Schiffbrücke mit Stadtpanorama, Frankenwerft 38, 50667 Köln - Altstadt-Nord (1895)
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Ulrich Hermanns Ulrich Hermanns
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Sammlung: Groß St. Martin

Groß St. Martin : Schiffbrücke mit Stadtpanorama

Frankenwerft 38 (50667 Altstadt-Nord)

Die Frankenwerft ist heute eine nur für Fußgänger zugängliche Straße zwischen Rheinufer und Altstadt. Oft wird sie auch mit der Rheinpromenade gleichgesetzt. Die Frankenwerft verläuft südlich von der Deutzer Brücke bis nördlich zur Hohenzollernbrücke. Nahe der Deutzer Brücke befindet sich der Rheinpegel, mittig der Fischmarkt mit der Kirche Groß St. Martin und nördlich grenzt der Heinrich-Böll-Platz vor der Philharmonie an.

Der Verkehr wird durch den in den 80er Jahren entstandenen Rheinufertunnel geleitet. Vielfältige Gastronomie mit Außenterassen laden insbesondere die vielen Touristen zu einer Pause ein. Im Sommer bevölkern Radfahrer und Jogger die Rheinpromenade, Fahrgäste warten auf die Schiffe der Köln-Düsseldorfer.

In früherer Zeit war hier reger Hafenbetrieb mit Zollamt und Stadtmauer, wovon aber nur noch das wieder aufgebaute Stapelhaus übrig geblieben ist. Der Name "Werft" kommt jedoch daher. Nachdem im Süden 1898 der Rheinauhafen fertig gestellt wurde, verlor die Frankenwerft als Hafenanlage an Bedeutung.


Weit mehr als der unvollendete Dom prägte die dem Heilgen Martin geweihte Kirche über Jahrhunderte das Stadtbild Kölns.

Ihr Bauplatz war im 12. Jhdt die ehemalige Rheininsel zwischen dem Alter Markt und dem Frankenwerft. Auf den Fundamenten alter römischer Lagerhallen und älterer Vorgängerbauten wurde die Kirche ab der Mitte des 12. Jhdt erbaut. Seit dem 10. Jhdt war hier ein Benediktiner-Chorherren- Stift angesiedelt, dessen Gründung auf den Erzbischof Bruno, den Kanzler des Reiches und Bruder Kaiser Otto des Großen zurückgeht. Charakteristisches Merkmal der romanischen Basilika ist der riesige Vierungsturm mit den vier Flankierungstürmchen und dem spätgotischen Knickhelm. An die Vierung schließen sich nach Norden, Süden und Osten die Apsiden des Dreikonchenchors an und nach Westen das relativ kurze Langhaus.

Steht man vor dem Eingang im Westen, so fällt auf, dass das rechte Seitenschiff des Langhauses schmaler ist als das linke und zwei Rücksprünge aufweist. Hier stand bis zum Abriss nach der Säkularisation im Jahre 1806 die zum Stift gehörige ältere Pfarrkirche St. Brigiden mit ihrem Turm. Im Pflaster neben der Kirche ist der Grundriss dieses Baus nachgezeichnet. (Anm. Zu einem Stift gehörte immer eine Pfarrkirche für die nicht-geistlichen Bewohner eines Stiftsbereichs. Die großen Kirchen waren den Stiftsdamen oder -herren vorbehalten. Nach der Säkularisierung und der Neuordnung von Kirchenprovinzen und Bistümern wurde die Zahl der Kirchen in Köln massiv vermindert. Unter anderem wurden die großen Stiftskirchen zu Pfarrkirchen umgewandelt, die ehemaligen Pfarrkirchen wurden anderweitig genutzt bzw. meist auf Abriss verkauft. Von den ehemaligen Pfarrkirchen blieb allein St. Peter an der Leonhard-Tietz-Str. als Pfarrkirche des Damenstifts St. Cäcilien erhalten sowie der Turm der Pfarrkirche Klein St. Martin zwischen Pipinstr. und Augustinerstr. als ehemlige Pfarrkirche des Stiftes von St. Maria im Kapitol.)

 

Groß St. Martin wurde im II. Weltkrieg massiv zerstört, Experten sprachen von einem Zerstörungsgrad von ca. 70%. Nach bereits schweren Beschädigungen im Jahre 1943 machten letzte Angriffe im Anfang des Jahres 1945 der Kirche fast den Garaus. Ihre Sicherung und der fast vierzig Jahre dauernde Wiederaufbau sind ein ganz besonderes Zeichen für den Willen, die romanischen Kirchen Kölns wiederherzustellen.

Im alten Köln gab es zwei dem Hl. Martin geweihte Kirchen: Großs St. Martin und Klein St. Martin. Die Kirche Klein St. Martin in der Nähe des Heumarkt zwischen Pipinstr. und und Augustinerstr. war Pfarrkirche des nahegelegenen Damenstifts von St. Maria im Kapitol. Nach der Säkularisation blieb davon nur der Turm als Glockenturm für Maria im Kapitol stehen.

Am Fuße der Ostseite von Groß St. Martin befindet sich eine Gedenktafel an Robert Blum, der hier in Köln am Fischmarkt geboren wurde. Robert Blum war ein maßgeblicher Politiker der Nationalversammlung 1848/49 in der Paulskirche. Er wurde am 9. November 1848 in Wien als Aufrührer erschossen, obwohl ihm als Abgeordneter der Nationalversammlung Immunität zustand.

Weitergehende Informationen findet man in dem Buch von Werner Schäfke über die romanischen Kirchen.

 

 

Die Schiffbrücke (errichtet 1820) war die erste halbwegs feste Verbindung der beiden Ufer seit dem Abbruch oder dem endgültigen Verfall der römischen Brücke, der wohl unter Erzbischof Bruno im 10.Jhdt. erfolgte. Der Verkehr über den Fluss erfolgte mittels verbundener Schwimmpontons (Joche) auf denen die Fahrbahn befestigt war. Bei durchkommendem Schiffsverkehr mussten ein oder mehrere Joche ausgeschwommen werden. Dies führte regelmäßig zu "Staus" an beiden Ufern. Die Schiffbrücke wurde 1915 mit Fertigstellung der Hängebrücke ("Hindenburgbrücke")stillgelegt und wohl nach Koblenz verkauft. Das Lagerhaus vor Groß St. Martin (gen. "Zum Ahren") und das langgestreckte Haus (Zollverwaltung "Am Bollwerk") mit dem achteckigen Turm vor Dom und St. Maria Himmelfahrt wurden vor 1900 abgerissen.

Weitere Fotos aus der Sammlung "Groß St. Martin"