Wohnhaus

Görresstr. 3, 50674 Köln - Neustadt-Süd
Errichtet: um 1900


  • fünf Geschosse
  • drei Achsen
  • Stuckfassade

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Zwischen der inneren und äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici (1842-1927) und des Stadtbaumeisters Hermann Josef Stübben (1845-1936) als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden.

So entstand im Westen vor der Altstadt zwischen den Ausfallstraßen der Zülpicher Str. und der Lindenstr. (Neustadt-Süd) die Achse der Roonstr. (Neustadt-Süd) mit dem sie einhüftig erweiternden Rathenauplatz und dem sie umgebenden Wohnviertel. Die Beethovenstr. (Neustadt-Süd)Heinsbergstr., Meister-Gerhard-Str., Lochnerstr. und Boisseréestr. erschließen vom Rathenauplatz ausgehend das umgebende Stadtviertel nach allen Seiten.

Dabei greifen die Lochnerstr. und Görresstraße das Grün des Rathenauplatzes mit ihren Vorgärten auf und stellen die Verbindung mit den Vorgärten der Dasselstr. her.

In ihrer Aufgabe als Wohnstraße teilen beide Straßen die umgebenden Bauflächen, in bewußtem Gegensatz zu den damals bereits bekannten Nachteilen der Berliner Hinterhofbebauung geplant, in kleine, übersichtliche Baublöcke mit relativ geringen Grundstückstiefen auf. Die kurzen, übersichtlichen, durch die Vorgärten erweiterten Straßenräume und deren Fortführung in die gleichartige Dasselstraße stellen gehobene Wohnverhältnisse dar. Dieser Rahmen findet andererseits auf dem Rathenauplatz seinen optischen Abschluß in dem Laubwerk des historischen Baumbestandes und im Herbst und Winter in der durch seine vier- bis fünfgeschossigen Randbebauung gefaßten Platzanlage.

Die Gebäude der Lochnerstraße und Görresstraße sind, worauf bereits die Vorgärten hinweisen, auf größtmögliche Wohnlichkeit und an der Teilnahme der Innenräume am Außenraum der Straße eingerichtet, wobei insbesondere Erker und Risalite, deren Erscheinungsformen durch Konsolen, bekrönende Balkone und Dachgiebel erweitert werden, in den Straßenraum eingreifen.

Der schmale, scharfkantige Risalit in der linken Seitenachse mit abschließendem Balkon am fünften Obergeschoß bildet den übergang zu der ab dem linken Nachbarn vorgezogenen Bauflucht.

Die flächige Quaderrustika mit radialem Fugenverlauf über den Flachbogen der Fenster umschließt an den beiden rechten Fenstern des ersten Obergeschosses je eine Dämonenmaske als Schlußstein. Sie steht als tragender Sockel im Gegensatz zu

  • der flächig verputzten Wand der oberen Geschosse mit flächigen Fensterumrahmungen
  • den barocken Schmuckformen über den Fenstern des zweiten Obergeschosses
  • einem an der Grenze zum rechten Nachbarn am zweiten und dritten Obergeschoß senkrecht verlaufenden Putzband

Dieses Putzband setzt sich am vierten Obergeschoß als Fensterbankgesims mit anschließender Brüstungsabdeckung am Risalit horizontal fort.

Über dem die Fassade überdachenden Traufgesims nehmen drei Dachgauben mit auskragender Überdachung die Lage der Fensterachsen auf.

Im Inneren

Im Hausflur schließt die ebene, waagerechte Deckenfläche mit Hohlkehlen an einem breiten Wandfries an, der aus einer Reihe in unterschiedlichen Positionen schwimmenden Schwänen besteht.

Die zweifeldrige Wandfläche unterhalb reicht bis zu Scheuerleiste hinab.

Das graue Mittelfeld des Terrazzobodens umgibt ein weißer Mosaikstreifen mit einem breiteren, schwarzen Terrazzostreifen. Beide rollen sich an den Ecken zu beiden Seiten eines stilisierten Blattmotivs ein. Die bildet mit seiner Achse die Winkelhalbierende. Die Rahmung erweitert sich in einer grauen und zuletzt in einer breiten, roten Randrahmung.

Die Unterseite des scheitrechten Stützbogens geht, wie im Hausflur, in Hohlkehlen über, die sich in schmalen Wandvorlagen fortsetzen.

Der Fußboden des Treppenhauses trägt ohne Eckschmuck, die Podeste mit Eckschmuck in dasselbe Dekor wie der Hausflur.

Die gerade, zwei- und gegenläufige Terrazzotreppe begleitet ein Holzgeländer mit Holm.

Die zweiflügeligen Wohnungstüren schließen mit schmalen, feststehenden Seitenteilen am Mauerwerk an. Die pilasterförmigen Türpfosten und der Kämpfer mit hohem, steigend auskragenden Profil unter dem hohen Oberlicht bilden den aussteifenden Rahmen.

Die Wohnungstüre des zweiten Obergeschosses vergrößert die Podestfläche durch nach innen schräg gestellte Seitenteile.

Die Wohnungen enthalten ein- und zweiflügelige, originale Türen, Türlaibungen und -rahmen. Die Stuckdecken bestehen aus Hohlkehlen und ungewöhnlich geformten, zentralen Rosetten wie übereinanderliegende, gegeneinander verdrehte Sternformen oder als kreisrunde, flache Scheibe mit einem Rand aus Blättern und Blüten.

Referenz: 4149


Das Denkmal hat die Nummer 1980 und ist seit dem 9. Januar 1984 geschützt.

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