Wohnhaus und Geschäftshaus

Rathenauplatz 30, 50674 Köln - Neustadt-Süd
Errichtet: um 1890;


  • vier Geschosse, Souterrain, ausgebautes Dachgeschoß (verändert: 3 Gauben),
  • drei Achsen,
  • Mittelachse im 2. bis 4. Obergeschoß durch flache Wandvorlage leicht betont; (ursprünglich Balkone);
  • Backsteinfassade mit Stuckgliederungen und Putzflächen (Fassade verändert, sowohl Materialien, als auch Gestalt, z. B. ursprünglich kein Wohnungsfenster im Hochparterre rechts außen);

 

Souterrain mit Wohnhauseingang in rechter äußerer Achse und Tordurchfahrt in linker äußerer Achse gestalterisch von Obergeschossen abgesetzt,

  • Fenster überwiegend erneuert,
  • schmiedeeiserne Gitter der Souterrainfenster original,
  • Tür (verändert) und Tor erneuert.

 

Rückseite

  • backsteinsichtig,
  • zweite Achse von links verputzt,
  • Fenster überwiegend erneuert,
  • überdachte Brücke im 3. OG verbindet Haupt- und Hinterhaus (nicht orignal)

 

Im Innern original:

Eingangsbereich: teilweise originale Treppenstufen aus Marmor

Treppenhaus

  • zweiflügelige hölzerne Tür,
  • Bodenfliesenbelag,
  • schmiedeeisernes Treppengeländer mit Holzhandlauf,
  •  bis zum ersten Obergeschoß: marmorne Treppenstufen (ursprünglich vermutlich Holztreppe),
  • Stuckprofile an den Treppenpodest-Untersichten,
  • zwischen zweitem und dritten Obergeschoß: Hinterhauszugang (verändert)
  • Durchfahrt mit Terrazzoboden

 

Zum Denkmal gehört das Hinterhaus (das ursprünglich nur im Sockelbereich mit dem Vorderhaus verbunden war):

  • vier Geschosse (ursprünglich gleiche Bauhöhe wie Vorderhaus),
  • nach Südwesten Loggien über drei Geschosse (verändert) und Hinterhauszugang
  • Backsteinbau (mit neueren Putzflächen nach Südosten);
  • Fenster überwiegend erneuert (und teilweise verändert),
  • Tür erneuert.

 

Im Innern original:

erstes  Obergeschoss: zweiflügelige Wohnungsabschlußtür aus Holz

Bestandteil des Denkmals ist der von einer originalen Backsteinmauer eingefriedet große Garten im Westen des Grundstücks.

Nicht zum Denkmal gehört der 2- bis 3-geschossige Nachkriegsanbau -Kapelle mit Dachwohnung, 1951 von Karl Band  (1900-1995) errichtet-  im Nordwesten des Hinterhauses.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Die von Hermann Joseph Stübben(1845-1936) geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Als Vorbilder für die halbkreisförmige Anlage um den Altstadtkern (Deutscher Ring bis Ubierring) dienten Stübben die Städte Wien (Ringstraße als repräsentativer Boulevard) und Paris (sternförmig auf einen Platz zulaufende Straßen).

Die Gesamtkonzeption vereinigt verschiedenartige Wohnviertel, deren Bebauung entsprechend ihrer Bewohnerschaft und Infrastruktureinrichtungen (z. B. das Oberlandesgericht im "Gerichtsviertel") aufwendiger oder schlichter gestaltet ist. Im Zuge der ab 1881 begonnenen Stadterweiterung wurde u.A. auch der Rathenauplatz westlich des Hohenstaufenringes angelegt. Er bildet den Mittelpunkt des Kölner Westends, einer einst bevorzugten Wohngegend mit aufwendig gestalteter Bebauung.

Dementsprechend fügte sich auch das o. g. Objekt in die nordwestliche Umbauung des Rathenauplatzes mit seiner Geschoßanzahl, repräsentativen Balkonen und Dachaufbauten ein.

Das Wohn- und Geschäftshaus Rathenauplatz 30 wurde im 2. Weltkrieg - insbesondere im Bereich des rückwärtigen Anbaus - mehrfach beschädigt, seine Bausubstanz blieb jedoch weitgehend erhalten. Obwohl sich die Fassade des Vorderhauses infolge der Kriegseinwirkungen heute verändert darstellt, ist die ursprüngliche ausgewogene Disposition noch erkennbar. Als wichtigste Gestaltungsmerkmale erscheinen

  • die die Waagerechte betonenden Sohlbankgesimse,
  • die leichte Hervorhebung der Mittelachse 
  • das als Sockelzone ausgebildete Souterrain.

 

Das derzeit als reines Wohnhaus genutzte Objekt, das über einen zu dem Planungskonzept gehörenden großen Garten verfügt, kam vermutlich nach dem 2. Weltkrieg in den Besitz des Ursulastifts und diente der Unterbringung von Arbeitern und Angestellten. Aus dieser frühen Nachkriegszeit stammt der ehemalige Kapellenanbau mit Dachwohnung im Nordwesten des Hinterhauses.

Das o. g. Objekt gehört zu einem Restbestand von Gründerzeitbauten am Rathenauplatz, die den 2. Weltkrieg überdauert haben. Es veranschaulicht als erhaltenswerter integraler Bestandteil - trotz Veränderungen - das ursprüngliche Erscheinungsbild des gärtnerisch gestalteten Rathenauplatzes, der innerhalb der Stübben'schen Neustadtplanung eine bedeutende städtebauliche Einzelleistung darstellt.

Referenz: 7310


Das Denkmal hat die Nummer 117 und ist seit dem 1. Juli 1980 geschützt.

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