Wohn- und Geschäftshaus

Aquinostr. 15, 50670 Köln - Neustadt-Nord
Errichtet: um 1896


  • vier Geschosse
  • drei Achsen
  • Backsteinfassade mit Stuckgliederungen
  • Stil: Neo Renaissance

 

Zwischen der inneren und der äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici (1842-1927) und des Stadtbaumeisters Hermann Josef Stübben (1845-1936) als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden.

Die Aquinostraße verbindet das Zentrum des zwischen der Neusser Str. und dem Güterbahnhof Gereon gelegene "Dreikönigenviertels", den Sudermanplatz, mit der Krefelder Str. (Neustadt-Nord), in die sie gemeinsam mit der Balthasarstr. einmündet. Beide von der Krefelder Str. (Neustadt-Nord) zurückgesetzten Einmündungen ergeben eine platzartige Erweiterung, welche ab hier die Verbreiterung der Krefelder Str. (Neustadt-Nord) stadtauswärts zuläßt. Straßenbreite und die vier- bis fünfgeschossige Bebauung bilden den offenen Querschnitt eines Quadrats.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen.

 Die Häuser Aquinostraße 15, das rechte Nachbarhaus Nr. 17 und das Haus Nr. 8 in enger Sichtbeziehung unmittelbar gegenüber, bilden eine den Straßenraum umschließende Gruppe gemeinsam errichteter Erstbebauung.

Fassade

Die Gesamtfassade besteht aus einer flachen Vorlage, deren ebener Hintergrund die seitlichen schmalen vertikalen Fugen sichtbar werden lassen. Das Souterrain und das erste Obergeschoss verdeutlichen ihre lasttragenden Eigenschaften als Sockel der übrigen Obergeschosse durch breite, horizontale Bänderungen mit breitem Fugenschnitt am Souterrain. Diese Bänderungen schließen mit kräftig dimensioniertem kastenförmigem Gesims im Bereich der scheitrechten Stürze  und einem profilierten Stockwerkgesims über dem ersten Obergeschoss ab

Zwischen beiden Gesimsen vermitteln

  • das Brüstungsband
  • das durchlaufende schmale Fensterbankgesims
  • eine schmale horizontale Bänderung mit feinem Fugenschnitt der Mauerpfeiler an Fenster und Haustür
  • ein friesartiger Architrav mit schmalem Gesims an der Unterkante der Sturzzone des ersten Obergeschosses.

 

Das Gebäude erhält seine optisch überhöhte Vertikalität durch

  • die Gliederung des zweiten, dritten und vierten Obergeschosses
  • die von Geschoß zu Geschoß in Richtung der Traufe abnehmenden Dimensionierungen der durchlaufenden Fensterbankgesimse
  • die von Geschoß zu Geschoß umfangreicheren Einzelverdachungen der Fenster
  • am zweiten Obergeschoss als horizontale Balken auf zwei Konsolen an ihren Enden
  • am dritten Obergeschoss als Dreieckgiebel mit seitlichen horizontalen Absätzen
  • die Reihungen der Fenster mit dem der Gesamtfassade überkragenden Traufgesims
  • drei hohe mit Dreieckgiebeln überdachten Dachhäuschen als Abschluss 

 

Dem Repräsentationsbedürfnis der Zeit entsprechend sind die Gestaltungselemente der Renaissance in eigenständiger Übersetzung angewendet.

Inneres

Hausflur

  • Zwischen dem unteren, etwa quadratischen Podest hinter der Haustür und dem Treppenhausboden liegt eine zwölfstufige Treppe aus hellgrauem Terrazzo mit hölzernem Wandhandlauf.
  • Das untere Podest aus farbigem Terrazzo umgibt ein Mosaikstreifen (weiß/hellbraun im Wechsel) und eine breite Randrahmung aus schwarzem Terrazzo.
  • Die Wandflächen werden durch eine Rustika aus glatten, horizontalen Bändern mit tiefem Fugenschnitt, die mit kräftigem Stockwerkgesims abschließt und anschließend darüber durch einen wandsockel-hohen, glattflächigen Streifen, der mit einem zweiten Gesims abschließt, gegliedert.
  • Die beiden Oberlichter über der Haustür in Kreuzsprossenverglasung trennt ein breiter Holzkämpfer (an der Außenseite Kämpfer aus Stein vorgesetzt) in Form eines Dreieckgiebels über einem Architrav.

 

Treppenhaus

  • Den Treppenhauszugang umgeben zwei Pilaster mit kassettierten Laibungen in den oberen zwei Dritteln, zwei ausladende Kapitelle und ein scheitrechter Unterzug mit zentraler, kreisrunder Rosette.
  • Der Boden des Treppenhauses wiederholt den Dekor des unteren Podestes an der Haustür.
  • Die gerade, zweiläufige, linkswendende Holztreppe begleitet ein Holzgeländer mit Holzhandlauf.
  • Die an der Vorderseite dreistufig nach oben verjüngte Bohle als Antrittspfosten trägt auf ihren Seiten eine Volute an der Basis im übrigen rippig geschnitzte Struktur.
  • Von den originalen Fenstern des Treppenhauses trägt das Fenster am ersten Zwischenpodest weiße Bleiverglasung.

 

Referenz: 1940


Das Denkmal hat die Nummer 2455 und ist seit dem 12. Juni 1984 geschützt.

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