Wohnhaus

Rathenauplatz 11, 50674 Köln - Neustadt-Süd
Errichtet: um 1905/1906


Eckhaus zur Lochnerstr.

Architekt: Toni Müller

  • vier Vollgeschosse, ausgebautes Dachgeschoss, Souterrain
  • zwei Achsen zum Rathenauplatz, fünf Achsen zur Lochnerstraße, turmartiger Eckerker
  • Stuckfassade
  • Stil: Jugendstil

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Zwischen der inneren und äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910, ringförmig um die Altstadt, die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici (1842-1927) und des Stadtbaumeisters Hermann Josef Stübben (1845-1936) als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden.

So entstand im Westen vor der Altstadt, zwischen den Ausfallstraßen der Zülpicher Str. und der Lindenstr. (Neustadt-Süd), die Achse der Roonstr. (Neustadt-Süd) mit dem Wohnviertel um den sie einhüftig erweiternden Rathenauplatz. Der mit 100 x 500 m bemessene, rechteckförmige Platz (ehemalige Königsplatz) wurde als zentrale, städtische Parkanlage, der auch die Aufgabe zukam, die Aufstellung der Wagen des Karnevalszugs zu übernehmen, in die Planung aufgenommen.

Die Roonstr. (Neustadt-Süd), deren Verlauf im Nordwesten durch den Turm der altkatholischen Kirche und im Südosten durch den Turm der Herz-Jesu-Kirche gefaßt ist, findet durch leichten Anstieg des Straßenniveaus in Richtung Barbarossaplatz und den, gegenüber der altkatholischen Kirche, höheren Turm der HerzJesu-Kirche die Nähe der Ringe an.

Das Rechteck des Platzes besteht aus einer Grünanlage, die an ihren Längsseiten von zweireihigen Baumalleen, an den Schmalseiten von waldartigem Bestand alter Bäume gerahmt ist. Die umgebenden Straßenräume werden durch die viereinhalb-geschossige Randbebauung und den Baumbestand der Grünfläche gebildet. Der Rathenauplatz zeigt sich bei Belaubung seines historischen Baumbestands mit einem freiräumigen Platzinneren, das vom Baumbestand eingefaßt und von den Straßenräumen zwischen Baumbestand und Platzrand-Bebauung umgeben ist. Im Winter dagegen ist das Rechteck des Platzes übersichtlich und bildet zur Roonstraße hin einen einseitig offenen Raum gegenüber der überragenden Baumasse der Synagoge, einem symmetrischen Zentralbau mit zwei Seitenflügeln.

In der Roonstraße wird an den Enden des Platzes auf der gegenüber liegenden Straßenseite der Baumbestand durch eine Baumreihe (heute lückenhaft) aufgegriffen und bis zur Baumgruppe vor dem Turm der altkatholischen Kirche und andererseits bis zu dem Baumbestand um die Herz-Jesu-Kirche weitergeführt. Die zweireihige Baumallee auf dem Mittelstreifen der an der Nordostseite einmündenden Beethovenstr. (Neustadt-Süd) stellt die Verbindung her zu einem ebenfalls von Bäumen bestandenen Platz zwischen Beethovenstr. (Neustadt-Süd) und Mozartstr. (Neustadt-Süd), an deren Einmündung in den Hohenstaufenring. In den an der Südwestseite vom Rathenauplatz ausgehenden Straßen Lochnerstr. und Görresstr. wird das Grün des Platzes in Vorgärten weitergeführt, die sich mit den Vorgärten an der Dasselstr. zusammenhängend verbinden. Damit wird das Gestaltungsprinzip deutlich mit den repräsentativen, städtebaulichen Elementen der Baumreihen und Alleen zu der Hauptstraße der Neustadt, den Ringen, hinzuführen, während das intime Grün der Vorgärten dazu verwendet wird, eine intime, wohnliche Atmosphäre zu schaffen.

Beide Elemente treffen und vereinen sich im Rathenauplatz. Die von den beiden südwestlichen Platzecken ausgehenden Meister-Gerhard-Str. und Boisseréestr. finden ihren optischen Abschluß in den Brückenbauwerken der Bahnüberführungen der Zülpicher Str. und der Lindenstr. (Neustadt-Süd). Die Heinsbergstr. im Südosten, die durch Schwenken ihrer Straßenachse jeweils in ihrer Kreuzung mit der Zülpicher Straße und in Höhe der Zülpicher Straße ihren optischen Abschluß findet, hat, wie die Lochnerstraße und Görresstraße, als Wohnstraße die Aufgabe, die umgebende Bebauung in kleinere, übersichtliche Areale aufzuteilen, deren relativ geringe Grundstückstiefen eine Hinterhofbebauung nach Berliner Art vermeiden und trotz hoher Nutzung der Grundstücksfläche eine im allgemeinen offene rückwärtige Bebauung aufweisen.

Die Wirkung auf Rathenauplatz und Lochnerstraße wird von einer kraftvollen, selbstsicheren und die starke Persönlichkeit des Architekten ausstrahlenden Architektur getragen. Die Gestaltung seiner drei Seiten zum Rathenauplatz hin, die Eckabschrägung und zur Lochnerstraße hin, sind sowohl in ihrer Einzelwirkung als auch in ihrer Wirkung als ganzes auf den Raum des Rathenauplatzes meisterhaft gelöst.

Alle Bauteile gemeinsam verkörpern, der Eigenart des Jugendstils entsprechend, das Symbol des Wachstums. Die Vertikalen dominieren, die Baumassen, im unteren Bereich geschlossen und der Bodenhöhe entsprechend von höherem Gewicht, wirken mit zunehmender Höhe leichter und offener werdend.

Dem entspricht der glatte Erdsockel des Souterrain, auf dem eine rauhe, unregelmäßig breit gebänderte Rustika empor wächst. Diese beginnt sich am dritten Obergeschoß auf glatten Putzflächen aufzulösen beginnt und wird am vierten Obergeschoß an den hohen, glatten Putzflächen der Dacherker nur noch im unteren Teil der Fensterumrahmungen angewendet.

Entfaltung der Fensterformen der Achsen

  • vom einfachen, stehenden Rechteck am ersten Obergeschoß,
  • zum Halbkreisbogen-Fenster am zweiten Obergeschoss,
  • einer flächigen, den oberen Teil des Fensters von oben her umklammernden Überdachung am dritten Obergeschoß
  • schließlich eine Überhöhung der Halbkreisbogen der Fenster der Dacherkerzone um die gesamte Fensterhöhe mit entsprechend bogenförmigem, oberen Abschluß.

 

Diesem Prinzip widersetzt sich der turmartige, polygonale, mit abgerundeten Kanten versehene Eckerker, der in Gegenform zur abgeflachten Ecke des Souterrain und ersten Obergeschoß das zweite, dritte und vierte einnimmt, insofern als seine Rustika bis zu seinem zurückhaltenden Dachgesims erhalten bleibt, womit sein wehrhaftes Aussehen unterstrichen wird. Seine eigenwillige Form wird von schmalen Fensterbankgesimsen in die Baumasse eingebunden.

Der Risalit an der Lochnerstraße bewahrt seine Eigenständigkeit durch Wiederholen seiner rechteckigen Grundform in Höhe der Traufe und einen, in voller Breite des Risalits, die Dachzone weit überragenden, halbkreisförmigen Dachgiebel, dessen wellenförmiger Rand, die Silhouette der Dacherker aufnehmend, aufzulösen scheint.

Im Inneren

Der Hausflur erschließt das Treppenhaus auf der Geschoßebene des Souterrains, zugängig über eine Außentreppe, die in ein hohes Portal am Fuß des Risalits an der Lochnerstraße hinabführt.

Hinter zwei ornamentierten Stützbogen über Wandvorlagen, welche die Zugänge des Souterrain rahmen und Decke und Wände des Hausflurs in reich stuckierte Felderzonen, beginnt, in Kontrast zu dem gitterartigen, roten Fliesenbelag des Bodens eine L-läufige Terrazzotreppe mit schwerem Geländer aus gebogenen Stahlprofilen und einem Handlauf in Holz, ein abgerundetes Blattmotiv am Antritt. Die Unterseiten der Läufe tragen reichen, sich wiederholenden Schmuck, dessen Thematik vom Halbrelief eines Frauenkopfes ausgeht.Die Podestflächen, ohne Rahmung und aus demselben Terrazzomaterial wie die Stufen, schmücken kleine Mosaik-Quadrate.

Die hohen, zweiflügeligen Wohnungstüren entsprechen, wie auch die stählerne Haustüre, einem Quadratraster als Konstruktions-Prinzip. Dem oberen Teil entsprechend, mit etwa quadratischen Scheiben verglast, dem geschlossenen, tief liegenden, unteren Teil, ist jeweils ein Feld kleiner Quadrate aufgesetzt. Der Ausbau der Wohnungen ist zum Teil noch auf den unteren Etagen mit Parkettböden, Kassettendecken, Türen, deren Gewände und Fenster in vollem Umfang erhalten.

Referenz: 7305


Das Denkmal hat die Nummer 2012 und ist seit dem 13. Januar 1984 geschützt.

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