Wohn- und Geschäftshaus

Aachener Str. 5, 50674 Köln - Neustadt-Süd
Errichtet: um 1905


  • vier Geschosse, Giebelgeschoß
  • vier Achsen
  • Stuckfassade
  • Stil: Jugendstil

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Zwischen der inneren und der äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 und etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici (1842-1927) und des Stadtbaumeisters Hermann Josef Stübben (1845-1936) als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden.

Hahnen-, Eigelstein- und Severinstor, deren Erhaltung unter anderem bei der Genehmigung des Abbruches der mittelalterlichen Stadtmauer seit dem Jahre 1881 durch die preussische Militärregierung zur Auflage gemacht worden war, gingen als wesentliche Vorgaben in die Stadtplanung der Neustadt ein. Hierbei wurde der besonderen Situation des Hahnentores als Tor zum Westen am Scheitel des Halbkreises der Altstadt und der Aachener Straße als Verbindung mit der Kaiserstadt Aachen, besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

Der Rudolfplatz, die beidseitig anschließenden Prachtstraßen des Habsburgerringes und des Hohenzollernrings, das am Rudolfplatz und seitlich der Aachener Straße zwischen Händelstr. (Neustadt-Süd), Richard-Wagner-Str. (Neustadt-Süd) und Habsburgerring anschließende Areal, wurde als gemeinsames Zentrum geistiger und kultureller Begegnung für Alt- und Neustadt mit dem Prunkbau des früheren Opernhauses, umgeben von Gartenanlagen und einem Rahmen prächtiger Bauwerke ausgebaut.

Mit diesem städtebaulichen Zentrum korrespondiert jenseits des Eisenbahngürtels, den die Aachener Straße in gleich breit verlaufender Trasse ungehindert unterführt, das Quadrat des Aachener Weihers, umgeben von Parkanlagen in der Weite des inneren Grüngürtels.

Die Aachener Straße verbindet Hahnentor und Aachener Weiher in leichtem Gefälle stadtauswärts mit einer nach der Straßenbreite der Ringe breitester Trasse der Neustadtplanung. Die niedrige, dreigeschossige Bebauung mit abwechslungsreicher Silhouette der Dachaufbauten und dem Straßenraum als lichter Querschnitt eines liegenden Rechtecks, ermuntert zum Weg in beide Richtungen.

 

Das als hochherrschaftliches Wohnhaus errichtete Gebäude ist Bestandteil des prunkvollen, baulichen Rahmens um den Rudolfplatz. In dieser Funktion hebt es sich durch baulichen Umfang und durch vier Geschosse gegenüber der im weiteren Verlauf dreigeschossigen Bebauung der Aachener Straße ab, korrespondierend mit dem Eckhaus Aachener Straße 1, das städtebaulich dieselbe Aufgabe erfüllt.

Die bis heute dominierende, städtebauliche und architektonische Aussage wurde ursprünglich durch ein Gebäude gleicher Architektur auf dem Grundstück Aachener Straße 3 neu zu einer repräsentativen Ecksituation ergänzt.

Fassade

Die spiegelbildlich konzipierte Fassade bildet ein Quadrat. Dieses wird über den beiden mittleren Achsen überkront. Diese mittleren Achsen verfügen im zweiten und dritten Obergeschoss über flach ausgebaute Erker über denen sich ein breit gelagerter Dachgiebel mit dreieckförmigen oberen Abschluß und seitlich verbreiternden, von der Traufe schräg nach oben führenden Absätzen aufbaut.

Sämtliche Obergeschoßfenster der Mittelachsen, einschließlich der des Dachgiebels, sind durch vertikale Steinbalken dreigeteilt, wodurch sich das Mittelfeld der Ansicht differenziert belebt. Im Gegensatz dazu sind die flankierenden Seitenachsen mit einheitlich großen, quadratischen Fenstern und vorgesetzten Scheinbalkonen am zweiten und dritten Obergeschoss versehen.

Die glatten, mit einem Fugennetz geringer Tiefe gegliederten Fenster- und Eckpfeiler, denen unterhalb an dem leicht vorspringenden, abgetreppten Traufgesims unmittelbar anschließend, kapitellartiger Schmuck aus Medaillons (ganz rechts ein Engelskopf, dem sicher ursprünglich ein Engelskopf auf dem Eckpfeiler ganz links entsprach) vorgesetzt ist, verbinden das EG mit der Traufe. Zwischen den geschlossen wirkenden Stuckflächen der Fensterpfeiler vereint der plastische Schmuck auf Brüstungen und Stürzen die Öffnungen der Fenster zu vertikalen Bändern über alle Geschosse hinweg.

Am Dachgiebel leiten die girlandenartig nach unten durchhängenden Kämpfer der Fenster und die Stuckierung der Stürze zu den vegetabilen Schmuckformen auf dem Dreieckfeld des Giebels mit zentraler, liegender Ellipse über. Die Architektur der Fassade wurde im Jugendstil erbaut, die Vorbilder organischen Wachstums und die Hinwendung zum Licht in klassizistische Strenge übersetzt.

Inneres

Vom Innenausbau ist hinter der linken Seitenachse eine zweiläufige Terrazzotreppe (grau-braun) mit einem Profilstahlgeländer, dessen Zwischenstäbe an ihren oberen Enden abwechselnd in zwei verschiedenen Mustern symmetrisch zueinander eingerollt sind und einem Holzhandlauf erhalten.

Das Profil an den Unterkanten der Setzstufen korrespondiert mit der Profilierung der Vorderkante der Stockwerkpodeste. Die grauen Terrazzoflächen der Zwischenpodeste werden von einem Mosaikstreifen und einer schwarzen Randrahmung umgeben. I

n den Räumen der Etagen sind Fragmente des Deckenstucks vereinzelt unversehrt geblieben raumweise bestehend aus Holzkehle mit Wandleiste und zentralen Rosetten, beispielsweise aus gewundenem Laub.

Referenz: 0002


Das Denkmal hat die Nummer 2213 und ist seit dem 10. April 1984 geschützt.

Denkmal <Wohn- und Geschäftshaus> bearbeiten
Zum Denkmalkatalog Kommentar zum Denkmal abgeben