Wohnhaus

Oppenheimstr. 16, 50668 Köln - Neustadt-Nord
Errichtet: um 1910


Halbvilla, Hälfte eines Doppelhauses

  • drei Geschosse
  • Putzfassade (Rauputz)
  • Stil: Jugendstil

 

 

Fassade/Aufbau

Die Straßenansicht ist insbesondere gekennzeichnet durch

  • einen halbrunden, dreifensterigen Risalit mit Balkon in der Mittelachse (in neuerer Zeit verglast und überdacht)
  • eine Treppe mit Podest (Altan) vor dem Hauseingang
  • ein zweiseitig gebahntes Mansarddach mit
  • weit auskragendem Traufgesims
  • einem zweiten Gesims oberhalb der Mansarde

Die Vergitterung der dicht nebeneinander liegenden Fenster (reiche Belichtung)des Souterrains korrespondiert mit dem senkrechten Profilstabwerk über einer Grundmauer als Einzäunung des Vorgartens.

Das Hochparterre ist repräsentativ herausgestellt durch

  • ein großes Fenster (links) mit zwei eingestellten Vierkantsäulen
  • drei im Risalit dicht nebeneinander liegenden, vertikalen Schiebefenstern mit vertieften Putzfeldern darüber, welche die Fensterhöhen nach oben zu vergrößern scheinen
  • die reich gestaltete Eingangssituation mit
  • einem Altangeländer aus rautenförmigem Eisenstabwerk,, das ein Mittelfeld aus Initialen umschließt
  • Türumrahmung
  • einem polygonalen Vordach
  • einer dem nachfolgend beschriebenen Innenraumstuck entsprechend flach profilierten, im oberen Teil verglasten und vergitterten Haustüre .

Das erste Obergeschoss wirkt dagegen mit kleinteiligen Fenstergliederungen, Klappläden und dem Balkon über dem Risalit zurückhaltend.

Das Mansarddach, in das die Fenster des Dachausbaus rahmenlos eingeschnitten sind, gibt mit seinen kräftig ausgebildeten Kanten dem Gebäude einen helmartigen Abschluß.

Durch die auf die Fensterbreiten beschränkten, flachen Fensterbankgesimse im Hochparterre, das flache, durchlaufende Fensterbankgesims im ersten Obergeschoß, das umlaufende Dachgesims und die wuchtig wirkenden Dachflächen (Biberschwanzdeckung) wird dem Gebäude ein nach oben hin zunehmend verschlossener Ausdruck gegeben. Der raue Fassadenputz gibt dem Bewuchs des Mauerwerks guten Halt.

Rückseite/Seite

An der Rückseite, deren ursprüngliches Aussehen durch mehrere Anbauten aus neuer Zeit verändert worden ist, kehrt der Risalit der Vorderseite in gleicher Form, jedoch mittig, dicht neben dem linken Nachbarn wieder.

Die Seitenansicht ist ebenfalls durch einen Risalit, hier mit rechteckigem Grundriß, belebt, dessen eine Schmalseite zugleich Teil der Rückfront ist.


Inneres

Von dem hinter der Haustüre gelegenen Podest aus ist der Souterrain über eine breite Treppe aus hellbraunem Terrazzo, deren Wirkung unterstrichen wird durch die hochgezogene Treppenwange mit aufgesetztem Geländer und Treppenpfosten aus Messing und einem Wandsockel aus demselben Material der Treppenstufen, zugängig.

Die Wandfelder tragen Stuck in nach innen abgetreppter Rahmung und einem erhöhten Mittelfeld, die Deckenfelder sind ebenso stuckiert, wobei das Mittelfeld jedoch vertieft belassen ist. Den Übergang von der Wand zur Decke bildet eine Palmettenleiste.

Die Treppe führt zu einer Glastüre und einer im Hochparterre zentral gelegenen Diele,von der aus über eine aufwendig gestaltete, breite Holztreppe das erste Obergeschoss erschlossen ist. Der Dielenboden ist mit schwarz-grau-hellgrauen Terrazzofliesen mit vorwiegend quadratischen Ornamenten ausgelegt. Über einen niedrigen Holzsockel führen die, denen des Treppenhauses ähnlich stuckierten, Wände zu einer Decke mit tiefliegenden, quadratischen Kassetten.

Der zur Straße hin liegende, durch den Risalit erweiterte Raum ist ausgestattet mit

  • Parkettfußboden in Fischgrätmuster
  • Wandbekleidung aus dreiviertelhohen, holzgerahmten Lederflächen
  • einem farbigen Tapetenstreifen als Zwischenfeld
  • nach innen abgetreppter Stuck der Decke mit einem sehr stark erhöhten, rechteckigen Mittelfeld mit kannelierter Hohlkehle

 

Die Decke des angrenzenden Raums trägt einen elliptischen Deckenspiegel, der durch einen Zopf aus strengem, geometrischen Pflanzenornament eingefaßt ist.

Das Deckenfeld des rückwärtigen Raums, der durch den rückwärtigen Risalit erweitert ist, besteht aus einem mittleren Rechteck, das mit flachen Kassetten, deren Zentren mit Rosetten markiert sind, umgeben ist.

Die Türen bestehen aus Rahmen und über das ganze Blatt durchgehenden Füllungen, die Gewände und Rahmen entsprechen den Ausführungen der Türblätter.

 

Das Gebäude ist in klassisch geprägtem Jugendstil errichtet, sämtliche Arbeiten sind mit größter Exaktheit ausgeführt und von hoher Qualität.

Städtebaulich gesehen ist es Bestandteil des Entwurfs von Stadtbaumeister Hermann Josef Stübben (1845-1936), der seit 1881 ausgeführt wurde, nachdem die preußische Militärbehörde das Glacis zwischen der mittelalterlichen Stadtmauer und den äußeren Wallanlagen, dem Gebiet der Neustadt, zur Bebauung freigegeben hatte. Das beschriebene Gebäude ist Zeugnis für die ursprüngliche Villenbebauung zwischen Rhein und Riehler Str. In dieser Bautradition der offenen Bauweise bestimmen die Gebäude der umliegenden Straßen zum Teil den Straßenraum mit. Die Allee der Oppenheimstraße mit ihren Ausblicken zur Rheinallee am Konrad-Adenauer-Ufer und in den inneren Grüngürtel jenseits der Riehler Str. sind Teil der ursprünglichen, parkartigen Prägung des Viertels.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen.

Referenz: 6987


Das Denkmal hat die Nummer 1498 und ist seit dem 10. Mai 1983 geschützt.

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