Wohnhaus

Weißenburgstr. 6, 50670 Köln - Neustadt-Nord
Errichtet: um 1904


Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

  • vier Geschosse
  • ein Mansardgeschoss
  • vier Achsen

Das Erdgeschoß ist durch eine kräftig rustizierte Bänderung, ein kräftiges Stockwerkgesims und, übergreifend bis zu dem durchlaufenden Fensterbankgesims des ersten Obergeschosses, einen Brüstungsfries mit Rollenwerk, Festons und kettenartige Gehänge als tragender Bauteil gekennzeichnet.

Das erste und zweite Obergeschoß werden zusammengefasst und hervorgehoben durch

  • einheitlichen, feinen Fugenschnitt,
  • drei Pilaster mit schildartigen Kapitellen, welche den Erker und die zweite und dritte Fensterachse flankieren,
  • einheitliche, flache Fensterbögen,
  • ein geschwungenes Gesims an der Fensterbrüstung des vierten Obergeschosses 
  • stuckierten Schmuck auf dem gemeinsamen Brüstungsfeld der zweiten und dritten Fensterachsen (Festons, Bänder, florale Formen) .

 

Das vierte, mit flächig stuckiertem Putz, abgetreppter Rahmung der rechteckigen Fenster, hohem und gewellt profilierten Dachgesims selbständig herausgebildeten Obergeschoß trägt sockelartig das darüber liegende Mansardgeschoß.

Der Erker wird durch glatten Putz, zwei in jeder Etage dicht nebeneinander liegende, rechteckige Fenster, eine Unterbrechung des Dachgesimses über der Erkerachse und ein bekrönendes, konsolförmiges Abschlußgesims als Überleitung zum Dachgiebel mit starker, geschwungener Abdeckung in seinem eigenständigen Charakter betont. Durch die von unten nach oben hin bereichsweise zunehmende Feinheit der Oberflächenstruktur scheinen das erste und zweite Obergeschoß hinter dem Fensterbankgesims des ersten und das dritte Obergeschoß hinter dem geschwungenen Gesims auf den Fensterbrüstungen des dritten Obergeschosses emporzuwachsen. Bei aller Strenge und ungemein exakter Ausführung im einzelnen ist der architektonische Aufbau fließend geordnet.

Die Fenster und Türen der Vorder- und Rückseite sind original mit Ausnahme derer des Dachgeschosses (oberer Teil der Haustüre verglast, schmiedeeisernes Gitter). Der dreiachsige Anbau ist mit besonders schweren, breiten Fenstern ausgestattet. Die Rückseite ist in Ziegel-Sichtmauerwerk ausgeführt. Wegen der großen Grundstückstiefe ist das Treppenhaus zwischen Vorderhaus und Anbau angeordnet und sind im Anbau abgeschlossene Wohnungen eingerichtet.

Der Hausflur leitet durch seine Architektur

  • Varianten in der Gangbreite,
  • Zäsur durch scheitrechten Stützbogen mit seitlichen Holzkehlen

und Ausstattung

  • diagonal verlegte, schwarzweiße Bodenfliesen in schwarzer Feldrahmung,
  • Scheuerleiste aus taubenblauen Fliesen,
  • Sockel aus Fliesen mit Reliefmuster in weißer und hellgrüner Farbgebung,
  • Deckenfeld durch Hohlkehlen gerahmt

fließend zum durch große Fenster gut belichteten Treppenhaus über.

Die geraden, an den Zwischenpodesten angewendelten Treppenläufe in schwarzweißem Terrazzo, mit Eisengeländern, schmiedeeisernen Details und Holzhandlauf, führen zu den schwarzweiß und farbig mit roter Rahmung gefliesten Podesten. Die sich einander gegenüber liegenden, gleichen Wohnungsabschlußtüren sind durch einen Kämpfer in Form eines Karniesbogens gekennzeichnet, der die Linienführung des Oberlichts, der oberen Kante des Türflügels und der Sprosseneinteilung der Verglasung in der oberen Flügelhälfte bestimmt. Mit Ausnahme der der des Dachgeschosses sind sämtliche Wohnungsabschlußtüren mit den originalen Beschlägen (Buntmetall-Legierung) vorhanden.

Die an der Straßenseite des Erdgeschosses gelegene Wohnung ist mit originalem Fußboden, Stuckdecken (profilierte Hohlkehlen, zentrale Rosetten), Türblättern und in der Küche mit einem Sockel aus weißen und blauen Fliesen mit oben abschließendem Fliesenstreifen mit blauem, geometrischen Ornament ausgestattet.

Die zur Straße hin gelegene Wohnung im ersten Obergeschoß ist ebenfalls in originalem Zustand erhalten. Zur Belichtung des Flurs bestehen die Türfüllungen zum Teil aus Ornamentglas.

Das Wohnhaus Weißenburgstr. 6 ist ein gut erhaltenes Beispiel der Jugendstil-Architektur mit Elementen klassizistischer Prägung. Die bis heute erhaltene bauliche Funktion und große Alterungsbeständigkeit weisen auf die hohe Qualität der handwerklichen Ausführung hin.

Städtebaulich gesehen ist das beschriebene Gebäude Bestandteil des Entwurfs von Stadtbaumeister Hermann-Joseph Stübben(1845-1936), der seit 1881 ausgeführt wurde, nachdem die preußische Militärbehörde das Glacis zwischen der mittelalterlichen Stadtmauer und den äußeren Wallanlagen, dem Gebiet der Neustadt, zur Bebauung freigegeben hatte. Durch den schleifenden Kreuzungsschnitt der Weißenburgstraße mit dem Krefelder Wall fällt die gegenüber liegende Straßenfront fort. Um den Raum zu fangen, wurden in den zwanziger Jahren jenseits des Krefelder Walls (Grenze des Stübben-Plans) der quadratische Prälat-Otto-Müller-Platz mit denkmalwerter Grünnlage und einer offenen Seite zur Weißenburgstraße hin erbaut. Das Haus Weißenburgstraße 6 ist daher in der Reihe der Nachbargebäude sowohl Bestandteil einer Platzanlage als auch Teil der Eingangssituation der Weißenburgstraße.

Referenz: 9315


Das Denkmal hat die Nummer 1492 und ist seit dem 4. Mai 1983 geschützt.

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