Allee

Gustav-Heinemann-Ufer, 50968 Köln - Bayenthal


errichtet 1898-1900

1952 Wiederaufbau und Neubepflanzung

Architekt: Hermann Josef Stübben (1845-1936)

Rheinuferbegrünung;

Entwurf: 1890/91 Hermann Josef Stübben,

Einweihung: 1900,

veränderter Wiederaufbau mit Neubepflanzung 1952.

Allee zwischen Südbrücke und Bayenthalgürtel,

im Abschnitt zwischen Südbrücke und Schönhauser Str. dreireihig, sonst zweireihig;

  • bepflanzt mit Linden im Alter zwischen 20 und 50 Jahren;
  • in Querrichtung teilweise versetzt, teilweise parallel gepflanzt;
  • Schnittstellen in ca. 6 m Höhe;
  • mittlerer Fuß- und Radweg,
  • teilweise erhaltenes schmiedeeisernes, späthistoristisches Geländer auf Basaltsockel;
  • Treppen mit schmiedeeisernen Handläufen,
  • Basaltpflasterung,
  • Asphaltierung.

 

Das o. g. Objekt ist ein Denkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes Nordrhein-Westfalen. Das für die Qualifizierung als Denkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist, als auch wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus folgendem:

Im Rahmen der Neuordnung des linksrheinischen Rheinufers nach Niederlegung der Stadtmauer wurde u.a. der gesamte Abschnitt inklusive der Leinpfades südlich des Bayenturms und Oberländer Tors durch das Stadtbauamt II (ab 1888 zuständig für Straßen und Wege, Häfen und Werften, Entwässerung, Kläranlagen, Fluchtlinien- und Bebauungspläne) unter der Leitung des Stadtbaurats Hermann Josef Stübben neu beplant.

Es entstanden

  • der Rheinauhafen (Planung ab 1881/85, Umsetzung 1892-98)
  • die Promenade an der Holzwerft und der Bayenstraße (fertig gestellt 1897).

 

Planungen des Stadtbauamtes II für die Rheinuferstraße sind ab 1890 nachzuweisen. Der Fluchtlinienplan mit Nivellement wurde 1892 festgestellt. Für den Bereich nördlich der Schönhauserstraße hat sich eine Planung Stübbens von 1891 erhalten. Der Plan sah oberhalb der Werftanlagen eine mit einem schmiedeeisernen Gitter begrenzte dreireihige, versetzt gepflanzte Allee als Rheinpromenade (9 m breit) und als Reitweg (6 m breit) vor, die stadtseitig anschließende Fahrstraße (11 m breit) wurde durch eine weitere Baumreihe vom Bürgersteig (5 m breit) und den Vorgärten (6 m breit) getrennt.

Eine gleichartige Planung ohne die Baumreihe zwischen Straße und Bürgersteig wurde ab 1896 im Bereich des Gustav-Heinemann-Ufers und ab 1898 im Bereich des Oberländer Ufers bis in Höhe der Marienburg umgesetzt, nachdem es 1893/94 zu umfangreichen Baggerarbeiten in der Stromrinne gekommen war. Das Ufer wurde aufgeschüttet und für die seinerzeit existierenden Sägemühlen und für die Industrieanlagen Bayenthals und Marienburgs Werften und Holzrutschen geschaffen.

Auf der Höhe der Bismarksäule und der Marienburg gab es zwei größere Treppenabgänge und Rampen, die zu Schiffsanlegestellen führten. Die Allee wurde an diesen beiden Stellen durchbrochen, um kleine Plätze zu schaffen. Weitere kleine Abgangstreppen verbinden die Promenade und die Werften. 1899 war der Rohbau am Oberländer Ufer vollendet, 1900 konnte die Straße dem Verkehr übergeben werden, Lindenpflanzungen sind bis 1901 nachweisbar.

Die heutige Promenade wurde in der Nachkriegszeit mit nur zwei Baumreihen wieder errichtet. Die kleinen Plätze an den Schiffsanlegestellen wurden beibehalten. Eine zweite wichtige Motivation für die Aufwertung des Rheinufers durch die Promenade war die seit den 1870er Jahren nach Plänen des Industriellen Ernst Leybold entstehende Villenkolonie in Marienburg. Der Rhein mit seinem landschaftlichen Reiz spielte für die Anlage eine wichtige Rolle.

Ihren Namen erhielt der Abschnitt des Rheinufers durch Beschluss der Stadtrates im August 1997 in Anlehnung an den 1976 verstorbenen Bundespräsidenten Gustav Heinemann.

Der Entwurf stammt vom Stadtbauamt II unter der Leitung von Hermann Josef Stübben (1845-1936). Stübben beschäftigte sich ausführlich mit bepflanzten Flächen in der Stadt, wie schon bei der Anlage der Kölner Neustadt deutlich geworden war. Die Bedeutung von Parkanlagen und Promenaden im stadtkünstlerischen Entwurf sah Stübben nicht nur in ihrem ästhetischen und praktischen Wert, sondern vor allem maß er ihnen einen sittlich-moralischen, erzieherischen und auch einen gesundheitlichen Effekt bei. Gerade die gelungene Verbindung von Promenade und wirtschaftlich notwendigem Verkehrsbauwerk (Straße und Werft) macht das Oberländer Ufer trotz der Vereinfachung der Nachkriegszeit zu einem wichtigen Zeugnis der Städtebaukunst des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Die Promenade mit Geländer und die Werftanlagen sind aus städtebaulichen, künstlerischen, gesellschaftsgeschichtlichen und wirtschaftshistorischen Gründen zu erhalten.

Referenz: 4339


Das Denkmal hat die Nummer 198 und ist seit dem 1. Juli 1980 geschützt.

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