Grünanlage mit Fort IV und Straßenlaternen

Volksgarten, Köln - Neustadt-Süd
Errichtet: 1887-1889


Entwurf: Adolf Kowallek (1852-1902)

  • Ursprüngl. Größe: 15 ha.
  • Grünanlagentyp: Stadtgarten mit Wasserfläche, Überresten von Befesti-gungsanlagen
  • Fort IV, genutzt als Ruinenbestandteil und zur Geländemodellierung)
  • Restauration. Stilart: Historismus.


Orangerie

Zum Denkmal gehört auch die „Orangerie“, die auf einem ehemaligen Pulvermagazin (einer „Lünette“) errichtet wurde.

1. Geschichte, Baugeschichte

Das Gebäude der sogenannten „Orangerie“ liegt im Bereich der ehem. Lünette 3 in der nordöstlichen Ecke des Kölner Volksgartens und wird heute als Theater genutzt. Zusammen mit zwei wohl nach dem Zweiten Weltkrieg errichteten Glashäusern und einem Bautenkomplex des städtischen Bauhofs bildet es ein Ensemble, das mit den Resten des Festungswerks der Lünette 3 vom Volksgarten durch eine Mauer abgetrennt ist.

Das durch Kriegseinwirkung stark beschädigte und notdürftig gesicherte Gebäude diente in der Nachkriegszeit zur Überwinterung von Kübelpflanzen (Zitrusfrüchten) und wurde ab Sommer 1991 von der Kölner Theatergruppe „Healing Theatre“ als Proberaum genutzt, die es „Orangerie“ nannten. Nach Verlegung der Ziergärtnerei in andere Räumlichkeiten im Jahre 2000 wurde das Gebäude ganzjährig angemietet und seither als Theatergebäude genutzt, betrieben von dem Verein „Orangerie –Theater im Volksgarten e.V.“

Die Baugeschichte des Theatergebäudes lässt sich anhand der vorhandenen Unterlagen zur Errichtung der Lünette 3 und der Anlage des Volksgartens zumindest in Teilen rekonstruieren. Der von Zander 1944 (vgl. Cordes 2006) veröffentlichte Grundriss von Lünette 3 sowie die erhaltenen Reste ihres Befestigungswerkes – der mittlere Abschnitt des Erdwalls zum Volksgarten mit Kasematten und einer hofseitigen Backstein- und einer seitlichen Bruchsteinmauer – belegen eindeutig, dass die Lage des Theatergebäudes mit jener des ehemaligen Pulvermagazins übereinstimmt.

Der Aufriss des Theatergebäudes ist freilich der Umbauphase zum Wohnhaus des Gartendirektors (nach 1887) zu verdanken, so dass angenommen werden muss, dass in dieser Umbauphase das Gebäude des Pulvermagazins in den Villenbau einbezogen wurde und in den Fundamenten bzw. im Kellergeschoss noch erhalten ist. Dabei ist unerheblich, ob das Pulvermagazin bereits in der ersten Bauphase – ab 1816 mit Errichtung der ersten 5 Forts (mit den geraden Nummern) und abwechselnd eingeschobenen Lünetten mit ihren Friedenspulvermagazinen – oder erst in der zweiten Bauphase ab 1841 entstanden ist.

Für den Umbau des ehem. Pulvermagazins zum Wohnhaus des Gartendirektors liegen zwar keine Baupläne vor, doch belegen schriftliche Quellen diese Bauphase: So ist im Entwurf von Eduard Hoppe, (Berliner Landschaftsgärtner und zweiter Preisträger des Gestaltungswettbewerbs für den Volksgarten, 1887) vorgesehen, dass „die Wohnung für den Gartendirector …auf der in der Lünette liegenden Baulichkeit so hergestellt werden (soll), dass auf derselben ein Stockwerk aufgesetzt wird“. Dieser Vorschlag wird vom nachmalig ausführenden Gartenbaudirektor des Volksgartens, Adolf Kowallek übernommen, der hier „daran anschließend die Gärtnerei unterbringen (will), da hier auch ausreichend Platz für die Unterbringung von Geräten, Werkzeugen und Baumaterialien sei…“ (Kowallek, „Kostenanschlag und Bericht über die Herstellung des Volksgartens“ vom 8.10.1887, vgl. Cordes 2006).

Der Umbau des Pulvermagazins zum Wohnhaus hat wohl nach dem 19. April 1888 mit Genehmigung der Stadtverordnetenversammlung begonnen; über sein Aussehen sind wir erst durch eine Ansichtszeichnung der nordwestlichen Längsfront von 1896 informiert, worin in Rot eine geplante - und auch ausgeführte - Erweiterung des Erdgeschosses mittels zwei Achsen Richtung Volksgarten eingezeichnet ist. Demnach bestand das Gebäude aus insgesamt 8 Achsen, die ersten fünf (zur Volksgartenstraße) zweigeschossig über hohem Kellersockel, die übrigen eingeschossig, mit stadtseitig vorgelagertem Wintergarten. Auf den ersten vierachsigen Baukörper mit Eingang und Zugangstreppe mit Balustrade in der dritten Achse, mit traufständigem Satteldach, folgt ein beidseitig risalitartig vorspringender, ebenfalls zweigeschossiger Querkörper von einer breiteren Achse, mit giebelständigem Satteldach, im Anschluss daran eine eingeschossige Achse mit Flachdach und Terrassenbalustrade sowie der ebenfalls flache Anbau von zwei Achsen, mit dreiteiligem Rundbogenfenster.

Ein vergleichbares Bauaufmass ist in den Plänen zu einer weiteren baulichen Erweiterung – des Obergeschosses um eine Achse - von 1908 mit Revision (der Dachform) von 1909 enthalten. Diese Planung stammt von Kowalleks Nachfolger Fritz Encke(1861-1931), der von 1903 – 1926 mit seiner Familie in der Villa wohnte. Abweichend von der Zeichnung von 1896 ist im Bauaufmass anstelle des straßenseitigen Wintergartens lediglich das rechteckige (auch heute vorhandene) Eingangspodest eingezeichnet, dafür aber detaillierter Fassadenschmuck und eine andere Dach- bzw. Giebelgestaltung. Darüber hinaus ist in den Grundrisszeichnungen von 1908 auch die jeweilige Nutzung bzw. Funktion der einzelnen Räumlichkeiten im Erd- und Obergeschoss vermerkt.

Fritz Encke hatte bereits zu Beginn seiner Amtszeit am 1. April 1903 eine Erweiterung der Gärtnerei veranlasst, und zwar die „Umgestaltung eines offenen Schuppens zu einem geschlossenen Überwinterungsraum für Zierbäume“. Die Planzeichnungen gewähren erstmals einen Überblick über die baulichen Anlagen innerhalb der Lünette 3, wobei die Ausrichtung des Gebäudebestandes der ehem. Gärtnerei in etwa der heutigen entsprechen, wenn auch die damaligen Baulichkeiten mit jenen des heutigen Bauhofs nichts gemeinsam haben.

Letztere sind wie auch die Gewächshäuser auf der Westseite des Theatergebäudes erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden, ebenfalls die beiden an die Backsteinmauer der Lünette angebauten, heute als Theaterwerkstätten und Lager genutzten Holzschuppen.

2. Baubeschreibung:

Das Theatergebäude ist heute ein eingeschossiger, langgestreckter rechteckiger Baukörper mit hohem Kellergeschoss, dessen Fassadenabwicklung trotz einiger Eingriffe jener des Bauaufmasses von 1908 entspricht. Das Gebäude wurde vermutlich im Krieg stark beschädigt, ohne Obergeschoss wiederhergestellt und mit einem durchgehenden, traufständigen Satteldach versehen. An Veränderungen ist auf der Westseite das vollständige Fehlen des Fensters in der ersten Achse festzuhalten, eine Verbreiterung des Eingangs und Anbau einer Betonrampe (zwecks stufenloser Verbindung zwischen Hauptraum und Keller), die Zumauerung des mittleren Fensters am Anbau und die Zumauerung der Rundbögen der beiden Seitenfenster.

Die südliche zweiachsige Schmalseite entspricht den Bauzeichnungen. Für die Ostfassade fehlt eine Zeichnung, doch ist der Seiteneingang am Anbau baulich verändert und mit einer Zugangstreppe versehen worden, wohl in den 1950er Jahren. Aus dieser Zeit stammen auch die Umbauten im Innern des Anbaus, der heute das Theaterbüro beherbergt. Zeitgleich wird auch der heute als Theatersaal genutzte Bereich der ehem. Villa umgestaltet worden sein, wo der offene Dachstuhl mit beidseitig des Firstes entlang laufenden Belichtungsstreifen in der Dachhaut auf die bis zum Jahr 2000 erfolgte Nutzung als Raum zur Überwinterung der Zier- bzw. Zitruspflanzen hinweist. (Vermutlich waren durch Kriegseinwirkung die 1903 dokumentierten Baulichkeiten der Gärtnerei nicht mehr vorhanden und das damals ausgewiesene Gelände ist mit den Baulichkeiten des Städtischen Bauhofes bebaut worden.)

Seit 2000 wird neben den Räumlichkeiten des Hochparterres auch der Keller für Veranstaltungen des Vereins „Orangerie – Theater im Volksgarten e.V.“ genutzt. Anhand der Mauerstärken und der Gewölbeform kann bestimmt werden, welcher Teil des Kellers als Pulvermagazin errichtet worden ist und in welcher Zeitspanne: Die Grundmauern des Pulvermagazins werden von den nachmaligen Hochkellerwänden der Direktorenvilla gebildet, während die Überwölbung der Kellerräume mittels größtenteils längsorientierter preußischer Kappen (mit Ausnahme der drei nordwestlichen Räume, als WC, Abstellraum und Heizraum genutzt) auf die Entstehungszeit in der zweiten Bauphase ab 1841 hindeutet. Die zwar in der Mauerflucht nahtlos anschließenden Grund- und Hochkellermauern des Anbaus von 1986 zeigen eine wesentlich geringere Mauerstärke, und die dort befindlichen Kellerräume sind quergewölbt.

Eine Begutachtung der nordwestlich anschließenden Gewächshäuser und der Baulichkeiten des städtischen Bauhofs auf der südöstlichen Seite des Theatergebäudes, wohl in den 1950er Jahren entstanden hat keine Eigenschaften feststellen können, die einen Denkmalwert im Sinne des Denkmalschutzgesetzes NW rechtfertigen würden. Dies gilt gleichermaßen für die dem erhaltenen Befestigungswerk von Lünette 3 vorgelagerten Holzschuppen der gleichen Entstehungszeit.

3. Begründung der Denkmaleigenschaft:

3. 1 Bedeutung:

a) für die Geschichte des Menschen: Durch die Einbeziehung des ehem. Pulvermagazins ist das Theatergebäude mit seinem – in der Hauptsache – auf den Umbau von 1896 zurückgehenden Aufgehenden des Hochparterres und der heutigen, dem vereinfachten Wiederaufbau nach Kriegszerstörung zu verdankenden Dach- und Innenraumlösung ein Zeugnis für die Geschichte der Stadt Köln seit der preußischen Zeit mit ihren Befestigungsanlagen, über die Ende des 19. Jh. beginnende Stadterweiterung mit Anlage des Volksgartens und bis zur Wiederaufbauphase nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs;

b) für Städte und Siedlungen: aus oben genannten Gründen ein Zeugnis für die städtebauliche Entwicklung, die sozialgeschichtliche Entwicklung und nutzungsbedingt auch für die kulturgeschichtliche Entwicklung der Stadt Köln.

3.2 Erhaltung und Nutzung:

a) aus baugeschichtlichen Gründen: Im Zusammenhang mit den Resten der Befestigungsanlage von Lünette 3 ist der nordöstliche Teil des Hochkellers eindeutig als ehem. Pulvermagazin zu identifizieren und damit eines der seltenen erhaltenen Beispiele dieser Befestigungsanlagen der Preußenzeit; das erhaltene Aufgehende des Theatergebäudes wiederum ist – in Zusammenhang mit den erhaltenen Ansichtszeichungen und Bauaufmaßen – ein Zeugnis der gehobenen bürgerlichen Wohnvorstellungen vom Ende des 19., Anfang 20. Jh., die bis heute ablesbar sind. Die Einbeziehung von Fort 4 und Lünette 3 in die Gestaltung des Volksgartens wiederum ist ein Zeugnis für die gartenkünstlerischen Vorstellungen jener Zeit, die baulichen Reste der ehem. Befestigungs- bzw. Verteidigungsanlagen in die großzügige Stadterweiterung einzubeziehen und damit der städtischen Bevölkerung zugänglich zu machen.

b) aus ortsgeschichtlichen Gründen: das Theatergebäude ist als bewusst gestalteter Teil des Kölner Stadtgartens von ortsgeschichtlichem Interesse.

4. Schlussfolgerung:

Das Theatergebäude auf dem Gelände von Lünette 3 innerhalb des Kölner Volksgartens ist ein Baudenkmal im Sinne des § 2 DSchG NW. Es ist bedeutend für die Geschichte des Menschen, für Städte und Siedlungen. Seine Erhaltung und Nutzung ist aus baugeschichtlichen und ortsgeschichtlichen Gründen im öffentlichen Interesse.

Referenz: 9023


Das Denkmal hat die Nummer 159 und ist seit dem 1. Juli 1980 geschützt.

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