Wohnhaus

Rathenauplatz 5, 50674 Köln - Neustadt-Süd
Errichtet: zwischen 1892 und 1895


  • vier Geschosse, Souterrain, Giebelgeschoß
  • zwei Achsen
  • Backsteinfassade mit Stuckgliederungen
  • Stil: Neo Klassizismus mit Elementen in Neo Barock und Neo Renaissance

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Zwischen der inneren und äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910, ringförmig um die Altstadt, die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici (1842-1927) und des Stadtbaumeisters Hermann Josef Stübben (1845-1936) als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden.

So entstand im Westen vor der Altstadt, zwischen den Ausfallstraßen der Zülpicher Str. und der Lindenstr. (Neustadt-Süd), die Achse der Roonstr. (Neustadt-Süd) mit dem Wohnviertel um den sie einhüftig erweiternden Rathenauplatz. Der mit 100 x 500 m bemessene, rechteckförmige Platz (ehemalige Königsplatz) wurde als zentrale, städtische Parkanlage, der auch die Aufgabe zukam, die Aufstellung der Wagen des Karnevalszugs zu übernehmen, in die Planung aufgenommen.

Die Roonstr. (Neustadt-Süd), deren Verlauf im Nordwesten durch den Turm der altkatholischen Kirche und im Südosten durch den Turm der Herz-Jesu-Kirche gefaßt ist, findet durch leichten Anstieg des Straßenniveaus in Richtung Barbarossaplatz und den, gegenüber der altkatholischen Kirche, höheren Turm der HerzJesu-Kirche die Nähe der Ringe an.

Das Rechteck des Platzes besteht aus einer Grünanlage, die an ihren Längsseiten von zweireihigen Baumalleen, an den Schmalseiten von waldartigem Bestand alter Bäume gerahmt ist. Die umgebenden Straßenräume werden durch die viereinhalb-geschossige Randbebauung und den Baumbestand der Grünfläche gebildet. Der Rathenauplatz zeigt sich bei Belaubung seines historischen Baumbestands mit einem freiräumigen Platzinneren, das vom Baumbestand eingefaßt und von den Straßenräumen zwischen Baumbestand und Platzrand-Bebauung umgeben ist. Im Winter dagegen ist das Rechteck des Platzes übersichtlich und bildet zur Roonstraße hin einen einseitig offenen Raum gegenüber der überragenden Baumasse der Synagoge, einem symmetrischen Zentralbau mit zwei Seitenflügeln.

In der Roonstraße wird an den Enden des Platzes auf der gegenüber liegenden Straßenseite der Baumbestand durch eine Baumreihe (heute lückenhaft) aufgegriffen und bis zur Baumgruppe vor dem Turm der altkatholischen Kirche und andererseits bis zu dem Baumbestand um die Herz-Jesu-Kirche weitergeführt. Die zweireihige Baumallee auf dem Mittelstreifen der an der Nordostseite einmündenden Beethovenstr. (Neustadt-Süd) stellt die Verbindung her zu einem ebenfalls von Bäumen bestandenen Platz zwischen Beethovenstr. (Neustadt-Süd) und Mozartstr. (Neustadt-Süd), an deren Einmündung in den Hohenstaufenring. In den an der Südwestseite vom Rathenauplatz ausgehenden Straßen Lochnerstr. und Görresstr. wird das Grün des Platzes in Vorgärten weitergeführt, die sich mit den Vorgärten an der Dasselstr. zusammenhängend verbinden. Damit wird das Gestaltungsprinzip deutlich mit den repräsentativen, städtebaulichen Elementen der Baumreihen und Alleen zu der Hauptstraße der Neustadt, den Ringen, hinzuführen, während das intime Grün der Vorgärten dazu verwendet wird, eine intime, wohnliche Atmosphäre zu schaffen.

Beide Elemente treffen und vereinen sich im Rathenauplatz. Die von den beiden südwestlichen Platzecken ausgehenden Meister-Gerhard-Str. und Boisseréestr. finden ihren optischen Abschluß in den Brückenbauwerken der Bahnüberführungen der Zülpicher Str. und der Lindenstr. (Neustadt-Süd). Die Heinsbergstr. im Südosten, die durch Schwenken ihrer Straßenachse jeweils in ihrer Kreuzung mit der Zülpicher Straße und in Höhe der Zülpicher Straße ihren optischen Abschluß findet, hat, wie die Lochnerstraße und Görresstraße, als Wohnstraße die Aufgabe, die umgebende Bebauung in kleinere, übersichtliche Areale aufzuteilen, deren relativ geringe Grundstückstiefen eine Hinterhofbebauung nach Berliner Art vermeiden und trotz hoher Nutzung der Grundstücksfläche eine im allgemeinen offene rückwärtige Bebauung aufweisen.

Dem schmalen Grundstück, das dem Architekt nur die Entwicklung einer zweiachsigen Fassade erlaubt hat, steht die Forderung gegenüber, dem Rathenauplatz als anspruchsvollem, städtebaulichen Zentrum zu entsprechen. Diese Anforderung wurde, gemeinsam mit dem klassizistischen Stilelement der optischen Überhöhung, dem barocken Element der sich in geschwungenen formen auflösenden Silhouette und der strengen, horizontalen Fügung nach Vorbildern der Renaissance, auf überraschende Weise gelöst.

Die linke Achse hebt sich von der rechten, geschlossen wirkenden Achse des Treppenhauses als Risalit, mit vielen Fenstern weit geöffnet und turmartiger Mauervorlage ab. Die Vorlage mündet in einen Dachgiebel ab. Der der Architekt hat sich dabei die Aufgabe gestellt, die gesamte architektonische Aussage auf eine einzige Achse zu beschränken.

Die Fensterachse besteht aus einer lückenlosen, symmetrischen Aneinanderreihung aller erdenklichen Bauelemente, die alle die Aufgabe haben, die Bewohner am Leben auf dem Platz teilhaben zu lassen.

  • Über der horizontalen, schmalen Bänderung der Rustika des niedrig gehaltenen Souterrain ist die Wand durch ein Fenster, das die gesamte Raumbreite und Höhe einnimmt, geöffnet.
  • Vor dessen Sturz schließt sich bereits ein halbkreisförmiger Balkon an mit Balustradenbrüstung und einem Fenster mit hohem, elliptischem Bogen, dessen Breite gegenüber der des Erdgeschoß-Fensters nur wenig reduziert ist.
  • Darüber wiederum, am dritten Obergeschoß, schließt dicht über dem Sturz des Fensters als Regendach für den Balkon ein laternen-artiger Erker an, dessen Dach im grauen Stahlgeländer eines Austritts vor einem Halbkreisbogen-Fenster in voller Breite auf seinem Dach am vierten Obergeschoß mündet.
  • Dieser Weiterfühung der aufwärts gerichteten, sich nach oben hin in seiner Breite ständig sich vermindernden Reihung wird über einer Zäsur durch die Mauerwerkfläche mit dem Riegel des niedrigen, quer gestellten Giebelfensters und der horizontalen Giebelgesimse Einhalt geboten.
  • Als Übergangselement beider Richtungen wird der Bogenfries, auf dessen Balken der Dachgiebel ruht, seitlich von Pilastern getragen, die auf Konsolen in Deckenhöhe des zweiten Obergeschosses hinabreichen.
  • Die horizontalen Stuckbänder beleben die Flächen des Mauerwerks und binden die Rahmungen der Maueröffnungen in das Mauerwerk ein.

 

Im Inneren

Die zweiläufige Terrazzotreppe des Treppenhauses trägt ein Stahlgeländer mit Holzhandlauf. Am Ende der Treppe führt eine Wendeltreppe weiter zum Giebelgeschoß. Die originalen Treppenhausfenster sind mit farbigem Bleiglas verglast.

Die Wohnungen enthalten originale Stuckdecken, Türumrahmungen und Fenster.

Referenz: 7302


Das Denkmal hat die Nummer 2029 und ist seit dem 16. Januar 1984 geschützt.

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