Wohnhaus

Sülzgürtel 71, 50937 Köln - Sülz
Errichtet: 1927


Teil des Häuserblocks

Architekten: Clemens Klotz (1886-1969)

  •     Joseph Vieth (?-?)

 

  • Putz- und Backsteinfassaden

 

Aufbau/Fassaden

Der Miethäuserblock enthält vor Allem an der Zülpicher Str. eine ganze Reihe von Ladenlokalen  Es handelt sich um eine großräumige, siedlungsähnliche Anlage mit einem riesigen Innenhof. Die Fassadenfronten dieses Häuserblocks variieren von Straße zu Straße, tragen jedoch insgesamt eine ganze Reihe Merkmale, die die ganze Anlage als eine Einheit erscheinen lassen.

Mit Ausnahme der beiden risalitartigen, kubischen Eckbauten zum Sülzgürtel, die ein zusätzliches "Attikageschoß" mit kleineren Fenstern aufweisen, und der Hausfront Raumerstraße 4 bis 10, die drei Geschosse zeigt, ist die ganze Anlage viergeschossig.

Außer den Fassaden Raumerstr. 2 bis 10 und Curtiusstr 4 bis 6, die über einem hohen Sockel verputzt sind, und den o.g. Eckbauten, die reinen Backstein zeigen, sind die übrigen Backsteinfassaden über einem Backsteinsockel durch fensterhohe Putzstreifen horizontal gegliedert: Eine Betonung der Horizontalität, die durch die bescheidene Höhe des ganzen Komplexes, das flach gehaltene Sattel- bzw. Walmdach und die Fensterform (langrechteckig) und deren Sprossenteilung unterstützt wird.

Alle Eingänge (Ausnahme: Curtiusstr.2, dritte Achse) sind mit Flachdach verdacht, über denen je eine schmale, verglaste, mit Sprossen gegliederte Treppenhauslichte bis zum Dachgesims verläuft. Diese Treppenhausöffnungen sind in der Fassadenfront Sülzgürtel in je einen schmalen, vertikal profilierten, risalitartigen Vorsprung integriert bzw. laufen - in der Raumerstr. 4 bis 10 - im dritten Obergeschoß in einen kubischen, turmartigen Aufbau über.

Das Traufgesims des ganzen Baukomplexes springt breit vor und vermindert dadurch noch mehr die optische Bedeutung des Dachs.

Alle Schaufensteröffnungen des Erdgeschosses (mit Ausnahme von zwei breiten Fenstern des Eckbaus SülzgürtelZülpicher Str.) zeigen breite Giebelbögen und verleihen mit diesem Detail der ganzen Architektur einen expressionistischen Anklang, der übrigens auch noch in Dreieck-Erkern (Zülpicher Str.: 14. und 16. Achse; Raumerstr. 2 - 2a: 12. Achse) mit entsprechenden Dachgesims-Vorsprüngen und in der Eckgestaltung des Erdgeschosses SülzgürtelZülpicher Str. (schräge Ecke mit Pfeiler und Reliefplastik) zum Ausdruck kommt.

Einige Motive kehren immer wieder an unterschiedlichen Stellen der Fassaden, wie z.B. Flachbalkone mit unauffälligen Gittern und Fensterbankgesimse, die als gesimsartige Horizontalgliederung Akzente setzen (an den beiden Eckbauten Sülzgürtel und dem dritten Obergeschoß Raumerstr. bzw. Curtiusstr), Vorgärten mit Einzäunung (Sülzgürtel: Zweite und neunzehnte Achse und Raumerstr. 4 bis 10).

 

Rückseite/Innenhof

Die stilistische Einheit der Architektur erstreckt sich auch auf die Rückfassadenfront, die ohne Rücksicht auf unterschiedlich gestaltete Straßenfronten einheitlich verputzt und durch weiße Sprossenfenster und Balkone (mit hohen Brüstungen) durchbrochen ist.

Die großflächige Rückfassade, die einen hellen Hof mit hohen Bäumen und grünen Flächen umschließt, wird belebt durch

  • schmale, verglaste Treppenhauslichte im Süden
  • tunnelartige Hofeinfahrt (Curtiusstr)
  • abgerundete bzw. eckige, plastisch heraustretende Balkonkörper
  • einen niedrigen Anbau in der Ecke SülzgürtelZülpicher Str.

 

Inneres

Auch im Inneren der Häuser ist die ästhetische Einheit der Architektur zu finden und lässt die Formwelt der späten zwanziger Jahre erleben.

  • originale Haustüren mit eingebautem Briefkasten im Türrahmen
  • Wand- und Fußbodenfliesen
  • Treppenhäuser
  • Terrazzotreppen mit
  • einfachen Eisengeländern mit Holzlauf
  • originale Wohnungstüren mit Messinggriffen
  • verglaste Zimmertüren
  • zurückhaltender Deckenstuck in Wohnräumen
  • Fliesen in Küchen

 

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Der Häuserblock ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in Sülz und Köln, da er den Ausbauprozeß dieses Stadtteils zu einem reinen, im Stil der zwanziger Jahre gehaltenen Wohngebiet dokumentiert.

Das bis dahin weitgehend noch nicht erschlossene Gelände erlebte erst in der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre eine rasche Umwandlung. Dank der Bemühungen privater Bauherren und vor allem vieler Baugenossenschaften entstand nördlich von dem neu angelegten Beethovenpark (1926) eine Reihe von Wohnbereichen für alle Bevölkerungsschichten.

Dieser Siedlungsbau ist ein interessanter Versuch der architektonischen Lösung von mehreren, städtisch geprägten Lebensfunktionen:

  • Befriedigung von Wohnbedürfnissen
  • vom Verkehr der Hauptstraßen geschützte Erholungszone (Innenhof)
  • Einkaufsbereich (Erdgeschoß der  Zülpicher Str. bzw. der beiden Eckbauten Sülzgürtel ) schaffen.

 

Städtebaulich prägt der Häuserblock nicht nur einen ganzen Abschnitt zweier Kölner Hautverbindungs-straßen (Sülzgürtel und Zülpicher Str. und vor allem deren Kreuzung), sondern stellt einen Übergang von der Bebauung einer verkehrsintensiven Allee (Gürtel) hin zum ruhigen Wohngebiet (Raumerstr.). Diese Anlage steht in Korrespondenz mit ähnlichen Siedlungskomplexen der zwanziger Jahre in Sülz, allerdings ragt sie durch ihre Komplexität bzw.Vielseitigkeit der Funktionalität und ihre Abgeschlossenheit hervor. Daher ist die o.g. Anlage sowohl im Ganzen wegen der

  • Bausubstanzverteilung
  • Fassadengestaltung
  • Dachform
  • Innenhof

als auch im Detail wegen der

  • Sprossenfenster
  • Türen
  • Treppenhausausstattung
  • Fliesen

zu erhalten.

 

Referenz: 8500


Das Denkmal hat die Nummer 1509 und ist seit dem 10. Mai 1983 geschützt.

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