Bahnsteighalle Hauptbahnhof

Trankgasse, 50667 Köln - Altstadt-Nord
Errichtet: 1894, Umbau 1909 - 1915


Im zweiten Weltkrieg beschädigt, jedoch Erhalt der konstruktiven Teile, vereinfachter Abschluß der Dachzone. Erhalten ist das hohe Mittelschiff einer ehemals dreischiffigen Anlage mit vergleichsweise kleinen, untergeordneten Seitenschiffen. Das Mittelschiff überdeckte ehemals den Kopfbahnhofteil mit breitem Inselbahnsteig und Inselgebäude, während die Seitenschiffe, die nach dem Krieg abgerissen und durch einfache Pultdach-Konstruktionen ersetzt wurden, die durchlaufenden Gleise und Perrons überdachten.

Die Stahl(Schweißeisen-)-Binderkonstruktion der Mittelhalle (Zwei-Gelenkbogen) mit Diagonaleisenfachwerk hat eine Spannweite von 63,9 m bei einer lichten Scheitelhöhe von 24 m und erstreckt sich über 255 m mit 28 Regel- und 2 Abschlußbindern. Seitlich tragen die Binder Aufsattelungen aus kastenförmigen Fachwerkträgern, die zur Ausbildung der lotrechten Fensterzone über den Seitenschiffen dienen. Den mittleren Hallenbereich überdeckt eine Oberlichtzone mit Lichtraupen in sägeförmiger Reihung, den Abschluß bildet ein durchlaufender Dachreiter. Die Dachflächen zwischen den Lichtzonen sind mit Wellblech abgedeckt. Den Abschluß des Hallenschiffs bilden gegliederte, verglaste Schürzen.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Das Mittelschiff der ehemaligen Perron-Halle ist Zeugnis der um 1894 neu errichteten Bahnhofsanlage und in die Reihe großstädtischer Bahnhofsanlagen der "zweiten Generation" einzuordnen, wie sie um die Jahrhundertwende durch den preußischen Staat errichtet worden sind. Das Engagement des preußischen Staats im Eisenbahnwesen in Ablösung der Aktivitäten der Privatbahngesellschaften entspricht der steigenden Bedeutung des Verkehrswesens und spiegelt die starke Industrialisierung, das Bevölkerungswachstum und die damit verbundene Mobilität am Ende des 19. Jahrhunderts. Es ist zugleich als Reaktion auf die Wirtschaftskrise zu verstehen, die der kurzen Gründerzeit folgte. Insofern ist die Bahnhofshalle bedeutend für die Geschichte der Menschen.

Der mächtige Bahnhofkomplex wurde über vorhandenen Bahnanlagen, inmitten der Stadt und in unmittelbarer Nachbarschaft zum Dom errichtet. Die Eisenbahnbrücke über den Rhein - die Gitterbrücke wurde 1910 durch die dreibogige Brücke, die Hohenzollernbrücke ersetzt - führt gerade auf den Ost-Chor des Doms zu. Der Standort, über den in den jeweiligen Erneuerungsphasen wiederholt diskutiert wurde, hatte weitgehende Konsequenzen für die Entwicklung und Gestaltung des Kölner Stadtzentrums.

Die Bahnhofsanlage in neuen Dimensionen spiegelt die wachsende Bedeutung der Stadt im 19. Jahrhundert, ihre Verkehrsbedeutung das Wachstum, mit dem die Stadterweiterung der Stübben'schen Neustadt korrespondierte, und entsprach zugleich dem repräsentativen Bedürfnis der Stadt und des daran beteiligten preußischen Staates.

Der verbliebene Teil der Anlage, nämlich die Bahnhofshalle, ist bedeutend für die Geschichte der Stadt Köln. Der weit gespannte Hallenbau in seiner Konstruktion und aus den Materialien Eisen, Glas und Wellblech, der vom Minister für Öffentliche Arbeiten - Eisenbahnbau konzipiert wurde, basiert auf den für damalige Verhältnisse neuesten Erkenntnissen der Technik, Statik und industrieller Fertigungsmethoden. Der Funktionsbau ist bedeutend für die Geschichte der Arbeits- und Produktionsverhältnisse und die Geschichte des Eisenbahnwesens.

Die in ihrem Dekor reduzierte Halle ist trotz Verlust der Seitenschiffe und des charakteristischen Inselgebäudes sowie nach Aufgabe des zugehörigen Empfangsgebäudes eine bedeutende Anlage, deren weiter, lichtdurchfluteter Innenraum erlebbar ist und eine gewisse Repräsentation ausstrahlt. Der Reisende wird "empfangen", ihm wird eine Identifikation mit der traditionsreichen Stadt ermöglicht. Außerdem wird ihm bewußt, daß er es mit einer bedeutenden Großstadt zu tun hat.

Der langgezogene Baukörper mit der charakteristischen Dachform bildet mit dem Dom und der Hohenzollernbrücke eine Einheit von städtebaulicher Bedeutung. Die gut proportionierte, lichtdurchflutete Halle in ihrer ablesbaren Konstruktion mit korrespondierenden Baumaterialien ist mit ihrem sparsamen Bauschmuck, der Renaissance entlehnten Bauformen, die der Aufgabe als besonders angemessen galten und nicht mit dem Dombau konkurrieren sollten, eine Einheit in Gestalt, Form, Funktion. Sie ist anschauliches Objekt für die wissenschaftliche Erforschung des Eisenbahnwesens, des Standes der Technik und der Architekturgeschichte.

Referenz: 8706


Das Denkmal hat die Nummer 2178 und ist seit dem 9. April 1984 geschützt.

Denkmal <Bahnsteighalle Hauptbahnhof> bearbeiten
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