Wohnhaus

Blumenthalstr. 97, 50668 Köln - Neustadt-Nord
Errichtet: 1906


Das Gebäude wurde um 1906 als Eckhaus zur Alvenslebenstraße mit vier Vollgeschossen, einem Giebelgeschoß, vier Achsen zur Alvenslebenstraße, fünf Achsen zur Blumenthalstraße, einer abgeschrägten Ecke mit Balkonen und Turmbekrönung, einem Erker, einem Risalit, einer Stuckfassade und einem Vorgarten mit Einfriedung errichtet.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Zwischen der inneren und der äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters Hermann-Joseph Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden.

Der platzartig erweiterte Straßenraum der 125 m langen Nordfassade des Oberlandesgerichts, deren Eckrisalite das zentrale Prunkportal des Nordeingangs einfassen, bildet den mittleren Teil der Blumenthalstraße. Die seitlichen, geradlinigen Straßenabschnitte verlaufen vom Riehler Platz und vom Neusser Platz ausgehend abgewinkelt, so daß die Nordfassade des Gerichtsgebäudes erst in ihrer Nähe überraschend und in überwältigender Größe sichtbar wird. Je eine Baumreihe an der dem Gericht gegenüber liegenden Straßenseite ordnen beide Straßenräume dem Gericht zu. Die Blumenthalstraße mündet im Osten in den Riehler Platz, im Westen in den Neusser Platz, vor dem Giebel des Querhauses der St. Agnes-Kirche, ein. Den Bezug zu den repräsentativen Platzanlagen und deren Baumbestand stellen die Verbreiterung des Straßenraums durch Vorgärten und die von den Plätzen ausgehenden Alleen her.

Der architektonische Ausdruck der Fassade entspricht den Wertigkeiten der städtebaulichen Vorgaben in der vergleichsweise untergeordneten Alvenslebenstraße mit einem flachen, dreiachsigen Erker am ersten, zweiten und dritten Obergeschoß mit bekrönendem Balkon und überhöhendem, geschwungenen und drei Aufbauten versehenen Dachgiebel. Die stärkste architektonische Aussage wendet sich mit der Eckausbildung, bestehend aus abgeflachter Ecke ab dem ersten Obergeschoß aufwärts, Eckbalkonen, einem polygonalen Eckturm und einem ungewöhnlich weit vorspringenden Risalit zur Blumenthalstraße hin, der sich oberhalb der Trauf-Linie als Dachgeschoß fortsetzt und entsprechend dem Dachgiebel in der Alvenslebenstraße mit geschwungenem Gesims und drei Aufbauten abschließt, dem Riehler Platz zu. Zugleich setzen die Architektur der Eckausbildung, der Risalit und die Vorgartenanlage mit ihrem Bezug auf die Baumallee der Straße einen Akzent zu Beginn der Blumenthalstraße. Das kräftig gebänderte und rustizierte Erdgeschoß über dem flächiger gehaltenen Erdsokkel schließt mit einem breiten Stockwerkgesims ab. Das erste und zweite Obergeschoß mit den Aufbauten über dem Risalit, der Hausecke und dem Erker verbinden flächige Stuckelemente als Pilaster, Fenster-, Wandfeldrahmungen und pflanzliche Schmuckformen. Das hohe Mansarddach bildet zusammen mit den Dachaufbauten eine formale Einheit mit stark betonter Plastizität. Die Architektur verwirklicht durch Einbeziehung des Außenraums, im Streben nach scheinbarer Schwerelosigkeit und nach dem Vorbild organischen Wachstums die Leitgedanken des Jugendstils.

Die breite Eingangszone mit Differenzstufen zum Erdgeschoß endet mit pilaster-artigen Mauervorlagen in rotem Marmor, die einen Korbbogen unterstützen. Das Deckenfeld des Raums, das die Form des Korbbogens wiederholt, teilen vier Jochbögen als Bandvorlagen auf, die an jeder Seite auf Wandfliesen aufliegen. Der Deckenstuck aus vertieft liegenden, mit quadratischen Nägeln besetzten Kassetten, und die Felder des Wandfrieses aus Blumengebinden und Bandelwerk sind von hoher künstlerischer Qualität. Boden und Stufen bestehen aus weißem Marmor, der sich in dem schräg anschließenden Korridor mit den Wohnungseingängen zum Erdgeschoß bis ins Treppenhaus fortsetzt, die Wände aus hellbraunen Marmorbändern, die vertieft liegenden Felder umschließend, ein Gestaltungsprinzip, das sich als Wandsockel an den Treppen des Treppenhauses wiederholt. Die grauen Terrazzostufen der geraden, zweiläufigen und gegenläufigen Treppe tragen ein Stahlgeländer aus Vierkantstahl mit aufgesetzten, schmiedeeisernen Blattformen und einen Handlauf aus Holz. Alle Untersichten tragen Stuck aus Innenfeldrahmung um ein abgesetztes Mittelfeld mit quadratischen Eckbetonungen und Mittelrosette. Die Geschoßebenen sind über eine zweiflügelige Wohnungstüre, deren Flügel im oberen Teil mit achteckigen Sprossenfenstern verglast sind, im unteren Teil flacher, stufig mit ornamentierten Rändern kassettiert, und über eine seitliche, einflügelige Wohnungstüre zugängig, beide mit halbkreisförmigem Oberlicht abschließend. In den Wohnungen sind teilweise Stuckdecken, Parkettböden und originale Türen erhalten.

Referenz: 2495


Das Denkmal hat die Nummer 1936 und ist seit dem 20. Dezember 1983 geschützt.

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