Wohnhaus

Riehler Str. 51, 50668 Köln - Neustadt-Nord
Errichtet: zwischen 1900 und 1906


  • vier Geschosse, Souterrain, Giebelgeschoss
  • drei Achsen
  • Stuckfassade
  • Stil: Jugendstil


Fassade

Die Architektur folgt der Leitidee des Jugendstil entsprechend der Entfaltung pflanzlichen Wachstums, welche die oberen, grazil gehaltenen und miteinander vertikal verbundenen Geschosse aus dem derben, erdnahen Sockel herauswachsen läßt. Ein weiteres, wesentliches Charakteristikum ist die Hinwendung zum Licht mit zahlreichen, großen, vertikalen Reihungen von Fenstern, die in den oberen Geschossen an Höhe zunehmen.

So wächst bereits hinter dem abschließenden Gesims der zusätzlich rauh gehaltenen Rustika des Souterrain die Rustika des ersten Obergeschosses bis zum Fensterbankgesims des zweiten Obergeschosses hervor. In fließendem Übergang seine rechteckige Grundrissform abschließend, erweitert das zweite Obergeschoss die Rustika an dem zweiachsigen Mittelrisalit. Die Last tragende Funktion verdeutlichen die Stichbogen der Fenster und der radiale Fugenschnitt auf den Sturzflächen.

Das auf dem Souterrain angehobene erste Obergeschoß erlaubt den Blick auf die Straße über die Vegetation des Vorgartens hinaus. Über dem beschriebenen, geschlossenen und kantig gehaltenen "Fundament" erheben sich die übrigen Geschosse transparent und formal bewegt.

Der mit der Balustrade des abschließenden Balkons bekrönte Risalit nimmt die Grundrißform eines Elipsenabschnitts ein.

Das den Risalit einbindende Konsolengesims der Traufzone ruht auf Pilastern, deren hohe Basen auf dem Fundament der Rustika aufgestellt sind.

Die Kapitelle und deren Behang aus pflanzlichen Gebilden erweitern die Aussage des Traufgesimses.

Zwischen den Pilastern nehmen die vertikalen Reihungen der Fenster zwischen den mit pflanzlichem Stuckwerk ornamentierten, niedrigen Brüstungen große Leichtigkeit an.

Die beiden linken Drittel des Hauses - Eingangsachse und Risalit - überspannt ein Dachgiebel mit der Form der liegenden Elipse.

Das Stuckmotiv aus von Bändern und pflanzlichem Rankenwerk umgebenen, eliptischen Rahmungen von Reliefbildern auf seinem Stirnfeld wiederholt sich im Hausflur-Aufgang zum Treppenhaus.

 

Inneres

Der Hausflur besteht aus einer breiten Marmortreppe zum ersten Obergeschoß, einer schmalen Marmortreppe, die zum Souterrain hinab führt und einem unteren und oberen Podest, das am Treppenhausboden anschließt. Alle Beläge bestehen aus weißgrauem Marmor.

Die Geländerbrüstungen des Treppenaufgangs und des oberen Podests bilden eine Holzverbindung aus Pfosten und Riegel,

  • die unteren Felder dreifelderig horizontal kassettiert
  • die oberen mit kantigem, geschnitztem Gitterwerk geschlossen
  • einer als Handlauf geformten Marmorabdeckung an der Treppe
  • einem Antrittspfosten als achteckigem Turm mit
  • achteckigem Helm
  • abschließendem Knauf

Die Wände tragen bis zur Höhe der obersten Treppenstufe eine Vertäfelung aus graurotem Marmor.

Die ohne Gesims in das Korbbogenprofil der Decke übergehenden Wand-Decken-Flächen zwischen Hauseingang und Stützbogen werden von senkrecht verlaufenden Stuckbändern, die an den Wandflächen als Pilaster mit ionisch geschwungenen Kapitellen ausgebildet sind, in drei Joche aufgeteilt.

Zwischen den Kapitellen liegen auf vertieften Putzfeldern mit nach außen schwingenden Rädern mittig, in Rahmung

  • floral gefaßte, stehende Ellipsen
  • Reliefdarstellungen von
  • Frauenköpfen
  • Blumensträußen.

Die Scheitel der Joche zieren Rosetten als Zentren im Strahlenkranz rautenförmiger Manschetten.

Das quadratische Grundpodest des Treppenhauses im ersten Obergeschoss wird umgeben von

  • der beschriebenen Situation des Hausflurs
  • der Wohnungstüre des ersten Obergeschosses rechts
  • ihr gegenüber einem großen Wandspiegel, der mit Rahmung und Überdachung in den Wandstuck einbezogen ist
  • an der vierten Seite von dem äußerst lichten und geräumigen Treppenaufgang, dem ein schmaler, mit einer schmiedeeisernen Gittertüre gesicherter Abgang zu Hof und Keller parallel verläuft.

 

Das Gestaltungsmotiv der zweiflügeligen Wohnungstüre sind zwei gekuppelte Fenster. Die zweiläufigen Treppen aus dunkelgrauen Trittstufen in Terrazzo, Setzstufen aus grauweißem Marmor, tragen ein Geländer aus ornamental geformtem Profilstahl und einen Handlauf aus Holz.

Die Böden, aus demselben Terrazzo-Material wie die Treppenstufen, tragen breite, schwarzweiße Mosaikrahmung, ihre Unterseiten und die der Treppenläufe Stuck mit Reihungen aus eingelassenen Rosettenfeldern.

Die Ausbauten der Etagen bestehen aus prachtvollen Stuckdecken mit den Motiven aneinander gereihter Bogen vertiefter, kleiner Rosetten und Girlanden.

Aus wertvollem Holzwerk sind

  • Türen
  • Gewände
  • Parkettböden
  • Fenster.

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Zwischen der inneren und der äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung Kölns nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici  und des Kölner Stadtbaumeisters Hermann Josef Stübben (1845-1936) als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge miteinander verbunden.

Im Süden zwischen SSachsenring und Volksgarten und im Norden zwischen Riehler Str. und Rhein war nach dieser Planung Einzelbebauung vorgeschrieben, was zu Vierteln mit phantasievoll gestalteten Villen in parkartiger Umgebung führte. Die einseitige, geschlossene Bebauung an der gegenüber liegenden Seite der Riehler Straße bildet eine gegen das Gerichtsviertel um die Weißenburgstr. abgrenzende Rahmung.

Die vorliegende Beschreibung zeigt die Bedeutung des Gebäudes im Sinn des Denkmalschutzgesetzes auf, insbesondere aufgrund seiner städtebaulichen Einbindung, seines künstlerischen und wissenschaftlichen Werts und hinsichtlich der Geschichte des Kölner Bürgers in Bezug zu seiner Stadt.

Referenz: 7464


Das Denkmal hat die Nummer 1693 und ist seit dem 20. Oktober 1983 geschützt.

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