Bürohaus (einschl. Hinterhaus u. Hofgebäude)

Hohenzollernring 53, 50672 Köln - Neustadt-Nord
Errichtet: 1884/85


    Architekt: C.H. Philipp

  • drei Geschosse
  • drei Achsen
  • Werksteinfassade(Granit, Sandstein)

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Das Gebäude wurde als zentraler Teil (Wohnhaus des Besitzers Cron) einer ehemals palastartigen Miethausgruppe errichtet.

Die Stadtplanung der Kölner Neustadt wurde aufgrund eines Wettbewerbs im Jahr 1880 dem Aachener Baumeister Hermann-Joseph Stübben(1845-1936) übertragen. Nachdem die Kölner Stadtverwaltung 1881 der preußischen Militärbehörde die mittelalterliche Stadtmauer und umgebenden Rayon abgekauft hatte, wurde im selben Jahr mit dem Bau der Neustadt und anstelle der äußeren Umwallung der Stadtmauer mit dem Bau der "Ringe" als "Kette festlicher Räume" begonnen. Als Bebauung wurden hochherrschaftliche Wohn- und Miethäuser erstellt. Von diesen Miethäusern höchsten, repräsentativen Anspruchs, auf deren Entwurf sich Architekt Carl August Philipp nach dem Vorbild des Palais Eduard von Oppenheim, Unter Sachsenhausen 37, im Stil der französischen Renaissance spezialisiert hatte, ist der zentrale Bau Hohenzollernring 53, Wohnhaus des Besitzers Cron der Miethausgruppe 51 - 55, erhalten geblieben.

Dieser einzigartige Bau übertrifft durch die Qualität seiner ungemein anspruchsvollen Architektur, des verwendeten Natursteins und durch äußerste Präzision in der Ausführung das ohnehin allgemein hochstehende Bauniveau seiner Entstehungszeit. Als Baumaterial wurde, mit Ausnahme des Erdsockels am Bürgersteig, der aus grauem Granit, und des Stockwerkgesimses über dem Kellergeschoß, das aus grünem Sandstein hergestellt ist, ein gelber, feinkörniger Sandstein gewählt.

Die Gliederung des Kellergeschosses und des Hochparterres wurde im wesentlichen horizontal und damit in seiner Ästhetik als tragender Unterbau für das spiegelbildliche und im wesentlichen vertikal geordnete erste und zweite Obergeschoß erstellt:

Die Rustika des Kellergeschosses und des Hochparterres besteht aus liegender, in der Gesamterscheinung bandförmiger, um die Halbkreisbögen der Fenster und der Wagendurchfahrt (Achse ganz rechts) aus radial gestellter Quaderung. Die somit als tragende Basis gekennzeichneten unteren Geschosse schließen über dem Hochparterre mit einem kräftig dimensionierten, scharfkantig geschnittenen Stockwerkgesims deutlich ab, dessen Wirkung in dem Fensterbankgesims am ersten Obergeschoß und dem durch die Loggia im Mittelfeld unterbrochenen Fensterbankgesims am zweiten Obergeschoß nachklingt.

Die Architektur des ersten und zweiten Obergeschosses wird beherrscht von der Aussage der Loggia im Mittelfeld des zweiten Obergeschosses: Der umlaufende Architrav, der die Wände der Loggia abschließt, wird in der Front zu beiden Seiten von einem Pilastersäulenpaar und an der Rückseite von zwei stelartigen Karyatiden getragen, welche die hintere Loggiawand in drei gleichgroße, stehende Rechteckfelder auflösen.

Die unterhalb, in der mittleren Achse des ersten Obergeschosses gelegene Loggia besteht, mit Ausnahme der beiden Karyatiden, aus den gleichen Architektur-Elementen, wirkt jedoch wegen der wesentlich geringeren Bauhöhe zurückliegend, untergeordnet, die dominierende Loggia darüber unterstreichend. Die Fenster in der ersten und dritten Achse, zu beiden Seiten der Loggien, bilden durch Betonung der Abmessungen an den unteren Fenstern und das Ineinanderfließen der seitlichen Randungen in ihren Umrissen pylon-artige Mauervorlagen, welche die Mittelachse flankieren und in ihrer Bedeutung hervorheben: Die Umrahmungen der Fenster am ersten Obergeschoß bestehen aus Balustraden-Brüstungen, auf den Endpfosten der Brüstungen erheben sich als seitliche Fenstergewände Halbsäulen mit Beschlagwerk oberhalb der Basen. Die als Architrave ausgebildeten Stürze sind mit stark auskragenden, flachen Archivolten überdacht, auf denen ohne Zwischenraum die Fensterumrahmungen des zweiten Obergeschosses aufgesetzt sind, die nach oben hin über seitlich die Fenster rahmende Halbsäulen und Architrave als Sturz in dreieckförmige, seitlich horizontal ansetzende Überdachungen münden. Dicht oberhalb der Überdachungen der Fenster des zweiten Obergeschosses leitet ein Zahnprofil unter einer Hohlkehle das stark auskragende, reich profilierte Kranzgesims ein.

Inneres

Die beiden Tore der Wagendurchfahrt - je ein Tor an der Vorder- und Rückseite des Gebäudes - bestehen aus mit Blechen und Schmiedeeisen beschlagenem Holz. Die halbkreisförmigen, feststehenden Oberlichter zur Beleuchtung der Durchfahrt sind in diagonalen Stahlsprossen verglast. Innerhalb der Wagendurchfahrt befindet sich eine Freitreppe, die zu einem Podest vor dem Hauseingang am Hochparterre führt. Die Freitreppe, deren untere vier Stufen gewendelt und zur Durchfahrt hin abgerundet sind, besteht aus weißem Marmor und einem Podest, dessen Fläche zudem mit einer schmalen Flächenrahmung aus schwarzem Marmor gefaßt ist. Der untere Teil des Antrittspfostens auf der zweiten Treppenstufe besteht aus einem Zylinder aus weißem Marmor, der obere Teil aus Schmiedeeisen in Konvexen, volutenförmig geschwungenen Elementen und kugeligem Abschluß. Das schmiedeeiserne Geländer mit Holzhandlauf führt zu einer bis zur Decke reichenden Ecksäule des Podests, das sich an der Podestvorderseite oberhalb der Wagendurchfahrt als Geländerbrüstung fortsetzt.

Wände und Decken der Wagendurchfahrt sind - bezogen auf den Grundriß des Gebäudes - in Rechteckfelder aus stuckierten Profilen aufgeteilt: Die ebenen, nur an ihren Längsseiten profilierten Unterzüge der Decken ruhen auf den Kapitellen der Wandpilaster, die mit kassettierter Basis und einer Schmuckplatte darüber die Wandflächen über einem horizontal gegliederten, kräftig rustizierten Sockel mit abschließendem Gesims aufteilen. Parallel zum Sockel befindet sich eine zweite, horizontale Gliederung durch ein Gesims in Höhe des Abschlusses der Pilasterbasen. Sämtliche Wandfelder sind durch Rahmung der inneren Feldflächen hervorgehoben. Zur Betonung der Umgebung des Treppenaufgangs sind im vorderen Teil der Wagendurchfahrt die Wandfelder noch einmal durch kleinere, den oben beschriebenen ähnliche Pilaster unterteilt.

Die saalartigen Zimmer des Gebäudes, in denen zum Teil Reste des ursprünglichen Stucks erhalten sind, werden auf den Etagen von zentralen, mit zu beiden Seiten symmetrisch angeordneten Stichfluren versehenen Hallen mit quadratischem Grundriß erschlossen, die mit ihren rückwärtigen, offenen Seiten als Podest an die zweiläufige Treppenanlage anschließen. Der Boden besteht aus weißem Marmor, der sich in die seitlichen Flure hinein fortsetzt. Decken und Wände sind durch Pilaster, Gesimse und Rippen in rechteckige Felder aufgeteilt, welche die Stockwerkhöhen und Geometrie der Architektur, wie in der Wagendurchfahrt, jedoch freingliedriger profiliert und mit figürlichem Schmuck, bereichern, dessen Abmessungen der strengen, geometrischen Aufteilung des Grundrisses entsprechen. Alle Darstellungen sind von höchster Präzision.

Der Eingangshalle im Erdgeschoß sind dicht vor den Seitenwänden zwei Säulen aus grünem Marmor eingestellt, wodurch der größere Teil der Halle den Räumen im Erdgeschoß und ein zweiter Bereich dem Treppenhaus zugeordnet ist. Entsprechend sind die Wandfelder durch Pilaster mit korinthischen Kapitellen und die Decke in zwei Felder aufgeteilt, die im Wechsel mit einer Rahmung aus stilisiertem Blatt- und Blütenornament umgeben sind. Das in Holz gearbeitete, zweiflügelige Eingangsportal ist größtenteils verglast und nur im Fußbereich mit einer Türfüllung in Holz geschlossen. Die zweiläufige Treppe aus schwarzem Marmor mit halbkreisförmigen Zwischenpodesten aus weißem Marmor und schwarzer Randrahmung trägt einen Antrittspfosten und ein Geländer aus reich gestaltetem Schmiedeeisen.

Das am ersten Zwischenpodest axial angeordnete Fenster mit scheidrechtem Sturz und ein hoch und dicht unter der Treppenhausdecke liegender Fensterkranz aus fünf Fenstern mit halbkreisförmigen Stürzen belichten das Treppenhaus und die angrenzenden Hallen an den Podesten. Die Bogenrahmungen des Fensterkranzes stützen sich an den schmalen Fensterpfeilern auf Löwenköpfe, die von stelenartigen Pilastern auf Konsolen, die sich im Bereich der Fensterbrüstungen befinden, getragen werden. Das Fensterband schließt oberhalb im Übergang zur flachen Decke mit einem kräftigen Gesims ab. Die in Geschosse gezonte Wandgliederung des Treppenhauses ist an den Wänden der Podesthallen weitergeführt und damit in die Architektur des Vorderhauses eingebunden. Die Türen und die Zugänge der seitlichen Stichflure liegen zwischen den Pilastern im Wechsel mit den Wandfeldern.

Rückseite

An der Rückseite des Gebäudes erhebt sich etwa mittig der Risalit des Treppenhauses in Form eines halben Achtecks, das dicht unter der Traufkante mit einem Fensterkranz abschließt. Die stuckierte Rustika am Kellergeschoß und Hochparterre endet mit einem kräftigen Stockwerkgesims. Das durch hohe Abmessung und weitere Auskragung gekennzeichnete Profil des Dachgesimses wird unterhalb durch eine schmale, tief zurückliegende Hohlkehle über dem Wulst eines Profils unterstrichen und somit trotz aller Schwere scheinbar von der Wand losgelöst.

Die Bedeutung des beschriebenen Gebäudes wird im Sinne des Denkmalschutzgesetzes und in Verbindung mit der Geschichte der Menschen der Stadt Köln begründet.

Referenz: 4786


Das Denkmal hat die Nummer 1640 und ist seit dem 29. September 1983 geschützt.

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