Konrad Adenauer im Gespräch mit politischer Prominenz, Alter Markt 22, 50667 Köln - Altstadt-Nord (1948)
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Walter Dick Walter Dick
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Album: 700 Jahrfeier Kölner Dom 1948

700 Jahrfeier Kölner Dom 1948 : Konrad Adenauer im Gespräch mit politischer Prominenz

Alter Markt 22 (50667 Altstadt-Nord)

Der 5460 m² große Alter Markt entstand um 1000 n. Ch. durch Teilung des damaligen Marktplatzes als Hauptplatz in Köln in den Heumarkt und den Alter Markt. Hier herrschte buntes Markttreiben, Turnierspiele wurden aufgeführt. Im 18. Jahrhundert wurde der Platz auch als "cölnischer Markusplatz" bezeichnet, muss also schon zu dieser Zeit ein sehenswerter Ort gewesen sein.

Hier stand jedoch auch der Kölner Pranger und im Drillhäuschen wurde Strafvollzug ausgeübt. Schon im Mittelalter berühmt waren die "Maatwiever", die Marktfrauen, die hier Obst, Gemüse, Fleisch etc. verkauften. Zur Römerzeit lag der Alter Markt vor der Stadtmauer, der römische Hafen grenzte daran. Nach der Römerzeit versandete der Hafen und wurde später zum Gelände der heutigen östlichen Randbebauung des Platzes.

Im 2. Weltkrieg wurden Platz und angrenzende Häuser fast vollständig zerstört. Die vermeintlich alten Fassaden der Häuser sind alle neu erbaut. Bis in die 80er Jahre fuhren Autos und Busse über den Platz, ein großer Parkplatz war vorhanden.

Den Westteil des Alter Markt beherrscht heute das Rathaus mit Rathausturm. In der Platzmitte befindet sich das 1884 errichtete Reiterstandbild mit Brunnen für Jan-von-Werth, wird jedoch seit Jahren eingeengt durch den U-Bahnbau unter dem Platz. Vielfältige Gastronomie, im Sommer auch draussen, lädt Touristen wie Einheimische zum Besuch ein.

In der Regenrinne des Hauses Alter Markt 24 ist der "Kallendresser" zu sehen, eine kleine Bronzefigur, die seinen Betrachten den Hintern zeigt. Die Figur wurde vom Kölner Künstler Ewald Matare gestaltet. Es bleibt fraglich, ob die Figur Zeichen des bürgerlichen Hohns und Zorns auf den gegenüber dem tagenden Rat der Stadt war oder ein Symbol für frühere Zeiten, wo einfach die Regenrinne (Kalle) nächtens genutzt wurde, wenn der Weg zur Toilette im Hof zu lang war.

Am Alter Markt wird jährlich am 11. November die Karnevalsession offiziell und  Weiberfastnacht der Straßenkarneval mit zehntausenden Jecken eröffnet.


Die Dame neben Adenauer ist wohl Christine Teusch (1888-1968), von 1947 bis 1954 Kultus- und damit auch Schulministerin in Nordrhein-Westfalen. Teusch war wie Adenauer ursprünglich in der katholischen Zentrumspartei tätig und gehörte nach 1945 zu den Mitbegründerinnen der CDU als einer christlichen, konfessionsübergreifenden Partei. Adenauer, der zum Zeitpunkt der Feierlichkeiten Fraktionsvorsitzendern der CDU im NRW-Landtag war, hatte ihre Ernennung zur Ministerin zu verhindern gesucht, da er eine Frau als für nicht fähig ansah, ein Ministerium zu leiten (!) Auch hier haben sich die Zeiten sehr zum Positiven verändert.

Weitere Fotos aus dem Album "700 Jahrfeier Kölner Dom 1948"


Am 16. August 1948 begann die Festwoche zur 700 Jahr-Feier des Kölner Doms. Am 15. August 1248 hatte der Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden (1205-1261) den Grundstein zur gotischen Kathedrale gelegt.

Die Feiern zum Domjubiläum fanden als Höhepunkt eine feierliche Prozession durch die Stadt, bei der nicht nur das Allerheiligste in der Monstranz durch die Ruinen der zerstörten Stadt getragen wurde, sondern auch neun verschiedene Schreine allen voran der Dreikönigenschrein aus dem Dom und Kölner Kirchen, erstmals wieder der Bevölkerung gezeigt werden konnten, wurden durch die Stadt gefahren. Bemerkenswert und von den Menschen besonders beachtet war die Teilnahme zahlreicher ausländischer Bischöfe und Ehrengäste, die, drei Jahre nach dem Ende von Gewaltherrschaft und Krieg, den Weg zu den Feiern gefunden hatten. Gerade dies war für die Menschen in ihren Sorgen und Nöten, ihrer Armut, ihrem Hunger und Elend ein erfreuliches Zeichen, dass aus dem Ausland, aus den Ländern der früheren Feinde, aus  den von deutschen Truppen bekämpften und besetzten Ländern durch den Besuch in Köln ein Beginn von Versöhnung, von neuer christlicher Brüderlichkeit dokumentiert wurde.

Diese Schritte einzuleiten war nicht zuletzt ein Verdienst des Kölner Erzbischofs Josef Frings (1887-1978), seit 1946 auch Kardinal, der seine Kollegen aus dem In- und Ausland ermuntert hatte an diesen Zeichen der Versöhnung mitzuwirken. Manche Formen von Verehrung, von Ritualen und Uniformen erscheinen uns heute pompös und übertrieben. Man muss jedoch wissen, dass vor 70 Jahren gerade in Köln, im "hillje Kölle" die Verehrung und Anerkennung der Autorität von Kirche und ihren Amtsträgern noch ungebrochen war. Außerdem gab die Kirche, so wie sie es zum Teil in den Zeiten der vorangegangenen Gewaltherrschaft getan hatte, den Menschen Halt in ihren Nöten, Ängsten, Hunger und Elend.

Politische Strukturen entwickelten sich gerade unter der Aufsicht der Alliierten, sie waren noch keine Größe, an der die Menschen sich orientieren konnten und so war es die Kirche, allen voran der von den Menschen bis zu seinem Tode hochverehrte Erzbischof Frings, die den Menschen Orientierung gaben und Mut zusprachen. Als Beispiel mag der seelsorgerliche Hinweis des Oberhirten im Jahre 1946 gelten, in dem Joseph Frings den Menschen gewissermaßen die Absolution gab, sich das was sie zum Leben brauchten, auch ohne Zahlung zu nehmen.

Vor diesem Hintergrund und der Zeit vor siebzig Jahren muss man auch die Auftritte des päpstlichen Legaten, des Kardinals Micara, sehen. Zu einer Zeit, da anders als heute, niemand daran dachte, dass ein Papst auf Reisen gehen könnte, war die Entsendung eines solchen Sonderbotschafters mit einer persönlichen Botschaft des Pontifex die höchste Ehre, die eine kirchliche Feier erhalten konnte.

Dass die Menschen dies alles zu schätzen wussten, dass sie Pomp und Prunk auch in den Zeiten der Not akzeptierten, lässt sich an der Masse der Teilnehmer erkennen. Bei der Prozession sollen ca. 500.000 Zuschauer zugegen gewesen sein, bei der großen Kundgebung im Stadion ca. 100.000. Und wenn man auf den Bildern von Walter Dick die Menschen und ihre Begeisterung sieht, die Menschen, die ernst und feierlich, neugierig aber auch fromm an den Festen teilnehmen, so muss man sagen, dass sie diese Festwoche und die internationale Aufmerksamkeit als Zeichen von Versöhnung und christlicher Brüderlichkeit erkannt und angenommen haben.

Zu erwähnen ist, dass der SPIEGEL der 700 Jahr-Feier eine Titelgeschichte gewidmet hat, die in ihrer Tendenz durchaus positiv zu sehen ist.