Wohnhaus

Balthasarstr. 46, 50670 Köln - Neustadt-Nord
Errichtet: um 1900


Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Das Haus ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in Köln, da es die Erstbebauung des nördlichen Gebiets des ehemaligen Rayongeländes und somit die Entstehungsgeschichte der menschen der Neustadt dokumentiert. Die Bebauung nach dem von Hermann Josef Stübben (1845-1936) 1881 erstellten Erweiterungsplan erfolgte in mehreren Phasen und ließ zwischen Eigelstein und den preußischen Befestigungsanlagen Straßen mit Miethäusern für Bewohner mit mittleren bis gehobenen Wohnansprüchen entstehen.

Eckhaus

  • vier Geschosse mit Giebel- bzw. Dachgeschoß
  • sechs Achsen an der Neusser Straße
  • drei Achsen zur Balthasarstraße
  • Fassade: jugendstil-artige Abwandlung der deutschen Renaissance

 

Es zeigt eine Hauptfassade an der Neusser Str. mit einem Erker (dritte bis fünfte Achse) über alle Obergeschosse und einen darüber sich erhebenden, zweigeschossigen, geschweiften Giebel mit zwei Fenstern, einem Fenstergesims und einer Nische im flach dekorierten Giebelfeld und einem polygonalen Ecktürmchen mit Glockendach.

Der Erker ist reichlich dekoriert: Im ersten Obergeschoß Fenstergewände, Dekorfelder an den Fensterbrüstungen und lange Voluten mit Kämpfern zwischen den Fenstern; im zweiten Obergeschoß profilierte Fensterbänke, Reliefs an den Fensterbrüstungen und feine Andeutungen von zwei Fenstergesimsen, die einen Übergang zum dritten Obergeschoß darstellen. Die drei Erkerfenster sind reichlich verziert durch eine Fensterbankgirlande und zwei Frauenbüsten, die optisch einen Sockel für zwei stilisierte Pilaster bilden. Die oberen Erkerfenster sind von je einem Wappen mit Fruchtdekor versehen.

Alle anderen Fensterachsen beider Fassaden sind in den Obergeschossen gleichartig gestaltet (die beiden Eckachsen mit schmalen Fenstern, die dritte Achse in der Balthasarstraße zeigt Blendfenster); im gebänderten, von zwei schmalen Gesimsen begrenzten Feld befinden sich noch rechteckige Fenster mit Ziereinrahmung mit profilierten Fensterbänken und Krönungsfeldern.

Das zweite und dritte Obergeschoß sind durch stilisierte Kolossalpilaster auf rauhen Putzfeldern zusammengefügt. Die Fenster im zweiten Obergeschoß zeigen flache Putzfeld-Einrahmung mit zweistufiger Blattbekrönung, Fenstergesims, unter dem sich das Putzfeld in Einrahmung des Fensters im dritten Obergeschoß fortsetzt, und je eine Volute mit Fenstergesimsbekrönung. Ein profiliertes Kranzgesims schließt das Gebäude nach oben ab.

Die erste und zweite Achse zur Balthasarstraße und die zweite und sechste Achse zur Neusser Straße gipfeln in je eine Dachgaube mit Dreieckgiebel, die Eckachsen in einen polygonalen Turm mit Glockendach mit Turmknopf. Die zweite Achse (Balthasarstraße) ist im dritten Obergeschoß durch einen halbrunden Austritt mit Schmiedeeisengitter hervorgehoben.

Inneres

Im Treppenhaus findet man originale Holztreppen und gußeiserne Fenster mit bleigefaßter Farbverglasung in Jugendstil. Der Hausflur ist mit mehrfarbigem Terrazzofußboden, zweifarbigen Wandfliesen, die in zwei Pilaster überlaufen, ausgestattet. Die Erkerzimmer und die Räume der ersten Achse (Balthasarstraße) zeigen Deckenstuckdekor.

Städtebaulich bildet das Haus einerseits je einen Bestandteil der jeweiligen Hausfront der Erstbebauung der Balthasarstraße bzw. der Neusser Straße, andererseits ist es - in Korrespondenz mit den anderen drei Eckhäusern - ein prägender Blickfang der Kreuzung der o.g. Straßen (mit Eckgiebeln bzw. -türmchen). Während das 1889 gebaute Eckhaus Neusser Straße 47 im Stil der deutschen Renaissance gestaltet wurde, stellt sich die stilistische Überleitung zum reinen Jugendstil (Neusser Straße 41, gebaut 1904) in einer Mischform des o.g. Hauses dar.

Referenz: 2144


Das Denkmal hat die Nummer 1542 und ist seit dem 4. Juli 1983 geschützt.

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