Verwaltungsgebäude/ Helioshaus

Venloer Str. 389, 50825 Köln - Ehrenfeld
Errichtet: um 1900


Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Das Helios-Haus ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in Köln-Ehrenfeld, da es die Erstbebauung dieses Stadtteils dokumentiert. Ehrenfeld entstand 1845 durch eine spekulative Initiative von Köln aus als erster linksrheinischer Vorort (unter Mitwirkung von Stadtbaumeister Weyer), da innerhalb der Mauerumwallung Kölns die Bauplätze knapp wurden. Durch industrielle Ansiedlung gewann der Ort schnell an Bedeutung und besaß kurzzeitig, bis zur Eingliederung nach Köln Ende des 19. Jahrhunderts, die Stadtrechte. Das Haus ist ein geschichtliches Dokument städtischer Erstbebauung nach der Eingemeindung Ehrenfelds und gleichzeitig ein wichtiges Dokument frühindustrieller Architektur in Köln.

Das Gebäude steht zusammen mit dem dahinter, an der Heliosstraße gelegenen Fabrikgebäude (ebenfalls unter Denkmalschutz). An die Fabrik anschließend steht ein ehemaliger Schornstein, der jetzt als Aussichtsturm gilt und ein frühes Industrie-Denkmal im Kölner Raum darstellt. Der Turm steht auf einem kräftigen Sockel, der die nahe gelegene, hochliegende Bahntrasse überragt.

Das Helios-Haus stellt eine für die damalige Zeit nicht ungewöhnliche Kombination von Wohn- und Gewerbebau dar, wobei auch hier die unteren beiden Geschosse für Gewerbezwecke, die oberen beiden vorzüglich als Wohnraum genutzt wurden. Die Monopolisierung der Nutzungen, wie sie von späteren Städtebauern gefordert wurde, ist hier noch nicht verwirklicht, und der Komplex stellt zusammen mit den im Hintergelände liegenden Fabrikhallen ein auch heute funktionierendes, solides, für Köln einzigartiges Baudenkmal dar, in dem erste Übergänge zum industriellen Bauen (Vorfertigung) abzulesen sind.

Zur Venloer Straße weist die viergeschossige Fassade sieben Achsen auf. Das Ziegelmauerwerk ist mit Werksteinbändern durchsetzt. Im Erdgeschoß, das als Ladenzone genutzt wird, bildet Werkstein einen durchlaufenden, breiten Architrav über den Schaufenstern. Der Hauseingang liegt in der Mittelachse. Eine Fensterübergiebelung des darüber liegenden Stichbogenfensters mit seitlichen Obelisken, Knaufverzierung und einer strahlenden Sonne im Giebelfeld (= Helios) betont nochmals die Mittelachse.

Die hohen Fenster des ersten Obergeschosses sitzen scheinbar in Nischen, die im Mauerwerk mit hohen, bis in die Brüstung des zweiten Obergeschosses reichenden Rundbögen überwölbt sind. Innerhalb dieser Bogensegmente ist das Ziegelmauerwerk in Ornamenten versetzt, die ein hervorragendes, für diese Fassade charakteristisches, handwerkliches Können zeigen.

Im ersten Obergeschoß erscheinen drei, im zweiten zwei Werksteinbänder in Gesims- und Kämpferhöhe und im dritten ein sehr stark ausgeprägtes Deckengesims und das plastisch unterbrochene Fensterbankgesims. Einen zusätzlichen Schmuck bilden die reich verzierten Maueranker im ersten Obergeschoß. Im zweiten Obergeschoß stehen über dem durchlaufenden Werksteingesims je Achse zwei gekuppelte Rundbogenfenster, deren Kämpfer und Zwischenstützen in Werkstein ausgearbeitet wurden. Aus Werkstein ist auch das darüber liegende, horizontale Band, über dem sich ein reich profiliertes Werksteingesims über die drei Hauptseiten des Gebäudes erstreckt. Auf dem darüber liegenden, verkröpften Fenstergesims sitzen gekuppelte, durch einen übergreifenden Bogen vereinigte Rundbogenfenster aus Werkstein auf. Darüber erhebt sich schließlich das mit fünf Dachgauben bestandene Walmdach.

Die Seitenfassaden wandeln die Dekorationselemente der Straßenansicht vereinfachend ab. Die nach Süden gewandte, ebenfalls offen liegende Hausfront besteht aus dem sechsachsigen Hauptgebäude, an das sich ein vierachsiger, zweigeschossiger Anbau anschließt. Das Hauptgebäude weist hier zwei seitliche Risalite auf, die durch je drei gekuppelte Fenster in den Obergeschossen betont werden. Die je vier Fenster der Zwischenachsen haben einen rundbogigen Abschluß, der in den oberen Geschossen mit Schlußsteinen akzentuiert wird. Das kräftige Gesims über dem zweiten Obergeschoß wird auch hier in Werkstein hochgezogen. Allein das Erdgeschoß erscheint hier durch schmale, vergitterte Fensteröffnungen als Sockelgeschoß, worauf sich im hinteren, zweigeschossigen Anbau eine Vierachsenfront mit darüber liegender Terrasse anfügt.

Zur Eisenbahntrasse erstreckt sich die Fassade über volle acht Achsen, wobei die Risalit-Architektur der Südfassade in der ersten Achse der Nordfassade wiederholt wird. Die in allen Geschossen rundbogigen, weit auseinander stehenden Fenster werden, wie auf der gegenüber liegenden Fassade, durch Werksteinstreifen verbunden und durch eingesetzte Werksteinornamente - als Schlußsteine oder Markierung der Gesimshöhe - akzentuiert.

Auf der Südseite - also der Hauptfassade zur Venloer Straße gegenüber liegenden Seite - ist die hier in der Mitte versetzte Fassade sehr einfach in Ziegelstein gehalten, wobei allerdings das breite Gesims über dem zweiten Obergeschoß kunstvoll in Ziegelstein fortgeführt wird. Jeder der beiden Fassadenflügel weist etwa zwei Fensterachsen auf. In den Fenstern des dritten Obergeschosses sind Werksteinornamente eingefügt. Ein eingeschossiger Vorbau verdeckt den unteren Teil des Hauses. Hier wurden sehr kunstvolle, schmiedeeiserne Gitter vor den Fenstern angetroffen. Spätere, eingeschossige Anbauten verdecken leider die ehemals eindrucksvolle Hofmauer zur Straße.

Im Inneren überrascht das Gebäude durch seine einfache Grundriß-Lösung. Nach dem Durchqueren der vorderen Ladenzone betritt man die große, durch alle Geschosse reichende Innenhalle, die von einer verglasten Dachkonstruktion auf gußeisernen, ornamentierten Trägern überspannt wird. Um diese Halle laufen zur Erschließung der Geschosse Balustraden, die vom Erdgeschoß her durch eine axial aufsteigende, in zwei Treppenläufen sich fortsetzende, eiserne Treppe erschlossen werden.

Die Treppe liegt auf gußeisernen, ornamentierten Gitterträgern, die wiederum von sechs schlanken, ornamentierten, gußeisernen Säulen getragen werden. Die schmiedeeisernen Geländer ergänzen das Filigranhafte dieses frühindustriellen Meisterwerks. Im ersten und dritten Obergeschoß sind die schmiedeeisernen Brüstungen vollständig erhalten geblieben. Die Wohnungen im zweiten und dritten Obergeschoß werden von einem vom ersten Obergeschoß ausgehenden Treppenhaus erschlossen. Die Tritt- und Setzstufen der Treppenanlage sind in Holz ausgeführt, wobei die Setzstufen noch größtenteils die originale Ornamentierung aufweisen.

Zu beachten ist auch das glasüberdeckte Hallendach, das auf reich ornamentierten Gitterträgern aus Eisen aufliegt. Es ist ein besonderes Glück, daß auch dieses Dach den Krieg so unversehrt überstanden hat.

Das Gebäude ist an der Venloer Straße ein Restbestand frühindustrieller Bebauung, was sich auch durch die Solidität und Qualität des Bauwerks begründen läßt. Es ist deshalb für den Charakter des Stadtteils dokumentarisch und unverzichtbar.

Referenz: 8909


Das Denkmal hat die Nummer 1629 und ist seit dem 27. September 1983 geschützt.

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