Gustav-Adolf-Haus, Kirche

Hachenburger Str. 3-5, 51105 Köln - Humboldt/Gremberg
Errichtet: 1927 bis 1928


Kirchenbau und Wohnhaus

Architekt der Gesamtanlage: Arthur Hahn (1874-1964)

Fassade (KIrche)

Der denkmalwerte Charakter resultiert heute vor allem aus dem nahezu vollständig erhaltenen, äußeren Erscheinungsbild des Bauwerks. Auf die Gestaltung der straßenseitigen Fassade hat der Architekt besonderen Wert gelegt. Hinter dem Portikus, der schon erwähnt wurde, ragt ein Mittelrisalit empor, der durch schmale Fensterbänder gegliedert wird. Seitlich lassen großformatige Fensterstreifen die dahinter liegenden Treppenläufe erkennen. Ein kräftiges Horizontalgesims markiert den Traufbereich. Über dem Mittelrisalit liegt hier ein Giebel, während die Schmalseite des Kirchengebäudes selbst von einem Walmdach bedeckt wird. Ein über Eck gesetzter, zierlicher Dachreiter setzt den wichtigsten Akzent der straßenseitigen Hauptfassade. Dieser Dachreiter besitzt reiche Zinkblechverkleidungen. Mit ihnen korrespondieren die Zinkarbeiten, die sich besonders im Bereich der Dachtraufe und der Regenfallrohre erhalten haben. Ein reizvolles Zinkdach besitzt auch das westlich anschließende Windfanggebäude, daß den Eingang zum Wohnhaus Hachenburger Straße 7 schützt.

Inneres

Die Kirche ist ein längs-rechteckiger Saalbau mit einem Untergeschoss und einem Hauptgeschoss. Zur Straße hin öffnet sich ein Portikus auf Klinkerstützen, der über eine dreiteilige Portalanlage in den Vorraum führt. Rechts und links des Vorraums befinden sich Treppenhäuser, die auf die Empore führen. In der Mitte öffnen sich drei weitere Türen in den Saalraum. Dieser ist durch große Rahmenbinder in drei Abschnitte gegliedert, die durch jeweils dreiteilige Fensterbahnen auf beiden Seiten belichtet werden. Wand- und Deckengestaltung sind nicht mehr original erhalten.

Auf der dem Eingang gegenüber liegenden Schmalseite öffnet sich der eigentliche Altarraum in einer Nische. Auch hier ist die Gestaltung in der Nachkriegszeit erneuert worden.

Fassade(Wohnhaus)

Das Wohnhaus, ein dreieinhalbstöckiger Bau, erweist seine planerische und gestalterische Nähe zum Kirchengebäude durch die verwandte Materialwahl: Klinkermauerwerkstreifen und Wandfelder in Edelputz. Kirchengebäude und Wohnhaus sind durch ein brückenartig gestaltetes Verbindungsgebäude miteinander verbunden. Das südliche Pendant wurde in den zwanziger Jahren gleichfalls nicht errichtet, das heutige stammt aus der Nachkriegszeit. An den beiden Langseiten des Kirchengebäudes wechseln verputzte Felder mit verklinkerten, letztere im Bereich der dreibahnigen Fenster.

 

Das Gustav-Adolf-Haus und das westlich anschließende Wohnhaus Hachenburger Straße 7 sind nach einheitlichem Plan in errichtet worden. Ein damals geplantes, symmetrisch sich nach Osten anschließendes, kirchlichen Zwecken dienendes Gebäude ist nicht ausgeführt worden. Der heute dort stehende Bau wurde in den fünfziger Jahren errichtet. Er ist nicht denkmalwürdig im Sinn des Denkmalschutzgesetzes.

Die städtebauliche Bedeutung des Objekts ergibt sich aus folgenden Gründen:

Durch die Einfügung in das Straßenbild der Hachenburger Straße war die Gemeinde für ihren damals neuen Kirchenbau an die geforderten Bauhöhen gebunden. Es verlangt dem heutigen Betrachter ein hohes Maß an Bewunderung ab zu sehen, wie der Architekt diese, zunächst als Einschränkung empfundene Situation, fruchtbar zu nutzen verstand. Gerade die dreiteilige, symmetrische Anlage, besonders das Absetzen der einzelnen Gebäudeteile voneinander, gleichzeitig jedoch ihre Verbindung durch niedrige Zwischenbauten, bringen das reichhaltige Erscheinungsbild hervor, das mit relativ geringem, ornamentalen Aufwand erreicht wurde. Die Saalkirche ist durch ihre Fenstergestaltung, durch den vorgelagerten Portikus, besonders aber durch den über Eck gesetzten, zierlichen Dachreiter, eindeutig die Dominante des dreiteiligen Ensembles.

Darüber hinaus ist das Objekt auch von Bedeutung für die Ortsgeschichte:

Für den Arbeitervorort Humboldt markiert die evangelische Kirche, das Gustav-Adolf-Haus, ähnlich wie der etwas triumphalere Kirchenbau der katholischen St. Engelbert Gemeinde, einen wichtigen Punkt der Selbstdarstellung. Beide Sakralbauten entstanden nahezu gleichzeitig in den Stilformen des Expressionismus. Mit dieser damals höchst modernen Stilfassung versuchten beide Konfessionen, in der politischen wie ideologischen Auseinandersetzung gerade der zwanziger Jahre, ihren Anspruch auf Mitgestaltung des öffentlichen Lebens zu dokumentieren.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen.

 

Referenz: 4367


Das Denkmal hat die Nummer 1003 und ist seit dem 4. Mai 1982 geschützt.

Denkmal <Gustav-Adolf-Haus, Kirche> bearbeiten
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