schwarzem Terrazzo mit geschwungener Abschrägung der Innenecken.

Die Verglasung der zweiteiligen Fenster mit Oberlicht besteht als Wolkenglas, in das weiße Jugendstilornamente eingeäzt sind.

Die innen angeschlagenen Wohnungsabschlüsse an den Schmalseiten der Stockwerkpodeste bestehen aus Türblatt, Kämpfer und Oberlicht umgeben tiefe, holzbekleidete, gefelderte Laibungen mit profilierten, am Boden sockelartig anschließenden Rahmen. Die oberen 2/3-hohen Felder der vierfeldrigen Türblattes schließt eine Verglasung mit braun eingeäzten Jugendstilornamenten, die mit den Ornamenten der Fensterverglasung korrespondieren.

Die Wohnungen enthalten originale Türblätter, Fenster und teilweise Deckenstuck aus Hohlkehlen mit Randleisten und kleinen, meist kreisrunden, sehr plastischen hervortretenden Mittelrosetten.

Referenz: 6266


Das Denkmal hat die Nummer 2473 und ist seit dem 12. Juni 1984 geschützt.

Denkmal <Wohn- und Geschäftshaus> bearbeiten
Zum Denkmalkatalog Kommentar zum Denkmal abgeben