Wohnhaus

Weißenburgstr. 12, 50670 Köln - Neustadt-Nord

 

Die Stuckelemente sind auf einem glatten, vom Straßenniveau bis zum Dachgesims reichenden Putz mit feinem Fugenschnitt aufgebracht. Abweichend von der einheitlichen Achsenstellung und geschlossenen Wirkung des zweiten bis vierten Obergeschosses bilden die beiden Stichbogenfenster (Geschoßfenster mit der größten Breite) des ersten Obergeschosses, das mit Profilstahl vergitterte Souterrain-Fenster (größte Fensterbreite der Vorderansicht), die Toreinfahrt mit zweiflügeligem Tor, dessen Verglasung der oberen Flügelhälften aus einer Kombination von Profilstahl und Schmiedeeisen vergittert sind, und der Hauseingang mit vorspringendem Gewände, einer horizontalen Überdachung und einem unmittelbar anschließenden Oberlichtfenster (annähernd quadratisch), dessen Türblatt im oberen Teil sprossenverglast unter einem feststehenden Oberlicht ausgestattet ist, eine selbständige Komposition an der Basis des Gebäudes. Die ausgeprägte Vertikalität der hohen Fenster aller Achsen am ersten bis dritten Obergeschoß (in der ersten und zweiten Achse von links Rechteckfenster mit flachen Stichbogen) wird durch die zusammenfassende Rahmung der Fenster in der dritten Achse von links am zweiten bis vierten Obergeschoß (kräftiger, flächiger Putzvorsprung, konsolenartiger Unterbau) unterstrichen. Die der Vertikalität entgegengesetzten Horizontalen des Stockwerkgesimses (zweites bis drittes Obergeschoß und drittes bis viertes) zusammen mit dem Sohlbankgesims am vierten Obergeschoß und das schräg nach oben ansteigende, dreiteilige, stark ausgeprägte Dachgesims stellen das Gleichgewicht dieser beiden Richtungen her und steigern zugleich die Höhenwirkung des Gebäudes.

Von einer unmittelbar hinter der Haustüre gelegenen, etwa quadratischen Podestfläche aus führt eine geradläufige Treppe (Stufen und Scheuerleiste aus grauweißem Marmor, an den Wänden zwei Holzhandläufe auf schmiedeeisernen Konsolen) zu dem eigentlichen, mittig an der Rückseite des Vorderhauses gelegenen, zweiläufigen, ganz in Holz gefertigten Treppenhaus mit markantem Antrittspfosten (im ersten Obergeschoß) und Treppenpfosten an dem trapezförmigen Zwischenpodest zwischen Erdgeschoß und erstem Obergeschoß. Die Grundfläche besteht aus weißschwarzem Terrazzo mit schwarzer Randrahmung. Im zweiten Obergeschoß befindet sich die einzige, originale Wohnungsabschlußtüre (zweiflügelig, seitliche, schmale, feststehende Teile, Oberlicht).

Das Vorderhaus und das weitläufige Hinterhaus werden zusammenhängend durch einzelne Wohneinheiten genutzt. Mit Ausnahme des vierten Obergeschosses sind Fenster, Türen (zum Teil mit geschwungener Sprossenverglasung im oberen Teil) und Fußböden (Dielen, im ersten Obergeschoß zum Teil Parkett) original erhalten. Die Rückseite und Einfassung des abgetieften Hofs bestehen aus Ziegel-Sichtmauerwerk.

Die Weißenburgstraße ist wesentlicher Bestandteil der seit 1881 realisierten Stadtplanung von Hermann-Joseph Stübben (1845-1936). Als Teil des westlich gelegenen Straßenraums (zweispurig, Mittelstreifen mit Platanenallee) gaben die wenigen, erhaltenen Gebäude dem Wiederaufbau das Vorbild zur Neuerstellung der ursprünglichen, städtebaulichen Situation, so daß die Verbindung Gerichtsviertel (östlicher Teil der Weißenburgstraße) und Dreikönigenviertel wieder hergestellt wurde. Die Bebauung und der Baumbestand des nahe gelegenen Prälat-Otto-Müller-Platzes schließen den Straßenraum im Westen, die entfernt stehende, versetzte Baumreihe am Oberlandesgericht vor dem Reichenspergerplatz im Osten. Die Kontinuität der geradlinigen Straßenführung wird etwa auf der Mitte durch den Raum des Neusser Platzes vor der Agneskirche mit der rechtwinkeligen Kreuzung der Neusser Str., welche die direkte Verbindung zur Innenstadt herstellt, bereichert.

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen.

Referenz: 9318


Das Denkmal hat die Nummer 1734 und ist seit dem 10. November 1983 geschützt.

Denkmal <Wohnhaus> bearbeiten
Zum Denkmalkatalog Kommentar zum Denkmal abgeben