Amtsgericht

Burgmauer 33, 50667 Köln - Altstadt-Nord weitere ...
Errichtet: 1884 - 1893/ nach 1945 verändert


  • dreigeschossiger, freistehender, mehrflügeliger Bau, dessen abgestufter Grundriß in einen Halbkreis eingeschrieben ist
  • gesamte Anlage um einen Innenhof gruppiert
  • Fassade zur Burgmauer mit Seitenrisaliten und (aus der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg verändert wieder aufgebautem) Mittelrisalit
  • Südfassade durch zweistufig vorspringenden Mitteltrakt geprägt, der auf dem Grundriß eines gestelzten Halbkreises das Portal (fünfziger Jahre), die Eingangshalle und die Treppenanlage aufnimmt;
  • an der Ost- und Westfassade fünfseitig hervorstehende Treppentürme
  • Satteldach in der Ausführung der fünfziger Jahre
  • Hof- und Außenfassade in Backstein mit Maßwerkfenstern und Gliederungselementen aus Naturstein.

 

Aufzählung der denkmalwerten Einzelteile:

  • Grundriß des Gebäudes
  • Außenfassade
  • östliche/südliche/westliche Innenhoffassade
  • östliches und westliches Treppenhaus Appellhofplatz
  • Treppenhaus im Westflügel an der Burgmauer
  • Arrestzellen im Kellergeschoß Appellhofplatz
  • Stuckdecken der westlich gelegenen Säle im Erdgeschoß sowie im ersten und zweiten Obergeschoß des Mitteltrakts Appellhofplatz
  • im ersten Obergeschoß ansetzende Treppenhäuser mit rechteckigem Grundriß östlich und westlich der Eingangshalle Appellhofplatz
  • Eingangshalle Appellhofplatz in der Nachkriegsausführung.

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Das Justizgebäude entstand anstelle des preußischen, 1824 - 1826 in klassizistischem Stil erbauten, zweigeschossigen Gerichtsbaus in Anlehnung an dessen halbkreisförmigen Grundriß. Der Neubau von 1883 - 1893 wurde notwendig, als - bedingt durch die Reichsjustizgesetze von 1879 - der Raumbedarf erheblich angestiegen war. Das Gebäude ist somit von Bedeutung als bauliches Dokument der Entwicklung im Justizwesen im 19. Jahrhundert.

Außerdem ist das Bauwerk baugeschichtlich bedeutend als Beispiel eines qualitätvollen Neurenaissance-Baus. Dieser galt in der Zeit nach 1880 als der zeitgemäße deutsche Baustil und fand im Wohnungsbau sowie bei öffentlichen Gebäuden Anwendung. Die nach dem zweiten Weltkrieg im Vergleich zum Original sehr vereinfacht wieder aufgebaute Eingangshalle am Appellhofplatz ist in ihrer Schlichtheit und gestalterischen Beschränkung auf minimale Funktionserfüllung ein Zeugnis für die zurückhaltende Einstellung der Architektur nach dem zweiten Weltkrieg zur historischen Bausubstanz und daher bedeutend für die Baugeschichte.

Städtebauliche Bedeutung kommt dem Gebäude zu als prägende Bebauung des Appellhofplatzes, der das Bauwerk im Osten, Süden und Westen als schmaler Streifen umgibt und in etwa der Konzeption des klassizistischen Vorgängerbaus entspricht. Die Nordfassade des Gebäudes prägt den davor liegenden Freiraum, der sich über die Anlage des Römer-Brunnens bis zur Komödienstraße erstreckt.

Der Baukörper ist sehr abwechslungsreich gegliedert, die Fassade wirkt durch horizontale Gesimse, durch die stark unterteilten Fenster sowie durch den Kontrast von Backstein und Naturstein-Gliederungselementen. Der ursprüngliche, einem Gerichtsgebäude entsprechende, repräsentative Eindruck ist trotz der nachträglichen Vereinfachung der Fassaden und Eingangshalle sowie der Entfernung der Nordgiebel und Veränderungen der Dachzone nach dem zweiten Weltkrieg außen, aber auch innen, noch gut ablesbar. Aus künstlerischen Gründen ist der Bau somit erhaltenswert.

Als baugeschichtliches Dokument eignet sich der Justizbau zur Darstellung, Vermittlung und weiteren Erforschung von Baustilen öffentlicher Gebäude aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert sowie der wegen fehlenden zeitlichen Abstands noch kaum untersuchten Architektur-Auffassung der Nachkriegsjahre. Die Erhaltung liegt somit auch in wissenschaftlichem Interesse.

Aus städtebaulicher Sicht ist die Erhaltung geboten, da der Bau die für den Kölner Stadtgrundriß charakteristische, stadträumliche Lösung des halbkreisförmigen Appellhofplatzes bewahrt, der trotz des ungünstig gestalteten WDR-Gebäudes noch deutlich erkennbar ist. Außerdem ist er ein Zeugnis der ehemals geplanten, großzügigen Achse der Kaiserstraße, die vom Dom ausgehend - von repräsentativen öffentlichen Gebäuden gesäumt werden sollte.

Referenz: 1936


Das Denkmal hat die Nummer 1932 und ist seit dem 22. Dezember 1983 geschützt.

Denkmal <Amtsgericht> bearbeiten
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