Wohnhaus

Meister-Gerhard-Str. 16, 50674 Köln - Neustadt-Süd
Errichtet: um 1890 bis 1895


  • vier Geschosse
  • vier Achsen
  • Stuckfassade

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Zwischen der inneren und der äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici (1842-1927) und des Stadtbaumeisters Hermann Josef Stübben (1845-1936) als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt.

In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Strukturen neue Stadtbereiche entwickelt und durch städtebauliche Bezüge miteinander verbunden. So entstand im Westen vor der Altstadt zwischen den Ausfallstraßen der Zülpicher Str. und der Lindenstr. (Neustadt-Süd) die Achse der Roonstr. (Neustadt-Süd), mit dem sie einhüftig erweiternden Rathenauplatz und dem sie umgebenden Wohnviertel. Die Beethovenstr. (Neustadt-Süd), Heinsbergstr., Meister-Gerhard-Str., Lochnerstr. und Boissereestraße erschließen vom Rathenauplatz ausgehend das umgebende Stadtviertel nach allen Seiten. Die Meister-Gerhard-Str. und die Boissereestraße verbinden die Ecken des rechteckigen, 1000 x 500 m messenden Platzes an der Seite gegenüber der Roonstraße als diagonale Verkehrsverbindungen mit den Sternplätzen vor den Bahnüberführungen der Zülpicher Straße und Lindenstraße. Die Stahlbauwerke der Brückenanlagen sind bewußt als optischer Abschluß beider Straßenräume genutzt. Beide Straßenräume finden an der Seite des Rathenauplatzes ihren charakteristischen Ausblick im Laubwerk des historischen Baumbestands oder im Herbst und Winter in der durch seine vier- bis fünfgeschossigen Randbebauung gefaßten Platzanlage.

Aufgrund der städtebaulichen Leitidee, die Meister-Gerhard-Straße und die Boisseréestr. schwergewichtsmäßig als Verkehrsverbindungen einzurichten, wohl auch aufgrund strategischer Überlegungen wegen ihrer Ausrichtung auf die Bahnüberführungen, fanden Erker und Risalite keine Anwendung. Ersatzweise wurde immer wieder das Motiv der Fenstertüren mit einer Brüstung aus Stein oder Stahlgitter verwendet.

Über dem als Basis konzipierten Erdgeschoß sind sämtliche übrigen Geschosse als einheitlicher Bauteil zusammengefasst.

Die Zusammenfassung erfolgt

  • unterhalb mit dem
  • Stockwerkgesims über dem Erdgeschoß
  • Sohlbankgesims des ersten Obergeschosses mit  dazwischen liegenden Brüstungselementen
  • oberhalb mit dem
  • Dachgesims.

Die seitlichen Achsen werden am ersten bis dritten Obergeschoß in klassizistischer Manier von Mauervorlagen risalit-artig hervorgehoben. Durch Heranführen der Stockwerkflächen bis an die Fensterbankgesimse der nächst höheren Geschosse erscheint das Gebäude höher.

Die Schmuckformen der Fensterumrahmungen stehen in Kontrast zu den im wesentlichen glatten Wandflächen. Die Fenster des ersten Obergeschosses werden mit besonders großem Aufwand von Balustraden, Säulen, Architrav und Dreieckgiebel gerahmt, die sowohl in der rechten als auch in der linken Achse plastische Portrait-Darstellungen umschließen. In den beiden mittleren Achsen liegen die Architrav-Balken auf Konsolen auf. Den Raum zwischen ihnen und der barock geschwungenen Überdachung füllt Portrait-Köpfe umschließendes Rankenwerk aus.

Im Inneren

Eingangssituationen

Dem sich bereits äußerlich architektonisch von seiner Umgebung abhebenden Gebäude entspricht eine ungewöhnliche Eingangssituation. Dem Hauseingang schließt sich eine zimmerartige Diele an, die ein rechteck-förmiger Mauerausschnitt mit dem Treppenhaus verbindet.

Dem Holzfußboden entspricht der Wandsockel in Holz aus Fußleiste, Vertäfelung und abschließendem Gesims, bemalt mit roter Marmor-Äderung, der an beiden Seiten in das Treppenhaus hinein weiterführt. Die kassettierte Laibung des rechteck-förmigen Mauerausschnitts trägt handgemalte Rosenbouquets.

Einen zweiten Zugang zum Treppenhaus ermöglicht eine zweiflügelige Türe innerhalb der Tor-Passage mit einem Oberlicht und Verglasung der obersten der drei Türblattfüllungen. Der Terrazzoboden des Treppenhauses trägt vor dem Treppenaufgang ein quadratisches Feld, das einen Stern aus schwarzen und weißen Rauten umgibt.

Treppenhaus

Die zweiläufige Treppe, deren Geländer und Handlauf aus Holz besteht, der mit einer Holzleiste abschließende Wandsockel aus einer Ledertapete an den Treppenläufen, geprägt mit schmalen Streifen und versetztem Kleinmuster.

Wohnungstüren

Die einflügeligen Wohnungstüren zwischen zwei schmalen, feststehenden Seitenteilen im Wandanschluß überdacht ein profilierter Kämpfer unterhalb eines hohen Oberlichts mit vertikaler Sprossenteilung. Türe und Seitenteile sind in den beiden oberen Dritteln ornamentverglast.

Referenz: 6253


Das Denkmal hat die Nummer 2027 und ist seit dem 16. Januar 1984 geschützt.

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