Uhr vom Rathausturm, Alter Markt, 50667 Köln - Altstadt-Nord (2008)
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Sammlung: Rathausturm aktuell

Rathausturm aktuell : Uhr vom Rathausturm

Alter Markt (50667 Altstadt-Nord)

Der 5460 m² große Alter Markt entstand um 1000 n. Ch. durch Teilung des damaligen Marktplatzes als Hauptplatz in Köln in den Heumarkt und den Alter Markt. Hier herrschte buntes Markttreiben, Turnierspiele wurden aufgeführt. Im 18. Jahrhundert wurde der Platz auch als "cölnischer Markusplatz" bezeichnet, muss also schon zu dieser Zeit ein sehenswerter Ort gewesen sein.

Hier stand jedoch auch der Kölner Pranger und im Drillhäuschen wurde Strafvollzug ausgeübt. Schon im Mittelalter berühmt waren die "Maatwiever", die Marktfrauen, die hier Obst, Gemüse, Fleisch etc. verkauften. Zur Römerzeit lag der Alter Markt vor der Stadtmauer, der römische Hafen grenzte daran. Nach der Römerzeit versandete der Hafen und wurde später zum Gelände der heutigen östlichen Randbebauung des Platzes.

Im 2. Weltkrieg wurden Platz und angrenzende Häuser fast vollständig zerstört. Die vermeintlich alten Fassaden der Häuser sind alle neu erbaut. Bis in die 80er Jahre fuhren Autos und Busse über den Platz, ein großer Parkplatz war vorhanden.

Den Westteil des Alter Markt beherrscht heute das Rathaus mit Rathausturm. In der Platzmitte befindet sich das 1884 errichtete Reiterstandbild mit Brunnen für Jan-von-Werth, wird jedoch seit Jahren eingeengt durch den U-Bahnbau unter dem Platz. Vielfältige Gastronomie, im Sommer auch draussen, lädt Touristen wie Einheimische zum Besuch ein.

In der Regenrinne des Hauses Alter Markt 24 ist der "Kallendresser" zu sehen, eine kleine Bronzefigur, die seinen Betrachten den Hintern zeigt. Die Figur wurde vom Kölner Künstler Ewald Matare gestaltet. Es bleibt fraglich, ob die Figur Zeichen des bürgerlichen Hohns und Zorns auf den gegenüber dem tagenden Rat der Stadt war oder ein Symbol für frühere Zeiten, wo einfach die Regenrinne (Kalle) nächtens genutzt wurde, wenn der Weg zur Toilette im Hof zu lang war.

Am Alter Markt wird jährlich am 11. November die Karnevalsession offiziell und  Weiberfastnacht der Straßenkarneval mit zehntausenden Jecken eröffnet.


Der Rathausturm überragt die Altstadt und ist weithin sichtbar. Nach der Kriegszerstörung, langwierigem Wiederaufbau, erneuten Sanierungsarbeiten und dem dann letztendlich doch noch glücklichem Ausgang der langen Skulpturengeschichte zeigt sich der Rathausturm, dieses bedeutende Sinnbild mittelalterlichen Bürgerstolzes, heute wieder in alter Gestalt.

In seiner Spitze befindet sich ein Glockenspiel (franz. carillon), das täglich um 9.00, 12.00, 15.00 und 18.00 ertönt. Der Rat hat vor einiger Zeit einer Modernisierung des Repertoires zugestimmt, sogar ein Stück von Karl-Heinz Stockhausen ertönt regelmäßig. Normalerweise werden vorbereitete Stücke eingespielt, bei besonderen Anlässen kann ein Glockenspieler das gewichtige Instrument von Hand erklingen lassen.

Im oberen Teil des Turms lagert die Stadtverwaltung Geschenke ausländischer Gäste. Es gibt einen Ausgang im Dachstuhl, wo man (allerdings nicht für die Öffentlichkeit zugänglich) rund um den Turm gehen kann. Von hier hat man einen hervorragenden Ausblick auf die Altstadt, insbesondere Groß St. Martin und den Dom:

 

Blick auf Groß St. Martin Blick zum Heumarkt Blick über den Alter Markt nach Deutz

Zum Alter Markt hin ist eine weitere Besonderheit zu erkennen, der Kopf des "Platzjabeck". Unter der Uhr angebracht streckt er beim Ertönen des Glockenspiels den Zuschauern die Zunge heraus, ein Hinweis auf das manchmal recht distanziert-kritische Verhältnis des Kölners zu seiner Obrigkeit sowohl heute als auch in der Vergangenheit.

Und wenn man nach dem Ende des musikalischen Spektakels eine 180 Grad Drehung vollführt, so kann man am Haus Alter Markt 24 hoch oben die Figur eines Mannes erkennen, der sachlich gesprochen seine Notdurft in die Dachrinne erledigt, kölsch jedoch "der Kallendresser" genannt wird. Dazu muss man wissen, dass auf Kölsch die Dachrinne "Dach-Kall" genannt wird, der zweite Teil des Wortes bedarf sicher keiner Erklärung. Zusammengesehen könnte man von einem "Gesamtkunstwerk" im Sinne des berühmten Zitates vom Ritter Götz bezeichnen.

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