Wohn- und Geschäftshaus

Rathenauplatz 21, 50674 Köln - Neustadt-Süd
Errichtet: um 1895


Eckhaus zur Görresstr. 

  • vier Geschosse, ein Giebelgeschoss
  • drei Achsen zum Rathenauplatz, vier Achsen zur Görresstraße
  • Eckachse abgeschrägt mit Balkonen
  • Stuckfassade

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Zwischen der inneren und äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910, ringförmig um die Altstadt, die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici (1842-1927) und des Stadtbaumeisters Hermann Josef Stübben (1845-1936) als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden.

So entstand im Westen vor der Altstadt, zwischen den Ausfallstraßen der Zülpicher Str. und der Lindenstr. (Neustadt-Süd), die Achse der Roonstr. (Neustadt-Süd) mit dem Wohnviertel um den sie einhüftig erweiternden Rathenauplatz. Der mit 100 x 500 m bemessene, rechteckförmige Platz (ehemalige Königsplatz) wurde als zentrale, städtische Parkanlage, der auch die Aufgabe zukam, die Aufstellung der Wagen des Karnevalszugs zu übernehmen, in die Planung aufgenommen.

Die Roonstr. (Neustadt-Süd), deren Verlauf im Nordwesten durch den Turm der altkatholischen Kirche und im Südosten durch den Turm der Herz-Jesu-Kirche gefaßt ist, findet durch leichten Anstieg des Straßenniveaus in Richtung Barbarossaplatz und den, gegenüber der altkatholischen Kirche, höheren Turm der HerzJesu-Kirche die Nähe der Ringe an.

Das Rechteck des Platzes besteht aus einer Grünanlage, die an ihren Längsseiten von zweireihigen Baumalleen, an den Schmalseiten von waldartigem Bestand alter Bäume gerahmt ist. Die umgebenden Straßenräume werden durch die viereinhalb-geschossige Randbebauung und den Baumbestand der Grünfläche gebildet. Der Rathenauplatz zeigt sich bei Belaubung seines historischen Baumbestands mit einem freiräumigen Platzinneren, das vom Baumbestand eingefaßt und von den Straßenräumen zwischen Baumbestand und Platzrand-Bebauung umgeben ist. Im Winter dagegen ist das Rechteck des Platzes übersichtlich und bildet zur Roonstraße hin einen einseitig offenen Raum gegenüber der überragenden Baumasse der Synagoge, einem symmetrischen Zentralbau mit zwei Seitenflügeln.

In der Roonstraße wird an den Enden des Platzes auf der gegenüber liegenden Straßenseite der Baumbestand durch eine Baumreihe (heute lückenhaft) aufgegriffen und bis zur Baumgruppe vor dem Turm der altkatholischen Kirche und andererseits bis zu dem Baumbestand um die Herz-Jesu-Kirche weitergeführt. Die zweireihige Baumallee auf dem Mittelstreifen der an der Nordostseite einmündenden Beethovenstr. (Neustadt-Süd) stellt die Verbindung her zu einem ebenfalls von Bäumen bestandenen Platz zwischen Beethovenstr. (Neustadt-Süd) und Mozartstr. (Neustadt-Süd), an deren Einmündung in den Hohenstaufenring. In den an der Südwestseite vom Rathenauplatz ausgehenden Straßen Lochnerstr. und Görresstr. wird das Grün des Platzes in Vorgärten weitergeführt, die sich mit den Vorgärten an der Dasselstr. zusammenhängend verbinden. Damit wird das Gestaltungsprinzip deutlich mit den repräsentativen, städtebaulichen Elementen der Baumreihen und Alleen zu der Hauptstraße der Neustadt, den Ringen, hinzuführen, während das intime Grün der Vorgärten dazu verwendet wird, eine intime, wohnliche Atmosphäre zu schaffen.

Beide Elemente treffen und vereinen sich im Rathenauplatz. Die von den beiden südwestlichen Platzecken ausgehenden Meister-Gerhard-Str. und Boisseréestr. finden ihren optischen Abschluß in den Brückenbauwerken der Bahnüberführungen der Zülpicher Str. und der Lindenstr. (Neustadt-Süd). Die Heinsbergstr. im Südosten, die durch Schwenken ihrer Straßenachse jeweils in ihrer Kreuzung mit der Zülpicher Straße und in Höhe der Zülpicher Straße ihren optischen Abschluß findet, hat, wie die Lochnerstraße und Görresstraße, als Wohnstraße die Aufgabe, die umgebende Bebauung in kleinere, übersichtliche Areale aufzuteilen, deren relativ geringe Grundstückstiefen eine Hinterhofbebauung nach Berliner Art vermeiden und trotz hoher Nutzung der Grundstücksfläche eine im allgemeinen offene rückwärtige Bebauung aufweisen.

Das architektonische Konzept beabsichtigt, seine Hauptwirkung zum Rathenauplatz hin auszurichten. Die Seite Rathenauplatz trägt daher eine risalit-artige Mauervorlage, die, an die Eingangsachse herangerückt, die relativ schmale Platzseite des Hauses der rechten Nachbarbebauung anschließt und damit verlängert. Die Wirksamkeit dieser Maßnahme wird durch einen Dachgiebel unterstützt, der mit seitlichen Voluten die Breite der Risalite aufnimmt und mit einer Dreieck-Übergiebelung abschließt.

Die Wirkung der Eckabschrägung wird durch Rundbalkone am ersten bis dritten Obergeschoß, die an Größe von Etage zu Etage nach oben hin abnehmen, und durch einen Holm, mit halbkreisförmiger Überdachung abschließend, und der Breite der Abschrägung entsprechenden Dachgiebel erzielt, die mit der Vorderseite einer Konsole in Form des seitlich anschließenden, kräftig auskragenden Dachgesimses abschließt sowie mit schwarzer Randrahmung.

Die zweiläufige Treppe ist, mit dreieckförmigen Zwischenpodesten, im Richtungswechsel gewendelt. Holzgeländer und -handlauf beginnen mit einem gedrechselten und skulptierten Antrittspfosten.

Der längste Fassadenabschnitt mit vier Achsen an der Görresstraße ergänzt die Wirkung des Hauses, vom Rathenauplatz aus gesehen, durch seine, der perspektivischen Verbindung entgegenwirkende, Breite. Die scheinbare Vergrößerung der Höhe des Gebäudes wird erreicht durch optische Überhöhung der Geschosse bis zum Fensterbankgesims des darüberliegenden Geschosses und durch Bausegmente zur Abnahme der Massen der Fensterübergiebelungen. Über den nicht übergiebelten Achsen bestimmen Dachgauben über dem flach geneigten Dach die Silhouette der Dachlandschaft. Als ein die Last des Gebäudes zum Ausdruck bringendes Element liegen zwischen den mit horizontaler Quaderung rustizierten Pfeilern des Erdgeschosses und dem Fensterbankgesims des ersten Obergeschosses zwei Stuckbänder, die von drei Gesimsen abgegrenzt werden. Das untere dient zugleich der Gewerbebeschriftung, das obere, die Brüstungszone des ersten Obergeschosses, trägt Akzentuierungen der Fensterachsen.

Der Terrazzoboden des Hauptflurs vor den Wandvorlagen des halbkreis-förmigen Stützbogens besitzt ein zentrales Pflanzenmotiv, mehrfarbige Mosaikrahmung und schwarze Randrahmung. Die zweiläufige Treppe ist bei dreieckförmigem Zwischenpodest im Richtungswechsel gewendelt. Holzgeländer und -handlauf beginnen mit einem gedrechselten und skulptierten Antrittspfosten.

Referenz: 7308


Das Denkmal hat die Nummer 2003 und ist seit dem 12. Januar 1984 geschützt.

Denkmal <Wohn- und Geschäftshaus> bearbeiten
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