Wohn- und Geschäftshaus

Rathenauplatz 13, 50674 Köln - Neustadt-Süd
Errichtet: 1898/99


  • vier Geschosse, Souterrain
  • sechs Achsen
  • Stuckfassade
  • Stil: Jugendstil

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Zwischen der inneren und äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910, ringförmig um die Altstadt, die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici (1842-1927) und des Stadtbaumeisters Hermann Josef Stübben (1845-1936) als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden.

So entstand im Westen vor der Altstadt, zwischen den Ausfallstraßen der Zülpicher Str. und der Lindenstr. (Neustadt-Süd), die Achse der Roonstr. (Neustadt-Süd) mit dem Wohnviertel um den sie einhüftig erweiternden Rathenauplatz. Der mit 100 x 500 m bemessene, rechteckförmige Platz (ehemalige Königsplatz) wurde als zentrale, städtische Parkanlage, der auch die Aufgabe zukam, die Aufstellung der Wagen des Karnevalszugs zu übernehmen, in die Planung aufgenommen. Die Roonstraße, deren Verlauf im Nordwesten durch den Turm der altkatholischen Kirche und im Südosten durch den Turm der Herz-Jesu-Kirche gefaßt ist, findet durch leichten Anstieg des Straßenniveaus in Richtung Barbarossaplatz und den, gegenüber der altkatholischen Kirche, höheren Turm der HerzJesu-Kirche die Nähe der Ringe an.

Das Rechteck des Platzes besteht aus einer Grünanlage, die an ihren Längsseiten von zweireihigen Baumalleen, an den Schmalseiten von waldartigem Bestand alter Bäume gerahmt ist. Die umgebenden Straßenräume werden durch die viereinhalb-geschossige Randbebauung und den Baumbestand der Grünfläche gebildet. Der Rathenauplatz zeigt sich bei Belaubung seines historischen Baumbestands mit einem freiräumigen Platzinneren, das vom Baumbestand eingefaßt und von den Straßenräumen zwischen Baumbestand und Platzrand-Bebauung umgeben ist. Im Winter dagegen ist das Rechteck des Platzes übersichtlich und bildet zur Roonstraße hin einen einseitig offenen Raum gegenüber der überragenden Baumasse der Synagoge, einem symmetrischen Zentralbau mit zwei Seitenflügeln.

In der Roonstraße wird an den Enden des Platzes auf der gegenüber liegenden Straßenseite der Baumbestand durch eine Baumreihe (heute lückenhaft) aufgegriffen und bis zur Baumgruppe vor dem Turm der altkatholischen Kirche und andererseits bis zu dem Baumbestand um die Herz-Jesu-Kirche weitergeführt. Die zweireihige Baumallee auf dem Mittelstreifen der an der Nordostseite einmündenden Beethovenstr. (Neustadt-Süd) stellt die Verbindung her zu einem ebenfalls von Bäumen bestandenen Platz zwischen Beethovenstraße und Mozartstr. (Neustadt-Süd), an deren Einmündung in den Hohenstaufenring. In den an der Südwestseite vom Rathenauplatz ausgehenden Straßen Lochnerstr. und Görresstr. wird das Grün des Platzes in Vorgärten weitergeführt, die sich mit den Vorgärten an der Dasselstraße zusammenhängend verbinden. Damit wird das Gestaltungsprinzip deutlich mit den repräsentativen, städtebaulichen Elementen der Baumreihen und Alleen zu der Hauptstraße der Neustadt, den Ringen, hinzuführen, während das intime Grün der Vorgärten dazu verwendet wird, eine intime, wohnliche Atmosphäre zu schaffen.

Beide Elemente treffen und vereinen sich im Rathenauplatz. Die von den beiden südwestlichen Platzecken ausgehenden Meister-Gerhard-Str. und Boisseréestr. finden ihren optischen Abschluß in den Brückenbauwerken der Bahnüberführungen der Lindenstraße und Zülpicher Straße. Die Heinsbergstr. im Südosten, die durch Schwenken ihrer Straßenachse jeweils in ihrer Kreuzung mit der Zülpicher Straße und in Höhe der Zülpicher Straße ihren optischen Abschluß findet, hat, wie die Lochnerstraße und Görresstraße, als Wohnstraße die Aufgabe, die umgebende Bebauung in kleinere, übersichtliche Areale aufzuteilen, deren relativ geringe Grundstückstiefen eine Hinterhofbebauung nach Berliner Art vermeiden und trotz hoher Nutzung der Grundstücksfläche eine im allgemeinen offene rückwärtige Bebauung aufweisen.

Fassade

Die Architektur wird von einem breiten Erker mit abgeschrägten Seiten am zweiten bis vierten Obergeschoß in der dritten Achse von rechts beherrscht. Dieser Erker mit trapezförmigem Grundriß wird von über die gesamte Fassadenbreite verlaufenden, kräftig ausgebildeten Brüstungsbändern (gesäumt von Sohlbank- und Stockwerkgesims) am zweiten, dritten und vierten Obergeschoß in die Fassade eingebunden.

Die beiden Achsen rechts und links des Erkers beziehen sich auf die Erkerachse symmetrisch. Die erste Achse von links, über dem mit einem hohen Oberlicht überhöhten Hauseingang, ist als neben dem Erker wichtigste Achse aufgefaßt und mit breiteren Fenstern in Steinbalken-Teilung besetzt.

Anmutig abweichend von der Symmetrie des Erkerbereichs trägt die zweite Achse von links (Achse neben dem Hauseingang) am zweiten, dritten und vierten Obergeschoß geräumige Balkone, deren Brüstungen aus Steingitter in den Verlauf der o.g. Brüstungsbänder mit einbezogen sind.

Das erste Obergeschoß und der Souterrain stehen als selbständiges Element unter den sich rhythmisch wiederholenden Horizontalen der Etagen und weisen sich vor allem durch die Reihung der Halbkreisbogen-Fenster als tragendes Element aus. Der strengen und straff geordneten Architektur geben die auf die Fensterachsen bezogenen Dachgauben durch Bewegung der Dach-Silhouette einen heiteren Akzent.

Inneres

Zwischen Hauseingang und dem scheitrechten Stützbogen auf Mauervorlagen führt, hinter dem Drehbereich der Haustüre beginnend, eine weiße Marmortreppe zum Niveau des ersten Obergeschosses, wo sich derselbe Marmor als Bodenmaterial ins Treppenhaus fortsetzt.

Der Antrittspfosten der zweiläufigen Holztreppe mit Holzgeländer und Holzhandlauf ist als sich nach unten verjüngende Vierkantsäule mit Beschlagwerk über mehrteiliger Basis reich skulptiert.

Die Querseiten der Podeste schließen mit hohen, zweiteiligen Wohnungstüren mit schmalen Seitenteilen und hohem, breiten Oberlicht ab. Die Türpfosten sind skulptiert, die oberen Tür- und Seitenteile verglast.

Im ersten Obergeschoß, in der zweiten und dritten Achse von links, trägt ein quadratischer Raum, als Beispiel des Deckenstucks, diagonale Deckenfeldleisten, die in der Mitte ein Quadrat mit hängender Rosette ausschneiden. Die Ecken sind ebenfalls quadratisch betont. Die Randleiste des Deckenfelds wird ringsum von Konsolenreihen gestützt, die ihrerseits auf einer Wandleiste aufliegen. Die Fenster sind in originalem Zustand erhalten.

Referenz: 7307


Das Denkmal hat die Nummer 2101 und ist seit dem 1. Februar 1984 geschützt.

Denkmal <Wohn- und Geschäftshaus> bearbeiten
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