Wohnhaus

Christian-Schult-Str. 9, 50823 Köln - Ehrenfeld
Errichtet: 1894


  • drei Geschosse
  • drei Achsen
  • Stuckfassade
  • Stil: Historismus; neo klassizistisch

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Das Haus ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in Köln-Ehrenfeld, da es die Erstbebauung dieses Stadtteils dokumentiert. Ehrenfeld entstand 1845 durch eine spekulative Initiative von Köln aus als erster linksrheinischer Vorort (unter Mitwirkung von Stadtbaumeister Weyer), da innerhalb der Mauerumwallung Kölns die Bauplätze knapp wurden. Durch industrielle Ansiedlungen gewann der Ort schnell an Bedeutung und besaß kurzzeitig, bis zur Eingliederung nach Köln Ende des 19. Jahrhunderts, die Stadtrechte. Das Haus ist ein geschichtliches Dokument städtischer Erstbebauung nach der Eingemeindung Ehrenfelds. Die Christian-Schult-Straße liegt im südlichen Teil Ehrenfelds, nahe zur Neustadt.

Das Wohnhaus ist ein spätes Beispiel einer klassizistisch-historisierenden Stuckfassade.

Im Erdgeschoß fehlt hier der übliche glatte Sockel, statt dessen sind die Kellerfenster in die horizontal gebänderte Stuckierung (durch Schlußstein-Ornamentik) einbezogen. Die Akzentuierung der Kämpferzone sowie der von Stichbogen überwölbten Fenster und Haustüre mit Schlußstein-Stuck ist ganz dem Historismus verhaftet.

Auch das erste Obergeschoß reproduziert mit

  • durchlaufenden Decken- und Fenstergesimsen, die eine kassettierte Brüstung eingrenzen
  • gewölbten Übergiebelungen mit eingefügter Feston-Ornamentik
  • horizontal gefugten Fensterpfeilern

den Formenkanon spätklassizistischer Architektur.

 

Das zweite Obergeschoß bildet die Fenstergewände zu Pfeilervorlagen aus, über die das Kranzgesims als Architrav gelegt ist. Medaillons mit Putten über den Fensterachsen bilden einen reizvollen Abschluß unter dem stark vorgezogenen Dachgesims. Das Dachgeschoß wurde offensichtlich später ausgebaut (stilistisch ähnliche Holzfenster).

Im Inneren

Durch eine sehr schöne, originale Eingangstüre gelangt man in den Eingangsflur, der mit Mosaikfliesen ausgelegt ist. Eine Holztreppe mit Holzgeländer führt in die Wohnungen, die die originalen Zimmertüren und zum Teil (Erdgeschoß und zweites Obergeschoß) die originalen Wohnungstüren aufweisen.

Die rückwärtige Fassade ist in Backstein original erhalten, ein kleines Höfchen sorgt für Belichtung. Die Fenster in der Fassade sind als Holzfenster stilistisch ähnlich, die der Rückfront in moderner Form erneuert worden.

Städtebaulich ist das Gebiet Christian-Schult-Straße / Subbelrather Str., zwischen Gutenbergstr.und Everhardstr. ein relativ einheitlich erhaltener Ensemble-Bereich mit zahlreichen, denkmalgeschützten Wohnhäusern aus der Zeit der Erstbebauung. Das Gebäude ist deshalb als Teil dieses Ensembles für den Gesamtcharakter des Straßenraums unverzichtbar. Es ist darüber hinaus ein erhaltenswertes Dokument ausgewogener, gründerzeitlicher Bauweise, dessen Qualität und Differenzierung die Fassade deutlich manifestiert.

Referenz: 2862


Das Denkmal hat die Nummer 1854 und ist seit dem 23. November 1983 geschützt.

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