Wohn- und Geschäftshaus

Merowingerstr. 29, 50677 Köln - Neustadt-Süd
Errichtet: 1890-95


  • vier Vollgeschosse, ein ausgebautes Dachgeschoss
  • drei Achsen
  • Stuckfassade

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Die Merowingerstraße verbindet den Sternplatz Chlodwigplatz (in der Achse Severinstorburg / Bonner Str.) mit dem rechteckförmigen Martin-Luther-Platz, auf den sie diagonal einmündet. Jenseits des Chlodwigplatzes verlängert der Ubierring ihre Achse gradlinig über den Chlodwigplatz hinaus. Daher übernimmt dort in der Hauptsache der historische Baumbestand auf dem Chlodwigplatz und dem Ubierring die Aufgabe der optischen Schließung des Straßenraums. Am Martin-Luther-Platz wird der Straßenraum durch zwei Seitenansichten des Turms der Martin-Luther-Kirche und den ihn rahmenden, historischen Baumbestand auf dem Martin-Luther-Platz und dem Mittelstreifen der einmündenden Rolandstr. (Neustadt-Süd) und Volksgartenstr. optisch geschlossen. Die Kreuzung der Elsaßstr. und die Einmündungen der Vondelstr. und Maria-Hilf-Str. sind, wie bei der Neustadtplanung üblich, ohne Wirkung auf die Einheitlichkeit des im Querschnitt offenen, in etwa quadratischen Straßenraums.

Das Gebäude Merowingerstraße 29 ist als Reihenhaus und Teil des Straßenraums auf seiner Straßenseite teils von historischen Gebäuden umgeben, deren Fassadenschmuck entfernt wurde, teils von Neubauten, so daß es allein einen Eindruck vom ursprünglichen, architektonischen Reichtum vermittelt. Es besteht jedoch direkte Korrespondenz mit den im ursprünglichen Zustand erhaltenen Häusern Nr. 8 und 12 an der gegenüber liegenden Straßenseite. Die Merowingerstraße liegt im Bereich der vierten Stadterweiterung Kölns, die ab 1881 bis etwa 1910 nach den Plänen der Stadtbaumeister Karl Henrici (1842-1927) und Hermann Josef Stübben (1845-1936) im Bereich zwischen den inneren und äußeren Wallanlagen durchgeführt wurde.

Das erste, zweite und dritte Obergeschoß der Straßenansicht werden unterhalb durch das Stockwerkgesims über dem Erdgeschoß, das mit dem durchlaufenden Fensterbankgesims am ersten Obergeschoß zu einer Einheit zusammengefaßt ist, und oberhalb durch das stark betone Dachgesims als wesentlicher Bestandteil des Gebäudes gegenüber dem Dach und dem Erdgeschoß horizontal abgrenzt.

Diesem Prinzip ordnen sich die horizontal ausgerichtete Rustika am ersten Obergeschoß, das durchlaufende Fensterbankgesims am zweiten und dritten Obergeschoß und das vordere Dachteil des Mansardgeschosses unter. Die Vertikalität der Fensterachsen wird durch nach oben hin von Geschoß zu Geschoß abnehmende Fensterhöhen und, in der dritten Achse von links, mit einer risalitartigen Mauervorlage, gekuppelten Fenstern und einem entsprechenden Dachaufbau unterstrichen.

Der ästhetische Reiz liegt wesentlich begründet in der Durchdringung der horizontal und vertikal geführten Architekturelemente, dem scheinbar sich dem Betrachter entgegen neigenden Horizontalen der Dachzone und den sich scheinbar vom Betrachter weg neigenden Fensterachsen. Innerhalb dieser ästhetischen Gesamtordnung dominiert das erste Obergeschoß durch die genannte Rustika, profilierte Fensterrahmungen und dreieckförmige Überdachungen - in der dritten Achse von links als gebrochener Giebel - mit seitlichen, horizontalen Ansätzen.

Der Fußboden des Hausflurs und des Treppenhauses besteht aus Fliesen mit Sternmuster und Rahmung mit einem Mäander-Ornament. Die zweiläufige Treppe mit Geländer und Handlauf besteht aus Holz - Kehlen und Stützbogen an der Decke des Hausflurs sind Bestandteile des historischen Raumeindrucks.

Als Dokument seiner Zeit zeigt die Architektur des Gebäudes Ausdrucksformen der Renaissance, mit denen die Funktion des Hauses wirksam zum Ausdruck gebracht wurde. Im übrigen steht das Haus in der Tradition des Kölner Klassizismus und des rheinischen Dreifensterhauses. Es wird insbesondere auf die Bedeutung des Gebäudes in städtebaulicher, künstlerischer, wissenschaftlicher Hinsicht und für die Geschichte der Kölner im Sinne des Denkmalschutzgesetzes hingewiesen.

Referenz: 6383


Das Denkmal hat die Nummer 1635 und ist seit dem 28. September 1983 geschützt.

Denkmal <Wohn- und Geschäftshaus> bearbeiten
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